Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schöne, informative Wanderwege - Kapellenweg bei Scheidegg (Teil 5)

SCHEIDEGG IM ALLGÄU – Nur wenige Kilometer von der Grenze zu Württemberg entfernt und direkt an der Grenze zu Österreich, verbindet der ökumenische Kapellenweg rund um das bayerische Örtchen Scheidegg wunderschöne Natur und spirituelle Momente.

Ulrichskapelle. Scheidegg im Allgäu. Kapellentour. Foto: Brigitte GeiselhartUlrichskapelle. Scheidegg im Allgäu. Kapellentour. Foto: Brigitte Geiselhart

Von Quelle zu Quelle zu ziehen – das haben die Menschen schon in alten Zeiten gemacht. Später wurden an den Quellen Kapellen gebaut. Zum Beispiel die Ulrichskapelle, die ein paar Meter jenseits der grünen Grenze zwischen Deutschland und Österreich steht. Sie und weitere 15 Gotteshäuser sind durch den „Großen ökumenischen Kapellenweg“ in Scheidegg verbunden. Jedes Ziel dieses insgesamt knapp 22 Kilometer langen spirituellen Wanderwegs ist ein besonderer Schatz.

Eintritt erwünscht: Die Tür steht offen. Zunächst aber eine kleine Erfrischung am Brunnen. Seinen Schöpfer um einen Schluck frischen Wassers bat auch Ulrich von Augsburg, als er sich – ermüdet vom langen Weg über den Pfänderrücken – an diesem Ort niedersetzte. Auf seine Segensbitte entsprang an dieser Stelle eine Quelle, die seither fließt und deren Wasser bei Augenleiden eine heilende Wirkung zugeschrieben wird. Das war im zehnten Jahrhundert, so besagt es die Legende. Zur Erinnerung an dieses Wunder wurde im Jahr 1005 eine Kapelle erbaut, deren Altar direkt über der Quelle steht. „So erinnert uns das Wasser der Ulrichskapelle daran, dass alles Leben seinen Ursprung in Gott hat“, steht auf einer Tafel an der Außenfassade.

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Es ist ein sonniger Frühsommermorgen. Vom Parkplatz beim Kurhaus in Scheidegg führt der Weg erst einmal bergauf. Teilweise steil bergauf. Aber jede Mühe lohnt sich. Gelegenheiten, sich auf einer Bank am Wegesrand auszuruhen und dabei unbeschreibliche Ausblicke in die faszinierende Landschaft zu genießen, gibt es in den nächsten Stunden noch genug. Der Kuckuck wird sich öfters lautstark zu Wort melden, auch viele Singvögel und die Glocken der auf den Almen grasenden Kühe sind immer wieder zu hören. Die angenehmen Geräusche vertiefen die innere Ruhe und die meditative Stimmung.

Kapellenweg im Allgäu - Vögel und Kühe sind zu hören

Als nächstes kommt die Anna-und-Joachim-Kapelle in Unterstein. Ein holzgeschindeltes Kleinod, das aus dem Jahr 1628 stammt und den Eltern der Gottesmutter geweiht ist. „Ein herrlicher Tag in einer besonderen Zeit. Es tut gut, die Schöpfung des Herrn zu spüren“, ist als einer der jüngsten Einträge im ausgelegten Gästebuch zu lesen. Bei Volkswandertagen oder ähnlichen Anlässen können meist Stempel als „Nachweis“ für die Teilnahme gesammelt werden. Wanderer des Scheidegger Kapellenwegs dürfen an jeder Station ein Kärtchen mitnehmen, das die jeweilige Kapelle benennt und einen Sinnspruch bereithält. So auch hier. „Du sollst Vater und Mutter ehren“, wird auf der Rückseite des Kärtchens der Anna-und-Joachim-Kapelle das vierte Gebot zitiert.

Fast 40 Jahre ist es her, als der damalige neue evangelische Ortspfarrer die Scheidegger Umgebung mit dem Fahrrad erkundete. Peter Bauer stieß dabei auf die Herz-Jesu-Kapelle in Ebenschwand – und freute sich, sie offen vorzufinden. Das brachte ihn auf eine gute Idee. Er initiierte Kapellenwanderungen und gemeinsam mit seinem befreundeten katholischen Amtskollegen Karl Meisburger verband er 1999 schließlich all die Kirchlein rund um Scheidegg zum ökumenischen Kapellenweg.

Die Pfarrer Uwe Six (links) und Joachim Gaida engagieren sich sehr für den Weg. Foto: Brigitte GeiselhartDie Pfarrer Uwe Six (links) und Joachim Gaida engagieren sich sehr für den Weg. Foto: Brigitte Geiselhart

Die traditionell gute Zusammenarbeit zwischen Protestanten und Katholiken ist im westlichsten Erholungsort des Allgäus eine Selbstverständlichkeit. „Wir verstehen uns auch privat prima“, sagt Uwe Six. Der Pfarrer der evangelischen Auferstehungskirche ist sich da mit Joachim Gaida, seinem Amtskollege von der katholischen Kirche St. Gallus, absolut einig. Gerade in Gottes freier Natur treffen sich die Scheidegger konfessionsübergreifend immer wieder – etwa beim dreistündigen Emmausgang am Ostermontag, der alljährlich die Pilgersaison eröffnet, bei ökumenischen Fußwallfahrten, die in die Schweiz nach Appenzell oder nach Vorarlberg in Österreich führen, beim Abendliedersingen auf dem Kreuzberg oder bei zahlreichen anderen Anlässen. Viele Wanderer auf dem Jakobsweg übernachten in Scheidegg zum letzten Mal auf deutschem Boden.

Hubertuskapelle. Kapellenweg im Allgäu bei Scheidegg. Foto: Brigitte GeiselhartHubertuskapelle. Kapellenweg im Allgäu bei Scheidegg. Foto: Brigitte Geiselhart

Kapellenweg bei Scheidegg - Ökumene ist am Ort wichtig

Es geht weiter – zur 1988 eingeweihten ökumenischen Hubertuskapelle in Forst. Sie ist aus privater Initiative entstanden, gehört heute dem gleichnamigen Kapellenverein und überzeugt durch ihre schlichte Schönheit. Ein Ort, der gerade auch bei gemischtkonfessionellen Familien sehr beliebt ist. Hier haben in den vergangenen Jahren viele junge Paare den Bund des Lebens geschlossen und ihre Kinder taufen lassen.

Gut aufpassen heißt es für die Wanderer, um die winzig kleine Martina-Kapelle in Schalkenried nicht aus Versehen links liegen zu lassen.Sie wurde in der Pestzeit 1622 erbaut. Wer durch die Tür Eintritt erlangen will, muss sich schon ein wenig bücken. Auch im Innern wird es eng. Dennoch mag man hier gerne verweilen. Der Blick fällt auf kunstvoll geschnitzte Heiligenfiguren und auf das Glockenseil vor dem Altar, an dem ein Schild hängt: „Bitte nicht läuten! (nur bei Todesfall im Ort)“.

Scheidegger Kapellenweg. Martina-Kapelle. Foto: Brigitte GeiselhartScheidegger Kapellenweg. Martina-Kapelle. Foto: Brigitte Geiselhart

Gottesdienst direkt im Grünen feiern, das ist auf dem Scheidegger Kapellenweg ebenfalls möglich. Auf einer Anhöhe am Waldrand stehen Altar und Taufstein, die bis zu deren Umbau im Jahr 1999 in die Auferstehungskirche gehörten und seit 2010 hier einen neuen Platz fanden.

Höchste Zeit für eine zünftige Brotzeit. Die Dorfsennerei Böserscheidegg ist eine Genossenschaft von neun Landwirten, deren Urgroßväter sich bereits vor mehr als 100 Jahren zusammengeschlossen haben. Hier reinzuschauen lohnt sich in jedem Fall. Nicht nur, um zu erfahren, wie die Löcher in den Käse kommen, sondern auch, um Bergkäse und andere Spezialitäten zu probieren, die der Käsermeister aus hochwertiger Rohmilch nach alt-überliefertem Verfahren herstellt.

Was, schon fünf Stunden unterwegs und noch nicht alles geschafft? Keine Angst: Die Wanderung muss nicht an einem Tag gemeistert werden. Möglichkeiten, um auf einem kürzeren Weg zum Ausgangspunkt zurückzukommen, gibt es reichlich. Dann hat man schon einen Grund, um wieder herzukommen. Und außerdem gibt es in Scheidegg als Alternative auch noch den „Kleinen ökumenischen Kapellenweg“. Der hat nur eine Länge von 2,7 Kilometern und ist auch für Wander-Einsteiger bestens geeignet. □

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