Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schöne, informative Wanderwege - Nationalpark Schwarzwald (Teil 13)

BAIERSBRONN (Dekanat Freudenstadt) – Im Nationalpark Schwarzwald gibt es viele Wanderwege. Einige davon hat das Ökumenische Netzwerk der Kirchen entwickelt. Unterwegs auf zweien, deren Namen viel versprechen: „In himmlischer Ruhe“ und „Dem Himmel nahe“.

Raue Schönheit und viel Grün: Inmitten des Nationalparks Schwarzwald kann man auf den Wanderungen zur Ruhe kommen. Foto: Brigitte GeiselhartRaue Schönheit und viel Grün: Inmitten des Nationalparks Schwarzwald kann man auf den Wanderungen zur Ruhe kommen. Foto: Brigitte Geiselhart

Geschafft! Nach schweißtreibendem Anstieg ist endlich Pause angesagt. Das Gewässer, das vor dem Auge des Betrachters liegt, ist ein Überbleibsel aus der letzten Eiszeit – umgeben von unbeschreiblich schöner Natur. Beim Blick in den See sieht man nicht nur die Moorbirken vom gegenüberliegenden Ufer, sondern auch sich selbst wie in einem Spiegel. Zunächst etwas verzerrt. Je ruhiger man wird, desto klarer wird das Bild. Vielleicht schaut Gott auf mich und sieht mich als sein menschliches Abbild?

Die Stille am Buhlbachsee tut gut. Gut tun aber auch meditative Gedanken auf dieser rund sieben Kilometer langen Wandertour, die sich im Nationalpark Schwarzwald östlich des Schliffkopf-Höhenzugs auf der Gemarkung Baiersbronn befindet. „In himmlischer Ruhe“ heißt der Rundkurs, der vom Ökumenischen Netzwerk Kirche im Nationalpark Schwarzwald entwickelt wurde. Wer hier unterwegs ist, darf Abstand vom Alltag gewinnen – und Gottes wunderbarer Schöpfung ganz bewusst ein wenig näherkommen.

Nationalpark Schwarzwald - Nebel im Tal, Sonne in der Höhe

Der Tag hat mit einem ausgiebigen Frühstück im Gutshotel Waldknechtshof in Baiersbronn-Klosterreichenbach begonnen. Ein Haus mit großer Geschichte, das mittlerweile mehr als 250 Jahre alt ist und in früheren Zeiten das Gutshofgebäude des Ochsenguts, einer Meierei des ehemaligen Benediktinerklosters war. Der Blick nach draußen sorgte für eher skeptische Mienen. „Keine Angst, wenn es im Tal neblig ist, dann scheint oben die Sonne“, hatte Konstantin Schindhelm schon im Vorfeld prognostiziert. Er ist Diakon der württembergischen Landeskirche und Waldpädagoge. Und er ist damit auch Teil des Ökumenischen Netzwerks, zu dem sich die Erzdiözese Freiburg, die Evangelische Landeskirche in Baden, die Diözese Rottenburg-Stuttgart und die Evangelische Landeskirche in Württemberg vor sechs Jahren zusammengeschlossen haben. Als Partner des Nationalparks ergänzt es die bereits bestehenden Angebote und Veranstaltungen für Besucher mit Interesse an christlichen Inhalten.

Baiersbronn. Nationalpark Schwarzwald. Beim Kreuz am Schliffkopf finden regelmäßig Gottesdienste statt. Foto: Brigitte GeiselhartBaiersbronn. Nationalpark Schwarzwald. Beim Kreuz am Schliffkopf finden regelmäßig Gottesdienste statt. Foto: Brigitte Geiselhart

Start der Wanderung ist bei der Bushaltestelle am Parkplatz Zuflucht auf knapp 1000 Meter Meereshöhe. Nebel? Letzte Schwaden verziehen sich. Konstantin Schindhelm hat also Recht behalten. Nicht nur das: Er hat den Wanderern auch spirituelle Impulse mit auf den Weg gegeben, die man an verschiedenen Eckpunkten auf sich wirken lassen kann. „Ankommen. Zurücklassen, was war. Noch nicht an das Morgen denken. Gott um den richtigen Weg bitten.“ Es geht über steinige Pfade durch den Wald, dann auf Kieswegen über eine lichte Fläche. Ein kleiner Abstecher zum Aussichtspunkt Rossstein? Der lohnt sich.

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Zu den rauen Schönheiten des Nationalparks Schwarzwald gehören auch die waldfreien Bergheiden, die in der Region als „Grinden“ bekannt sind. Latschenkiefern, Beerensträucher, Heidekraut oder Pfeifengras prägen diese Flächen, die ihre Entstehung größtenteils menschlichem Handeln zu verdanken haben. Im 14. Jahrhundert waren Hochlagen gerodet und danach von Bauern aus den umliegenden Tälern vor allem mit Hinterwälder Rindern und Ziegen beweidet worden. Durch das Zusammenspiel mit hohen Niederschlägen und dem Buntsandstein als geologischem Untergrund ist letztlich diese faszinierende und ökologisch wertvolle Landschaft entstanden. Seit 25 Jahren weiden hier wieder Rinder und Schafe. Und wer Glück hat, kann neben zahlreichen Schmetterlingen auch mal ein Auerhuhn oder andere seltene Tierarten entdecken.

Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.“ Ein Gebetsimpuls, zu dem bei der Überquerung des Spaltbächle eingeladen wird. Auch der Frage nach den Durststrecken im eigenen Leben kann nachgespürt werden. Es läuft gut – auch wegen der leicht abschüssigen Strecke. Der Bach plätschert und gluckert vor sich hin. Jetzt die Wasserflasche anzusetzen und sich einen kräftigen Schluck des kühlen und kristallklaren Wassers zu gönnen, ist genau die richtige Idee.

Nationalpark Schwarzwald - Aussicht bis nach Frankreich

„Das Grundanliegen des Nationalparks, die Prozesse in der Natur zu schützen, deckt sich mit den Grundanliegen unseres biblischen Glaubens“, sagt Konstantin Schindhelm. Der Natur das Ruder zu überlassen, die „Ethik der Zurückhaltung“, dieses Konzept werde hier konsequent verfolgt. Anders gesagt: Auf etwa 10 000 Hektar Fläche zwischen Baden-Baden und Freudenstadt darf der Wald sich selbst überlassen und ganz bewusst ein wenig wilder werden. Bäume, die in bewirtschafteten Wäldern oft nur ein Drittel ihres natürlichen Alters erreichen, dürfen hier mehrere hundert Jahre alt werden. Und aus scheinbar totem Holz sprießt oft neues Leben. Diese Philosophie bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass zum Beispiel nichts wird aus dem naheliegenden Wunsch, den bereits erwähnten Buhlbachsee einmal zu Fuß zu umwandern. Eine Linde liegt als Absperrung quer über dem Forstweg – und daran wird sich wohl so schnell auch nichts ändern.

Buhlbachsee bei Baiersbronn im Nationalpark Schwarzwald. Foto: Brigitte GeiselhartBuhlbachsee bei Baiersbronn im Nationalpark Schwarzwald. Foto: Brigitte Geiselhart

Es bleibt himmlisch. Und es bleibt ruhig. Andere Menschen gehen hier an diesem Vormittag nur wenige entlang. Wer auf einem Rundkurs lange Zeit bergab läuft, der muss irgendwann aber auch wieder ganz nach oben. Das zeigt sich auf dem letzten Teilstück der Wanderung. Auf schmalen Wegen müssen nochmal ordentlich viele Höhenmeter gemacht werden, bis nach rund zweieinhalb Stunden Gehzeit der Ausgangspunkt beim Parkplatz Zuflucht wieder erreicht ist.

Der Wandertag ist aber noch lange nicht zu Ende. Zum Glück. Nach der Mittagspause wartet ein weiterer Weg durch Gottes Schöpfung. Etwas kürzer, etwas weniger anstrengend, aber genauso schön. „Dem Himmel nahe“ heißt es auf knapp fünf Kilometern rund um den Gipfel des Schliffkopfs. Das Wetter spielt weiter mit. Es warten grandiose Aussichten übers Badener Tal bis zum Kaiserstuhl und über die Grenze nach Frankreich. Eine letzte ausgiebige Pause dann am höchsten Punkt. Auf dem Querbalken des Gipfelkreuzes steht ein Satz, der dem Wanderer an diesem herrlichen Erlebnistag so richtig aus dem Herzen spricht: „Nur Gott ist über uns.“

Zu den rauen Schönheiten des Nationalparks Schwarzwald gehören auch die waldfreien Bergheiden, die in der Region als „Grinden“ bekannt

Netzwerk im Internet:www.kirchetourismusbw.de

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