Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schöne, informative Wanderwege - Pilgerweg um Bad Waldsee (Teil 7)

BAD WALDSEE (Dekanat Ravensburg) – Als Moorheilbad und Kneippkurort ist Bad Waldsee bekannt. Doch rund um das Städtchen und im Ort selbst finden auch historisch oder spirituell interessierte Wanderer viele spannende Ecken. Unter anderem kreuzen sich in Bad Waldsee zwei bekannte Pilgerwege: der Römerweg und der Jakobsweg.

Knapp 20 000 Einwohner hat die Stadt. Hinzu kommen die zahlreichen Kurgäste.Bad Waldsee. Foto: Brigitte GeiselhartKnapp 20 000 Einwohner hat die Stadt. Hinzu kommen die zahlreichen Kurgäste.Bad Waldsee. Foto: Brigitte Geiselhart

Wer die ganz große „Action“ sucht, ist hier vielleicht nicht unbedingt am richtigen Platz. Wer sich zwischendurch mal eine Auszeit vom Alltag nehmen will, schon. Und das nicht nur deshalb, weil es im Bad Waldseer Ortsteil Reute am Rande eines Franziskanerinnenklosters das ökumenisch getragene „Auszeithaus Oberschwaben“ gibt – das jedem offensteht, der mal ein paar Tage zur Ruhe kommen, über die eigene Erschöpfung nachdenken, Beziehungskonflikte oder familiäre Umbruchsituationen reflektieren will.

Bad Waldsee ist ein geruhsamer Kneippkurort und Moorheilbad. Foto: Brigitte Geiselhart Bad Waldsee ist ein geruhsamer Kneippkurort und Moorheilbad. Foto: Brigitte Geiselhart

Bad Waldsee ist als Moorheilbad und Kneippkurort bekannt – und verfügt sogar über die heißeste Thermalquelle in ganz Oberschwaben. Aber auch für Wanderer mit spirituellem Hintergrund ist das Städtchen eine gute Adresse. „Bei uns kreuzt sich der Jakobusweg mit dem Römerweg, der vielfach auch Via Francigena oder Frankenweg genannt wird“, erzählt Stadtarchivar Michael Wild.

Bonifatius sei diese Pilgerstraße vom Frankenreich nach Rom schon im frühen Mittelalter gegangen, auch sein Mitarbeiter Willibald und der Erzbischof von Canterbury, der im Jahr 990 mit einem Maultier unterwegs war, um Papst Johannes XV. in Rom zu besuchen.

Bannwald bei Bad Waldsee entlang dem Pilgerweg. Foto: Brigitte GeiselhartBannwald bei Bad Waldsee entlang dem Pilgerweg. Foto: Brigitte Geiselhart

Der Wandertag startet an einem strahlenden Sommermorgen mit einem Besuch in einem „Bannwald“, drei Kilometer nordwestlich der Stadtmitte von Bad Waldsee gelegen. Der „Urwald“ – wie ihn die Einheimischen nennen – ist ein Waldstück im Brunnenholzried, das sich selbst überlassen wird und von dem schon deswegen eine fast mystische Ausstrahlung ausgeht, weil hier der Mensch möglichst seine Finger nicht im Spiel haben soll. Das Ried wurde bereits 1924 zum Naturschutzgebiet erklärt und zählt damit zu den ältesten in ganz Baden-Württemberg. Hier durchzuwandern, heißt sich auf ein besonderes Naturschauspiel und ein Abtauchen in eine Märchenwelt zu freuen. Aber bitteschön „auf eigene Gefahr“, weil man zum Beispiel gut auf abbrechende Äste oder morsche Bäume achten muss.

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Achtsamkeit stellt sich also ganz automatisch ein. Man darf das Gehen auf wohlig weichem Waldboden genießen, das behutsame Übersteigen zahlloser seit Jahren hier liegender Baumstämme genauso wie die wunderbaren Momente der Stille, in denen Vogelgezwitscher vorherrscht und störende Geräusche von außen fast vollständig ausgeblendet zu sein scheinen.

Zurück im Stadtzentrum ist eine gemächliche Runde um den Stadtsee fast schon ein Muss. Sie ist in knapp einer Stunde leicht zu bewältigen und gibt immer wieder herrliche Blicke auf die historische Altstadt frei. Das älteste Dokument, das über Waldsee berichtet, ist der „Weißenburger Codex“. Er nennt das Jahr 926. Noch von älteren Zeiten erzählt eine Gründungssage, nach der die römische Kaiserin Helena bereits im Jahr 330 den Edlen Emerius mit einem speziellen Auftrag nach Germanien geschickt haben soll. Sie habe ihm christliche Heiligtümer übergeben, heißt es, für deren Verehrung er einen Ort ausfindig machen sollte. Emerius überquerte also die Alpen und ließ bei einem schönen Brunnen eine Burg bauen. Die Burg wurde Wallsee genannt. In ihr wohnte fortan Emerius‘ Sohn Alban als „Herr von Wallsee".

Bad Waldsee - sehenswert

Eine Säule des Bürgermeisterzimmers gibt in Stein gehauen Auskunft über das Alter des prächtigen Waldseer Rathauses: „anno domini 1426 do war daz hus angefangen und was burgermaister ulrich kudrer und baumaister.“

Eines der ältesten Privathäuser der Stadt heißt heute „Beim Josl“. Das stattliche, spätmittelalterliche Gebäude entstand im 14. Jahrhundert und wurde auf bis heute erhaltenen Mauerresten eines massiven Steinhauses erbaut. Wie Münzfunde bezeugen, fanden hier bereits vor vielen Jahren Pilger und Handelsleute eine Schlafstätte. Im 21. Jahrhundert ist es denkmalgeschützt, dient als Kneipe und Café, aber weiterhin auch als Pilgerherberge.

„Zu uns kommen gerade in den Sommermonaten viele Leute, die auf dem Jakobsweg unterwegs sind“, erzählt Pächter Christoph Vögele. „Bei uns geht’s ganz entspannt zu. Fernseher gibt’s keinen, auch keinen großen Luxus. Dafür eine authentische und ganz spezielle Atmosphäre. Gerade das historische Ambiente mit freigelegten alten Wänden kommt bei unseren Besuchern gut an“, sagt er. „Natürlich freuen sich hungrige Pilger nach einem anstrengenden Tag zum Abendessen auch über unseren Wurstsalat, die überbackenen Seelen, den Sauren Käs und andere schwäbischen Spezialitäten“, fügt er schmunzelnd hinzu. Interessant ist auch ein Blick in das ausgelegte Gästebuch. „Dieses Haus atmet Geschichte“, schreibt zum Beispiel Gabi aus Braunschweig und wünscht allen künftig hier übernachtenden Pilgern eine gute spirituelle Weiterreise.

Pilgerweg um Bad Waldsee. In der Ferne grüßen schon die Alpen. Foto: Brigitte GeiselhartPilgerweg um Bad Waldsee. In der Ferne grüßen schon die Alpen. Foto: Brigitte Geiselhart

Auf den Spuren der Jakobspilger kann man sich auf einem gut fünf Kilometer langen Rundkurs bewegen, der nicht weit entfernt vom Stadtzentrum beginnt, auf einem kleinen Sträßchen über typische landschaftsprägende Wiesen und Wälder zunächst in Richtung Wolpertsheim führt und bei gutem Wetter grandiose Aussichten auf die nahen Alpen verspricht.

Bad Waldsee - Viele Pilger machen hier Station

Peter Lutz ist den Jakobsweg schon gegangen. Der pensionierte Volkswirt hat in den vergangenen Jahren als ehrenamtlicher Wanderführer zahlreiche Gruppen in Waldsee und Umgebung begleitet. „Auch heute sieht man noch sehr viele Pilger mit der Muschel am Rucksack als Erkennungszeichen, die gerne bei uns Station machen und hier eine Nacht verbringen“, sagt er. Wem die gesamte Strecke bis nach Santiago de Compostela allzu weit erscheint, für den hat auch der oberschwäbische Teil des Jakobswegs, der in zehn Etappen von Ulm nach Konstanz führt, seine Reize, wie Lutz versichert.

Wie wäre es also, sich als nächste Ein-Tages-Wanderung den rund 19 Kilometer langen Abschnitt des Jakobswegs von Bad Waldsee nach Weingarten vorzunehmen? Es lohnt sich mit Sicherheit. Auch hier bleibt der Weg das Ziel. Und am Ende des Tages warten mit der Basilika St. Martin die größte Barockkirche Deutschlands und das weltbekannte Kloster Weingarten.

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