Christliche Themen für jede Altersgruppe

Schöne, informative Wanderwege - Rund um Zillhausen (Teil 15)

ZILLHAUSEN (Dekanat Balingen) – Ein Ausflug nach Zillhausen lohnt: Hier gibt es eine attraktive Route, einen Geo-Wanderweg mit unkomplizierter Wegführung und Weg-beschaffenheit. Der Ort selbst war Heimat eines ganz eigenen evangelischen Landpfarrers.

Die Wege rund um Zillhausen zeigen die Schönheit der Region. Foto: Wolfgang AlbersDie Wege rund um Zillhausen zeigen die Schönheit der Region. Foto: Wolfgang Albers

Sobald man von Süden Zillhausen erreicht, ist linkerhand am Friedhof der Wanderparkplatz. Ganz praktisch: Eine Box hält Faltblätter mit Wegskizze und Infos bereit.

Wir folgen dem Wanderzeichen, einem Ammoniten auf grünem Grund. Um den Friedhof herum geht es an eine Schlucht. Unten plätschert der Büttenbach. Er frisst sich durch die Tonschicht des Braunen Jura. Mal ist der weicher, mal hat er härtere Anteile. Hier folgen sie direkt aufeinander, so dass sich das Wasser hinter einem Felsriegel tief nach unten fressen konnte – der Zillhäuser Wasserfall. Immerhin 24 Meter hoch, je nach Wetter mal mächtiger, mal dünner. So steil sind die Schluchtwände, dass man sich abseilen müsste. Aber eine stabile Metalltreppe und Steinstufen bringen uns hinunter, und bei den letzten zwei Metern direkt ins Bachbett hilft eine wacklige Eisenleiter, die aussieht wie vom Sperrmüll; Vorsicht, sie ist nicht gerade kippsicher angelehnt. Eine schöne wilde Schlucht, moosüberzogene Baumstämme liegen quer, über Felsbrocken kann man sich vorbalancieren bis an die stürzenden oder im trockenen Sommer eher herabrieselnden Wasser.

Der etwa elf Kilometer lange Wanderweg führt durch unterschiedliche Landschaften. Ein Höhepunkt ist der Zillhäuser Wasserfall. Foto: Wolfgang AlbersDer etwa elf Kilometer lange Wanderweg führt durch unterschiedliche Landschaften. Ein Höhepunkt ist der Zillhäuser Wasserfall. Foto: Wolfgang Albers

Hochromantisch zwischen Böllat und Hirschberg - Es geht rauf und runter

Wieder rauf. 115 Stufen. Die Ammonitenschilder leiten uns durch die hinteren Gassen von Zillhausen. Das ist der alte Dorfkern, man erkennt noch den landwirtschaftlichen Charakter der Häuser, aber viele wurden zu geräumigen Wohndomizilen umgebaut. Balingen, das Wirtschaftszentrum der Region, ist nur knapp 15 Autominuten entfernt. Schon die Oberamtsbeschreibung von 1880 lobte die Lage des Ortes: „Zillhausen liegt hochromantisch zwischen den Abhängen des Böllat und Hirschbergs im engen, waldigen und obstbaumreichen Thal des Büttelbachs.“ Auch sonst hatte der Autor nichts auszusetzen: „Seine großen, kräftigen Einwohner sind mehrentheils fleißig, betriebsund sparsam.“

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Von den Dörflern und ihrem gewiss nicht immer romantischen Leben haben wir sogar Zeugnisse. Einem Pfarrer und seiner Leica sei Dank. Von 1934 bis 1978 amtierte hier Hans Eckle, 1906 in Geislingen geboren und bis 1996, seinem Todesjahr, in Zillhausen wohnend. Er hat das Leben dokumentiert, als es noch von Lehmwegen, Kuhgespannen, Handwagen, Schaffkleidern und Bauerngesichtern, die deutlich vor der Zeit gealtert sind, geprägt war. Diese Bilder hat Eberhard Neubronner in seinem Buch „Der himmlische Blick“ herausgegeben.

Pfarrer Eckle - Kriegsfotos und Reisen

Hans Eckle war ein Beispiel für die prägende Rolle eines Pfarrers im Dorfleben – und ein Original. Nur ein Beispiel: Eines Sonntags stieg er auf die Kanzel, wo schon ein Ziegelstein lag. Pfarrer Eckle nahm ihn in die linke Hand und begann, über den Bibeltext zu predigen. Gespannt hörte die Gemeinde zu: Was hatte das mit dem Stein zu tun? Nach einer halben Stunde stieg Hans Eckle – der kein Wort über den Stein verloren hatte – wieder von der Kanzel. „Und was ist mit dem Stein?“, rief da einer. „Gar nix“, sagte der Pfarrer. „Aber heute habt ihr wenigstens einmal aufgepasst.“

Eckle war von 1940 bis 1945 Soldat. Auch da nahm er seine Leica mit und dokumentierte den Krieg im Osten, etwa vor Stalingrad. Die Bildvielfalt reicht von Landser-Romantik bis zu den Schrecken des Krieges: fliehende Bauern, abgekämpfte Soldaten, die Ruinen von Stalingrad.

Auf Urlaub in der Heimat (der verwundete Eckle war gerade noch aus Stalingrad herausgekommen) zeigte er die Bilder auf Vorträgen. Die Gestapo verhaftete ihn daraufhin wegen „Wehrkraftzersetzung“, das Kriegsgericht in Konstanz sprach ihn jedoch frei. Diese Erlebnisse machten ihn später zum Gegner der Wiederbewaffnung.

Hans Eckle schaffte es sogar bis in das Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Weil er ein großer Organisator von Gemeindereisen war, eine davon führte per Bus auf dem Landweg nach Jerusalem. So machten es viele Pfarrer – und die Reisebüros klagten heftig über die kirchliche Konkurrenz. Bernhard Jochem, ihr Verbands-Geschäftsführer, nannte Eckle ein Musterbeispiel für „berufsfremde Betätigung dieser Art“. Der „Spiegel“ fuhr fort: „Pfarrer Eckle, über den Bereich seiner Gemeinde hinaus als ‚Reisepfarrer‘ populär, kaufte 90 Luftmatratzen, charterte einige Reisebusse und veranstaltete Reisen, von denen einige nach Rom, die meisten nach Lugano, Venedig, Sizilien, Spanien und Nordafrika führten.“

Wir allerdings müssen unseren Weg ohne die Führung dieses umtriebigen Mannes fortsetzen. Wenn wir an die Hauptstraße, die Uthofer Straße, gekommen sind, folgen wir ihr nach links und nehmen nicht den Ammoniten-Abzweig in die Ebnetstraße, sondern laufen noch einige Meter bis zur Heusteige, wo der Geo-Weg wieder herunterkommt. Wir laufen also gegen die vorgeschlagene Richtung, haben aber so eine gleichmäßige Steigung hoch Richtung Hundsrücken.

Das Sträßchen führt uns hoch bis an die Hochfläche des Betten und dann in das Naturschutzgebiet des Roschbaches. Kurz danach schnürt sich der Rundwanderweg zur Taille einer Acht zusammen, weil so auch eine Kurzversion möglich ist. Wir folgen dem hellen Schotterweg Richtung Schiebelen und Hörnle und werden am Ursprung des Bezighofenbachs auf einen Wiesenweg gelenkt, umrunden eine Rottanne und folgen einem Weg durch die Wiesen. Immer besser überblicken wir das ganze Hochtal, das eher einem gepflegten Landschaftspark gleicht, vor allem die Hänge am Irrenberg.

Auf dem Wanderweg um Zillhausen. Foto: Wolfgang AlbersAuf dem Wanderweg um Zillhausen. Foto: Wolfgang Albers

Der Eindruck eines Parks täuscht nicht. Die Wiesen hier waren so nährstoffarm, dass sie nur einmal im Jahr gemäht werden konnten. Gegen Ende der 60er-Jahre, als die Landwirtschaft industrialisiert wurde, lohnte sich die Plackerei nicht mehr. Das ganze Gelände wäre verbuscht oder aufgeforstet worden, hätte nicht der Schwäbische Heimatbund die Flächen aufgekauft. Seit 1972 läuft hier die Aktion Irrenberg: Helfer mähen das Gras und befördern es zu Tal. Nicht nur Wanderer danken es ihnen, sondern auch Schmetterlinge, Heuschrecken, Eidechsen und anderes Getier.

Fast an der Hangkante lohnt ein Abstecher zu einem Aussichtspunkt – plötzlich schaut man auf die andere Seite, ins Hohenzollerische. Dass dieser Grat eine besonders schöne Ecke ist, sieht man an den Wegweisern. Hier laufen sie alle zusammen, ob „Traufgang“-Premiumweg oder Albvereinsweg. Wir gehen wieder hinunter zum Ammoniten, laufen den Talschluss auf einer prächtigen Promenade aus, steigen am Criesiewegle der Achter-Taille entgegen, schauen hinüber auf den Plettenberg und nehmen den Weg entlang des Roschbaches. Der beschert uns noch einen kleinen Wasserfall, dann sind wir bald zurück im Ort. □

◼ Alles in allem gut elf Kilometer und 400 Höhenmeter. Einfache Wege, Infos am Wanderparkplatz.

Buch-Tipp

Eberhard Neubronner
Der himmlische Blick. Fotografierende Pfarrer im alten Württemberg 1890‒1960
Silberburg Verlag, 176 Seiten, Hardcover
24,90 Euro

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