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Schöne und informative Wanderungen - Apfel- und Weinweg am Bodensee (Teil 31)

IMMENSTAAD – Der Apfel- und Weinweg beim badischen Immenstaad am Bodensee ist eine Wanderung für alle Jahreszeiten. Im Frühjahr lockt die Pracht der Blüten, im Sommer das frische Obst, im Herbst die Weinlese und im Winter die Ruhe.

Apfel- und Weinweg bei Immenstaad. Foto: Brigitte GeiselhartÄpfel und Wein, die rund um Immenstaad angebaut werden, geben dem Weg seinen Namen. Foto: Brigitte Geiselhart

Irgendwie fühlt man sich auf dieser Wanderung sofort wohl. Nicht, weil sie so leicht und gemütlich wäre. Ganz im Gegenteil. Es geht rauf und runter, ein ständiges Auf und Ab – wie im richtigen Leben also. Der Puls steigt zwischendurch mal ganz schön an. Eine etwa acht Kilometer lange Runde, die wie geschaffen ist für eine sportliche Nordic-Walking-Einheit. Und doch ist der Apfel- und Weinweg im Hinterland von Immenstaad auch für Spaziergänger ideal und in erster Linie eine beschauliche Genusswanderung für die ganze Familie. Eine Wanderung, die zu allen Jahreszeiten ihren Reiz hat.

Der Ausblick reicht bis in die Alpen

Im Frühjahr stehen sowohl die Obstbäume als auch die Reben im vollen Saft. Man kann sich kaum sattsehen an der Blütenpracht und an der Sicht über den Bodensee. Zum Beispiel vom auf einer Meereshöhe von 454 Meter gelegenen Hohberg aus. Er wird eine Viertelstunde nach dem Start beim Wanderparkplatz am Neuen Friedhof in Immenstaad erreicht. An klaren Tagen geht der Ausblick bis weit in die Schweizer Alpen. Eine Panoramatafel und ein kostenloses Fernrohr erleichtern die Orientierung. Zudem ist hier Gelegenheit, um auf einer Bank eine erste Rast einzulegen.

Der Hohberg ist ein sogenannter Drumlinhügel, der in der letzten Eiszeit entstanden ist. 1908 wurde hier ein erster Wasserspeicher gebaut. Der heutige Speicher stammt aus dem Jahr 1977 und versorgt die Gemeinde Immenstaad nach wie vor mit frischem Bodenseewasser.

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Kurz vor dem Hohberg haben die Wanderer das Schloss Hersberg passiert. Dieser imposante Gebäudekomplex war im 17. Jahrhundert eine repräsentative Klosteraußenstelle der Reichsabtei Ochsenhausen und seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein fürstlicher Gutshof, der 1929 an die Pallottiner-Gemeinschaft verkauft wurde. Heute wird das Schloss als geistliches Haus der Bildung und Begegnung betrieben.

Der Weg wird ein wenig schmaler und holpriger. Wenn es Sommer geworden ist, fällt der Blick auf Trauben, Äpfel und anderes Obst wie Birnen, Zwetschgen oder Kirschen, die sich in den vergangenen Wochen in Größe und Farbe prächtig entwickelt haben. Ist der Apfel eine Beere, ein Steinobst oder ein Kernobst? Solche und ähnliche knifflige Fragen sorgen auf der Rätselrunde von Immenstaads Maskottchen „Immo“ dafür, dass es für die Kleinen nicht langweilig wird. Aber auch sonst hält der Wanderweg auf verschiedenen Erklärtafeln jede Menge Informationen bereit. So erfährt man, dass es für einen guten Ertrag einer Apfelanlage ausreichen kann, wenn nur fünf Prozent der Blüten zu Früchten heranreifen, dass viele Blüten aufgrund unzureichender Bestäubung schnell abfallen und dass, falls im Juli immer noch zu viele Früchte am Baum sind, diese von Hand entfernt werden müssen. Einleuchtend, dass bei der Handausdünnung in erster Linie schlecht entwickelte oder beschädigte Früchte entfernt werden, damit nur beste Qualität am Baum hängen bleibt.

Kirche St. Oswald und Otmar bei Immenstaad.Foto: Brigitte GeiselhartOb der Blick auf den Bodensee im Sommer oder die Kirche St. Oswald und Otmar im Winter ‒ der Weg kann in jeder Jahreszeit begangen werden. Foto: Brigitte Geiselhart

St. Oswald und Otmar - Eine Glocke aus dem Jahr 1677

Inzwischen ist die Ortschaft Frenkenbach erreicht. Das kleine Kirchlein St. Oswald und Otmar liegt auf einer Anhöhe und ist weithin sichtbar. Es stammt aus dem 12. Jahrhundert, ist im romanischen Stil schlicht und einfach gebaut, seit mehr als 800 Jahren ein Ort der Ruhe und liebevoll erhalten. Das Gebälk trägt eine der ältesten Glocken des gesamten Bodenseeraums und stammt aus einer berühmten Glockengießerwerkstätte. So steht es auf einer Inschrift: „Leonhart Rosenlechner gos mich in Constanz 1677“.

Unter einem duftigen Rankenband trägt die Glocke drei Reliefs: Ein kirchliches Wappen, eine Muttergottes im Strahlenkranz und ein Wappenschild. Das Gästebuch im Innenraum der Kirche ist mit vielen Eintragungen gefüllt: „Augenblick, verweile hier“ oder „Ein wunderbarer Ort, voll Ruhe und Frieden“, sind als jüngste Kommentare zu lesen.

Ab September geht es auf den angrenzenden Feldern des Immenstaader Apfel- und Weinwegs besonders geschäftig zu. Dann darf man als Wanderer auch Zeuge der Weinlese werden, die sich bis Ende Oktober hinziehen kann.

Zunächst sind in der Regel die Müller-Thurgau-Trauben an der Reihe. Der Müller-Thurgau ist der klassische „Seewein“, wie alle Experten versichern – auch weil er die unbeschwerte Leichtigkeit der Bodenseeregion verkörpern soll. Er gilt übrigens als älteste und gleichzeitig erfolgreichste deutsche Rebenneuzüchtung. Gelungen ist sie 1882 Professor Müller aus dem schweizerischen Thurgau an der königlichen Lehranstalt Geisenheim. Er kreuzte eine Riesling- und eine Gutedelrebe. Es geht weiter in Richtung Kippenhausen – auch ein Ort mit reicher Geschichte. „Chippenhusen“ wurde 1158 erstmals erwähnt, gehörte 1165 zu den Besitzungen der Welfen und kam dann an die Grafen von Montfort, hierauf zur Reichsgrafschaft Ittendorf und bildete schließlich mit Reute und Frenkenbach eine Vogtei. Heute kann man hier nicht nur die Fachwerkhäuser bewundern, sondern in einem der vielen Obst- und Ferienhöfe auch naturnahe Familienferien verbringen.

Feierabend Wein. Weisswein. Foto: Thomas B., pixabay Foto: Thomas B., pixabay

Einsam, aber nicht weniger schön wird’s im Winter auf dem Apfelund Weinweg. Der Rückschnitt der Reben und der Obstbäume ist Ende Januar bereits größtenteils erfolgt. Die Natur scheint komplett zur Ruhe gekommen zu sein und auch als Wanderer ist man mit sich und seinen Gedanken meist allein – und darf wiederum unvergleichliche Ausblicke genießen.

Ob der Ausgangspunkt nach zwei oder drei Stunden wieder erreicht ist, ist im Grunde egal. Wie oft man die Wanderung auch schon absolviert haben mag: Ein Gefühl der Dankbarkeit stellt sich immer ein, ganz gleich in welcher Jahreszeit man sich befindet. Und immer freut man sich darauf, bald wieder an die gleiche Stelle zurückzukehren.

Weitere Informationen finden Sie unter www.Bodensee-Touren.de