Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Segne meine (R)auswege“ - Spiritueller Weg mit 16 Impulstafeln

GÖNNINGEN (Dekanat Reutlingen) – Die Gedanken fließen lassen – wo geht das besser als in der Natur? In Gönningen führt ein spiritueller Weg zu den Schönheiten vor der Haustür und zu Impulsen auf 16 Tafeln. Ein Rundgang mit der Initiatorin Brigitte Zirngibl.

Spiritueller Rundweg in Gönningen. Foto: Carolin AlbersSpiritueller Rundweg in Gönningen. Foto: Carolin Albers

Der Weg über eine Wiese ist schön, aber wohl eine Sackgasse. Auf der einen Seite eine undurchdringliche Hecke, unterhalb eine Häuserzeile mit Gärten. Am Ende wartet ein Wäldchen, das wild aussieht. Haben wir uns verlaufen? Zögernd gehen wir auf die Bäume zu – und sehen auf den letzten Metern, dass ein schmaler Pfad weiter führt. „Ein kleines Schlupfloch inmitten von Dornen und Gestrüpp.“ Das steht an einer Tafel auf einem Holzpfahl. „Ich finde einen Weg hinaus ... So geht es manchmal im Alltag: Da ist vieles, was mir den Blick verstellt, meine Gedanken gefangen hält.“ Aber das müsse nicht so sein, lesen wir weiter: „Gott, du schenkst mir die Möglichkeit, auch mal auszubrechen aus den Grenzen, die ich selbst oder andere mir setzen. Lass mich danach suchen, segne meine (R)auswege.“

Man merkt: Hier leitet nicht der Albverein durch die Natur. Es ist die Kirchengemeinde Gönningen, insbesondere die Familie Zirngibl. Zur Osterzeit hat sie einen spirituellen Weg entwickelt und mit 16 Stationen bestückt. Brigitte Zirngibl und ihre Tochter haben die Texte verfasst, ihr Mann hat die Pfosten besorgt und die Stationen gezimmert. Die Grundlage für den Weg haben die Gönninger vor der Haustüre: eine besonders attraktive Lage am Albtrauf. Im Halbrund ziehen sich die Höhen, darunter so bekannte wie der Rossberg, um das Dorf. Eine Kulturlandschaft vom Feinsten: Hangweiden, Streuobstwiesen, Hecken, Wäldchen. Mittendrin fließt die Wiesaz. Auf den Wegen dort spaziert Brigitte Zirngibl oft: „Diese Landschaft erdet mich, sie ist eine Art Gebet für mich.“ Brigitte Zirngibl engagiert sich vielfältig ehrenamtlich in der Kirche: Sie ist Prädikantin und war stellvertretende Vorsitzende bei den EFW, den Evangelischen Frauen in Württemberg.

Brigitte Zirngibl, Goenningen. Foto: Carolin AlbersWasserfall bei Goenningen. Foto: Carolin AlbersBrigitte Zirngibl hat den Weg entwickelt und die Texte geschrieben, der auch an einem kleinen Wasserfall vorbeiführt. Foto: Carolin Albers

Gönningen - Die Landschaft ist eine Art Gebet

Sie weiß, wie Corona den Gottesdienst-Besuch hat sinken lassen: „Viele haben Angst vor einer Ansteckung. Der Weg soll Menschen eine Möglichkeit bieten, die nicht in die Kirche wollen.“ Brigitte Zirngibl hat dabei auch solche im Blick, die nicht zu den Kirchgängern gehören: „Die Leute wollen sich am Wochenende bewegen. Sie mit meinem Weg abzuholen, war auch ein Motiv.“

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

So haben die Zirngibls, in Absprache mit der Kirchengemeinde und der Kommune, in die Gönninger Idylle zwei Runden von je vier Kilometern gelegt. Das Meiste ist sogar kinderwagentauglich. Nur wer dem Panoramaweg am Hang des Stöffelberges folgt, sollte bei Nässe etwas trittsicherer sein.

Aber es geht sowieso nicht um einen Wander-Leistungsnachweis. Die beiden Runden, auf die Brigitte Zirngiebel schon viel Resonanz bekommen hat, sind so gemütlich, dass sie wunderbar entspannen und Zeit für meditative Gedanken bieten.

Diese Gedanken fördert der Weg mit seinen Stationen. Auf der Runde am Stöffelberg erinnert eine Tafel an einer Quelle an die Taufe: „Gott sagt sein Ja zu mir. Ich bin befreit zu einem Leben, das zu mir passt, in das ich passe, weil ich so geschaffen bin.“ Wer will, kann jetzt singen: „Ewiger Gott, Quelle des Lebens, auf meinen Wegen suche ich dich.“ Das Lied der Jahreslosung 2018. Wenn man sein Smartphone über einen QR-Code hält, erklingt es.

Der Blick weitet sich bis zum Rossberg (oben) und führt zu einem Wasserfall. Foto: Carolin AlbersDer Blick weitet sich bis zum Rossberg (oben) und führt zu einem Wasserfall. Foto: Carolin Albers

Vom Friedhof aus starten wir die zweite Runde, ihre Tafeln erinnern an besondere Menschen. Wie Irena Sendlerowa, die in Polen während der deutschen Besatzung rund 2500 jüdischen Kindern neue Namen gab und sie zu christlichen Familien brachte. Eine andere Tafel zitiert Boyan Slat: „Das Richtige tun muss einfacher sein als nicht das Richtige zu tun.“ Der junge Niederländer entwickelt Konstruktionen, die Plastikmüll aus den Meeren filtern.

Wer den Weg ablaufen möchte, hat bis Pfingsten Zeit. Ob er noch länger bleibt, weiß Brigitte Zirngibl noch nicht. Nur in einem ist sie sich jetzt schon sicher: „Die Menschen wären nicht in so großer Zahl in die Kirche gekommen.“

◼Mehr unter www.goenningenevangelisch.de/aktuelles/veranstaltungen