Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wenn es am Bodensee blüht - Ein Paradies für Gartenfreunde

Der Bodensee ist ein Paradies für Gartenfreunde: Die Blumeninsel Mainau, das Napoleon-Schlösschen auf dem Arenenberg, die Gemüsegärten der Reichenau. Eine Rundreise entlang der farbenfrohen Ufer des Schwäbischen Meeres.

Blumeninsel Mainau. Foto: PressebildBlumeninsel Mainau. Foto: Pressebild

Als die Biologin Eva Eberwein vor knapp 20 Jahren eine alte Villa in Gaienhofen auf der Halbinsel Höri übernahm, da war nicht mehr viel von der früheren Herrlichkeit übrig. Im einst prachtvollen Garten wucherte das Unkraut und der Vorbesitzer hatte allen Ernstes erwogen, das Gebäude abzureißen.

Zum Glück ist es soweit nicht gekommen. In mühevoller Kleinarbeit renovierten die Eberweins Haus und Garten und stellten den Zustand des Jahres 1907 wieder her. Es war das Jahr, in dem der Schriftsteller Hermann Hesse auf der Halbinsel Höri am Untersee sein erstes eigenes Domizil bezogen hatte. Eine schmucke Villa mit einem 3000 Quadratmeter großen Garten.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Zufällig hatte Eva Eberwein auf der Rückseite einer alten Postkarte den Grundriss des Hesse-Gartens entdeckt. Stück für Stück rekonstruierte sie die Anlage. Bäume, Blumen, Kräuter, Gemüse und eine Vielzahl von Stauden. Besucher können heute bei Führungen den Garten und das Wohnhaus der Familie Hesse erleben.

Die Pioniere auf der Reichenau

Reichlich verwahrlost war auch die Insel Mainau, als sich der 23-jährige Schweden-Prinz Lennart Bernadotte 1932 ihrer annahm. Im Rahmen einer Erbschaft war ihm das Eiland zugefallen, in der Folge setzte er alles daran, aus der Mainau wieder jenes prachtvolle Blumenparadies zu machen, das sie im 19. Jahrhundert bereits einmal war. Damit er sich das leisten konnte verlangte er Eintritt und eröffnete in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts jene Besucherattraktion, die die Mainau bis auf den heutigen Tag geblieben ist.

Kirche St. Georg auf der Insel Reichenau. Foto: Andreas SteidelKirche St. Georg auf der Insel Reichenau. Foto: Andreas Steidel

Von Frühling bis Herbst blühen dort die Blumen in allen Varianten: Hunderttausende von Tulpen und Narzissen, denen im Sommer die Rosen im italienischen Garten folgen. Schließlich betören im Spätjahr rund 12 000 Dahlien die Sinne der Blumenliebhaber. Die Wurzeln der Gartenkultur am Bodensee reichen bis ins frühe Mittelalter zurück. Da nämlich hatte ein Mönch namens Walahfrid Strabo auf der Insel Reichenau eine Kräuterkunde in lateinischen Versen geschrieben: den „Hortulus“. Die Schrift gilt als Pionierwerk der Gartenbaukunst und sollte Vorbild für eine Vielzahl von Klostergärten werden. Hinter dem Münster Markus und Maria in Mittelzell wurde der Kräutergarten des Abtes aus dem 9. Jahrhundert wieder aufgebaut. Hier duften Salbei, Minze, Liebstöckel und Fenchel. Wer etwas mehr davon möchte, braucht nur in einen der Gartenbaubetriebe der Reichenau zu gehen: Vor allem die Gärtnerei Böhler in Niederzell hat sich auf den Direktverkauf von Kräutern, Pflanzen und Gemüse der Reichenau spezialisiert. Auch der spätere Franzosenkaiser Napoleon III. (1808 – 1873) hatte viel für die Reichenau übrig. An schönen Tagen sprang er einfach in den Bodensee und schwamm hinüber. Sein Domizil hatte der junge Adlige am Schweizer Bodenseeufer auf dem Arenenberg, ganz in der Nähe von Konstanz.

Dorthin hatte sich seine Mutter, Hortense de Beauharnais, die Stieftochter Napoleon Bonapartes, nach dessen Abdankung 1817 zurückgezogen. Das Schlösschen putzte sie heraus, richtete es im Pariser Stil ein und zelebrierte dort ein wenig die vergangenen Zeiten mit zahlreichen Kunstgegenständen aus der Zeit des französischen Kaiserreichs.

Napoleon-Schloss Arenenberg. Foto: PressebildNapoleon-Schloss Arenenberg. Foto: Pressebild

Gleichzeitig verwandelte sie den Garten in eine prachtvolle Parklandschaft im englischen Stil. Kein Geringerer als der berühmte Landschaftsarchitekt Hermann von Pückler-Muskau gestaltete die Anlage, die zwölf Hektar umfasst und malerisch am Hang zwischen Weinbergen liegt. Da gibt es eine Grotte mit Wasserspielen, eine Eremitage und einen Aussichtspavillon sowie zahlreiche Sichtachsen, die das Auge erfreuen.

Apfelbäume erfreuen im Frühjahr

Das Schöne am Bodensee ist, dass man auf so vielfältige Art dort unterwegs sein kann: Von Garten zu Garten mit dem Fahrrad, mit dem Auto – und natürlich mit dem Schiff! Wer etwa die Mainau besucht, kann von deren Spitze bequem ablegen in Richtung Meersburg, wo der nächste märchenhafte Garten auf Besucher wartet.

Obstgarten Bodensee: Apfelblüte im Frühjahr.  Foto: Andreas SteidelIm Stile des Barock wurde vor dem Neuen Schloss eine Grünanlage entworfen, die ein streng durchkomponiertes Gesamtkunstwerk darstellt. Der Besuch des Lustgartens lohnt sich auch wegen des Panoramablicks auf den Bodensee – und natürlich, weil Meersburg eine der schönsten und best erhaltenen Altstädte weit und breit hat.

Von dort ist es nicht mehr weit, nach Überlingen, dem Schauplatz der diesjährigen Landesgartenschau. Dort geben auch die Landfrauen und Obstbauern Einblick in ihre Arbeit. Deren Produkte bestimmen den Bodensee-Raum ohnehin in einem hohen Maße. Alleine 1000 Betriebe kultivieren rund um seine Ufer Apfelbäume. Mit 220 000 Tonnen pro Jahr ist der Bodenseeraum nach dem Alten Land bei Stade die größte Apfelanbauregion in Deutschland. Im Frühjahr ist das eine Augenweide, wenn die Bäume blühen und man im Hintergrund noch die schneebedeckten Schweizer Alpen sieht. Im Herbst, wenn geerntet wird, erfreuen die reifen Früchte und ein frisch gepresster Saft den Gaumen. Dann gibt es auch wieder Höri-Zwiebeln, die sogenannten „Büllen“. Ein weiteres Juwel aus den Tiefen des Gartenparadieses Bodensee, das die Teller der dortigen Gastronomie ziert.

Insel Mainau, Telefon 07531-3030, www.mainau.de
Insel Reichenau,
Telefon 07534-92070, www.reichenau.de
Schloss Arenenberg, Telefon 0041-58-3457410 (Schweiz), www.napoleonmuseum.tg.ch
Mia und Hermann-Hesse-Haus, Telefon 07735-440653, www. mia-und-hermann-hesse-haus. de
Netzwerk Bodenseegärten,
www.bodenseegaerten.eu