Christliche Themen für jede Altersgruppe

Wir sind jetzt Klimahelden! - Grundschulprojekt "Erderwärmung" - Klimafasten (Teil 6)

Wenn Eiswürfel schmelzen, steigt der Wasserspiegel. Stephanie Esch zeigt dies in einem Experiment bei dem Projekt „Klimahelden“. Dabei lernen Grundschüler in drei Doppelstunden, was es mit der Klimaerwärmung auf sich hat und was sie dagegen tun können.

Naturschutz. Foto:Oliver Graumnitz, pixabayFoto:Oliver Graumnitz, pixabay

Umwelt- und Klimaschutz ist in aller Munde. Doch im Alltag geht die Wertschätzung für die Bewahrung der Schöpfung oft unter. „Wir brauchen ein anderes Umweltbewusstsein, vor allem müssen wir etwas tun. Die Zukunft von uns allen, vor allem aber die der Kinder steht auf dem Spiel“, sagte sich Stephanie Esch und entwickelte in einer privaten Initiative die Aktion „Ich bin ein Klimaheld“. Mit dem Klimaschutz- und Mobilitätsprojekt sind die Freie Stadtplanerin sowie weitere Mitarbeiter des Ingenieurbüros Raumstadt-Architektur Singen seit 2012 in den Grundschulen von Baden-Württemberg unterwegs.

Unterstützt und finanziert werden die „Klimahelden“ durch Kommunen, in Stuttgart durch das Amt für Umweltschutz. „Als Stadtplanerin habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Politik, um etwas für den Umweltschutz zu tun, ewig braucht“, sagt Stephanie Esch. Solange wollte sie, selbst Mutter, nicht warten: „Wir haben schon zu lange geredet“. Ihr Konzept: Bei den Kleinen anfangen, bei der Grundschülern. Sechs Schulstunden lang geht Esch oder eine Kollegin in die Klasse, die Eltern werden auf einem Elternabend über die Ziele des Projekts informiert. Die Dritt- oder Viertklässler und ihre Familien sammeln Klimahelden-Punkte, indem sie zum Beispiel das Auto auf Kurzstrecken stehen lassen, klimabewusst einkaufen und so den eigenen CO2-Ausstoß reduzieren.

Stephanie Esch, Pädagogin der Vogelsangschule Stuttgart. Foto: Privat

Stephanie Esch, Pädagogin der Vogelsangschule Stuttgart. Foto: Privat„Über die Beauftragung durch die Umweltämter konnten wir bereits über 7500 Kinder als Klimahelden auszeichnen“, sagt Stephanie Esch. Grundschulen in Singen, Heilbronn und Radolfzell haben unter anderem mitgemacht. In Stuttgart waren Stephanie Esch und ihre Kollegen schon in Uhlbach und an der Vogelsangschule im Westen im Unterricht. Ihr Planungsbüro kümmert sich auch um das Mobilitätsmanagement an Schulen, in denen besonders viele Kinder durch „Elterntaxis“ gebracht werden.

Dieser Autoverkehr macht den Schulweg gefährlicher für die, die zu Fuß zur Schule gehen. Siegfried Siewert gehört zu den Schulleitern, die ein Problem mit den vielen Elterntaxis haben. Er hat sich „den Mund fusselig“ geredet und dennoch ist immer wieder ein morgendliches Verkehrschaos entstanden. Viele Eltern lassen nicht davon ab, statt der eigenen Füße ein Auto zu benutzen. „Die Verkehrsbelastungen im direkten Schulumfeld können bis zu 50 Prozent reduziert werden, indem so genannte ‚Gut-Geh-Zonen‘ eingerichtet werden“, sagt Diplom-Ingenieurin Stephanie Esch. Diese Zonen werden von den jeweiligen Städten umgesetzt, schließlich profitieren davon alle Bürger.

Für das Schuljahr 2020/21 haben sich 34 Grundschulen in Baden-Württemberg gemeldet, die ihre Schüler gern zu „Klimahelden“ ausbilden lassen möchten. Corona hat diese Planungen bislang vereitelt. „Wir hoffen, dass es wenigstens im Frühjahr weiter geht“, sagt Esch. Denn aus Erfahrung wissen sie und ihre Kolleginnen: Kinder tragen das Thema Umweltschutz in die Familien, dort wird es diskutiert. Wer sich bewegt, bewegt etwas.

Wer beim Projekt mitmacht, bekommt zum Abschluss ein blaues T-Shirt mit der Aufschrift „Ich bin ein Klimaheld“. Zusätzlich werden auch Urkunden verliehen. „Abgemacht: Wir helfen unserem blauen Planeten“, steht darauf. Mit dieser Auszeichnung wird ein so genannter Klimaschutzvertrag als Vereinbarung zwischen Kindern und Eltern geschlossen. „Ziel des Projektes ist, das nicht nur eine Zeit über den Klimaschutz nachgedacht wird, sondern langfristig“, sagt Projektleiterin Stephanie Esch. Doch wie ist dieses Ziel zu erreichen, wenn nicht über die Vorbildfunktion der Erwachsenen?

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Kinder lernen durch Nachahmung und orientieren sich an Vorbildern. Die ersten sind die Eltern. Eltern, die selbst die Natur kaum achten und wertschätzen und auch kein Umweltbewusstsein an den Tag legen, können keine Vorbildfunktion übernehmen. Eltern, die von ihren Kindern das Trennen von Abfall verlangen und sich selbst nicht daran halten, verlieren an Glaubwürdigkeit.

Paul, elf Jahre, erinnert sich an die Klimaheld-Stunden in der Grundschule: „Das Projekt war toll. Die meisten Kinder haben gern mitgemacht. Die Unterstützung durch die Familien war sehr unterschiedlich.“ Seine Eltern haben ihm schon vor dem Projekt Umweltbewusstsein vermittelt, sagt er, sie hätten selbst Reinigungsmittel hergestellt, und in seiner Vesperbox sei nie Junkfood gelegen. „Andere Kinder hatten es schwerer, und als das Projekt zu Ende war, wurden manche wieder sehr nachlässig“, erinnert sich Paul.

Schüler/innen der Grundschule Vogelsangschule Stuttgart. Foto: PrivatSchüler/innen der Grundschule Vogelsangschule Stuttgart. Foto: Privat

Im Projekt wird der Sinn und Zweck der Abfalltrennung erklärt, ebenso wie der Umgang mit Energie. Wie kauft man umweltbewusst ein oder warum hilft es dem Klima, weniger Fleisch und Wurst zu essen – auch das sind Themen, die beim Projekt erst in der Schule und später dann daheim besprochen werden.

Das Projekt ist in drei Doppelstunden verpackt. „Unser blauer Planet“ heißt die erste Lektion. Die Kinder erfahren anhand der Weltkarte, durch Bilder und Geräusche mehr über die Schönheit der Erde. Dass der blaue Planet in Gefahr ist, erfahren sie beim Thema Erderwärmung. „Wir arbeiten mit einem Eiswürfelexperiment, bei dem die Kinder das Ansteigen des Meeresspiegels auf Grund des Treibhauseffektes erleben“, sagt Stephanie Esch.

„Null CO2 durch Muskelkraft“ ist die zweite Lektion betitelt. „Ich bin ein Klimaheld“ heißt es in der dritten Doppelstunde. Die Kinder erfahren, wie sie selbst durch einfache Verhaltensänderungen gegen die Erderwärmung angehen können. Zum Beispiel, indem sie den Bus zum Handballtraining nehmen und nicht das Mama-Taxi. Zum spielerischen Umgang mit diesem ernsten Thema gehört der Erde-Rap, den Stephanie Esch geschrieben hat und das Klimaheld-Lied, das Reinhard Zedler komponiert und getextet hat. Das Lied ist ein Geschenk: „Den Song hab ich 2019 bei der Verleihung des Agendapreises meiner Stadt Singen geschenkt bekommen“, erzählt Stephanie Esch.

„Es braucht einen sehr langen Atem, wenn man etwas verändern will im Umwelt- und Klimaschutz“, sagt die Stadtplanerin und Ingenieurin. Das sei auch bei der Entwicklung ihres Projektes so gewesen. Bis die Städte die Notwendigkeit erkannt hätten, habe es gedauert. Inzwischen aber sei das Projekt fest verankert. Was jedoch die Haushaltsdefizite, verursacht durch Corona, auslösen würden, kann sie nicht abschätzen. „Aber was für die Kinder gut ist, ist gut für alle.“

Ein Forscherteam aus North Carolina hat im Jahr 2019 gezeigt, dass man Eltern über ihre Kinder erreichen kann. In einer Studie im Fachmagazin „Nature Climate Change“ stellten sie den Effekt vor, den ein speziell entwickeltes Unterrichtsmodul hatte. Bewährtes Lehrmaterial wurde mit interaktiven Elementen kombiniert. So sollte eine Gruppe Schüler am heimischen Esstisch Interviews mit ihren Eltern führen, eine zweite Gruppe sich dagegen auf das Lehrmaterial beschränken.

Es zeigte sich, dass der Einfluss der Kinder auf elterliche, auch konservative Einstellungen in der Gruppe deutlich größer war, wenn daheim über Umwelt- und Klimaschutz gesprochen wurde.

Hannah Wallis, Umweltpsychologin an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, ist überzeugt, „dass gut informierte Kinder“ besser an „schwer erreichbare Gruppen“ herankommen als Erwachsene. So steht auch das Projekt „Ich bin ein Klimaheld“ im Rampenlicht für ein verändertes Klimabewusstsein. □

Der blaue Planet als erste Lektion

◼ Stephanie Esch ist erreichbar unter Telefon 07731-9228280, Informationen über das Projekt „Klimahelden“ unter www.rsa-office.de