Christliche Themen für jede Altersgruppe

Alltagsnah und gut verständlich

TÜBINGEN-DERENDINGEN – Warum in die Kirche gehen, wenn man auch draußen Gott loben kann? Beim  „Homezone“-Gottesdienst kommt die Musik von einer Band und die überwiegend jungen Besucher ­sitzen auf der Picknickdecke. Das Konzept kommt an.

Die Besucher machen es sich auf Picknickdecken gemütlich: So sieht ein „Homezone“-Gottesdienst aus.
(Foto: Andreas Straub)


Jugendliche sitzen auf Decken im Gras, einige auf Bierbänken dahinter, eine Band spielt flotte Lieder. Das Kreuz steckt im Boden und ist selbst gebaut. Später wird am Lagerfeuer gegrillt und auf der Wiese Volleyball gespielt. Ein Sonntagabend wie im Urlaub. Daheim sein. In der „Homezone“, da, wo man daheim ist, sich sicher und wohl fühlt. Und so heißt auch der Gottesdienst für junge Leute in der Kirchengemeinde in Tübingen-Derendingen: „Homezone“. Normalerweise findet er monatlich im Primus-Truber-Haus statt, rund 50 Gläubige nehmen teil. Jetzt im Sommer wird er auch einmal  draußen beim CVJM-Heim am Waldrand gefeiert.

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Schnell wird klar: Das ist kein gewöhnlicher Gottesdienst. Die Jugendlichen und einige Erwachsene singen viel zusammen. Sie stimmen „Mit allem, was ich bin“, „Die Liebe des Retters“ und „Wenn du sprichst“ an. Gebetet wird frei. Die jungen Leute danken dem Herrn für die Schöpfung, für den schönen Sommer und loben ihn. Während einige mit dem Mikrofon ihre Worte an Gott richten, schließen die meisten anderen die Augen.

Immer wieder formieren sich neue Bands, die auch eigene Stücke vortragen. „Im Gemeindehaus setzen wir sonst auch Licht, Beamer und Musik aus der Anlage ein“, sagt Diakonin Andrea Keck. Das Ziel ist klar: Junge Leute für die Kirche begeistern. Der Gottesdienst wird von Jugendlichen und jungen Erwachsenen vorbereitet und gestaltet. Sie achten darauf, dass die Predigten, die immer von unterschiedlichen Menschen gehalten werden, alltagsnah und verständlich sind.

„Schön, euch zu sehen“, beginnt David Gareis. Er erzählt von sich persönlich, den Schwierigkeiten, die er erlebte. Erst studierte er Physik, dann Theologie. „Ich habe den Ruf von Gott gespürt“, sagt Gareis. Vormittags hat er in zwei anderen Gottesdiensten gepredigt. „Da waren in beiden zusammen weniger Leute als in der Homezone.“ Das Thema hat er selbst gewählt: die Bibel. Mit 16 Jahren entwickelte sich sein Interesse dafür. Für das erste Durchlesen von vorne bis hinten brauchte er dennoch drei Jahre. „Wie viel Zeit steckt ihr da rein?“, fragt Gareis. Inzwischen hat er mehr Eifer im Bibel-Lesen entwickelt: „Ich entdecke immer wieder Neues.“ Er könne auf sie bauen. Jesus sage klar, dass die Schriften von ihm zeugen. Dennoch könne es passieren, dass man in der Bibel lese und statt Antworten nur noch mehr Fragen erhalte. „Die Bibel enthält viele Wahrheiten“, sagt Gareis. Er ermutigt die überwiegend jungen Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmer, sich mehr mit ihr zu beschäftigen.

Schon länger dabei ist Moderator Timo Piontek. Der 22-Jährige arbeitet hauptberuflich in der Steuerabteilung der Stadt Tübingen. „Mit dem Namen Homezone wollen wir uns im Gegensatz zu der Bezeichnung Jugendgottesdienst für alle Altersgruppen öffnen“, erklärt Piontek. Einmal vor den jeweiligen Gottesdiensten gibt es Treffen, in denen die Lieder und der Ablauf besprochen und die Aufgaben zugewiesen werden. Neben Pfarrern und Seelsorgern predigen regelmäßig Studenten und interessierte Laien. Demnächst soll beispielsweise eine junge Derendingerin über ihre Erfahrungen in Indien berichten. 

„Wir sind neugierig auf diese Art des Gottesdienstes“, sagen Charlotte Gutensohn und Hannah Becker. Die beiden jungen Mädchen sind erstmals dabei. Ihr Fazit: Empfehlenswert. Schon häufiger dabei war Luisa Sausmikat. Die 20-jährige Medizinstudentin ist vor einem knappen Jahr nach Tübingen gezogen. Sie kam über eine Freundin dazu, gehört inzwischen auch dem Vorbereitungsteam an. „Die Gottesdienste tun mir gut“, sagt Sausmikat. In einem solchen „wohltuenden“ Rahmen lasse sich die jüngere Generation besser ansprechen.