Christliche Themen für jede Altersgruppe

Auf dem Weg nach Lorch

Lorch ist das Ziel des diesjährigen Gemeindeblatt-Glaubenswegs am 28. Juli. Eine Stadt, die viele nur als Kloster kennen. Dabei sind auch ihre Kirche, ihre Gemeinde und ihr Kirchhof bemerkenswert. Sogar ein Nachfahre des Reformators Martin Luther liegt hier beerdigt. 

Der Kirchhof ist einer der schönsten und schattigsten Plätze in Lorch. Ein idealer Ort zum Verweilen ? beim Glaubensweg, aber auch sonst. (Foto: Werner Kuhnle)

Hier ruht er also, Michael Luther. Mittelschullehrer aus Lorch im Remstal, geboren 1827, verstorben 1904. Ein weitläufiger Verwandter des Reformators, der Linie seines Bruders Jacob zuzuordnen. Der Grabstein von Luther ist eines von mehreren alten Grabdenkmälern, die im Lorcher Kirchhof zu finden sind. Beschattet von großen alten Bäumen verleihen sie dem Platz vor der Stadtkirche einen ganz besonderen Charakter.

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Der Kirchhof ist eine der schönsten Ecken von Lorch. Wie ein alter Friedhof umgibt er die monumentale Stadtkirche. Die wenigsten Menschen von außerhalb haben ihn je gesehen, weil fast jeder, der nach Lorch geht, zumeist nur das bekannte Staufer-Kloster besucht. Dabei war die ursprüngliche Grablege der Staufer unten in der Stadtkirche, erst als 1102 die Benediktiner-Abtei auf dem Hügel gegründet wurde, betteten sie ihre Ahnen um.

Für rund 300.000 Euro ist der Lorcher Kirchhof anlässlich der Remstal-Gartenschau umgestaltet worden. Ein großes Labyrinth ist in seiner Mitte entstanden, ein Abendmahlstisch, die Wegführung wurde erneuert und zahlreiche der alten Grabdenkmale restauriert. Demnächst wird die große alte Blutbuche noch eine Rundbank bekommen.

Die Lorcher Stadtkirche ist das Gotteshaus für rund 3200 Gemeindemitglieder. Zusammen mit der Nachbargemeinde Weitmars sind es 4500 Evangelische, 2016 haben Lorch und Weitmars miteinander fusioniert. Das ist nicht die einzige Veränderung, der sich die Lorcher stellen müssen: Mit dem Pfarrplan 2017 wurde die Zahl der Pfarrstellen von zwei auf 1,5 reduziert. Für viele nicht nachvollziehbar, wie Kirchengemeinderatsvorsitzende Ruth Schenker und Pfarrer Christoph Messerschmidt sagen, „wenn man mal bedenkt wieviel hier zu tun ist“.

Lorch ist eine Kirchengemeinde im Wandel. Traditionell pietistisch geprägt, haben die Zuzüge der letzten Jahre und Jahrzehnte den Charakter verändert. Aus dem Bauerndorf ist eine Stadt geworden, die letzte auf der Ostalb, die noch Teil des Verkehrsverbundes Stuttgart ist. Entsprechend viele junge Familien gibt es hier, „die wir in vielen Fällen sogar erreichen“, sagt Kirchengemeinderatsvorsitzende Ruth Schenker.

Das liegt nicht zuletzt an dem großen Angebot kirchlicher Kindergärten. Alleine vier Kindertagesstätten sind in der Trägerschaft der evangelischen Gemeinde, „mit rund 60 Mitarbeitern sind wir einer der großen Arbeitgeber am Ort“, sagt Pfarrer Messerschmidt. Die Kindergarten- und Familienarbeit ist deshalb ein Schwertpunkt der Lorcher Gemeinde, die Kirchenmusik ein anderer.

Das klingt erst mal nach zwei völlig verschiedenen Arbeitsbereichen. Doch Kirchenmusikdirektorin Verena Rothaupt geht einmal pro Woche in die Kindergärten, um mit den Buben und Mädchen zu singen. 2010 wurde eine Stiftung Stadt- und Kirchenmusik eingerichtet, zwei Kinderchöre sorgen dafür, dass sogar der Spruch für die Täuflinge in gesungener Form vorgetragen werden kann.

Auch die gottesdienstliche Vielfalt ist in Lorch bemerkenswert. Es gibt Mini-Gottesdienste für die Kindergärten, Familiengottesdienste und eine wöchentliche Kinderkirche. Ferner finden regelmäßig Taizé- und Friedensgebete statt. „Auch der Besuch unseres Sonntagsgottesdienstes liegt über dem Durchschnitt“, sagt der geschäftsführende Pfarrer Christoph Messerschmidt.

Seine Kollegin Cornelia Gerstetter hat sogar einen Schwerpunkt auf der Gottesdienstarbeit, allerdings – Stichwort Pfarrplan – auch nur einen 50 prozentigen Dienstauftrag. Immerhin haben die Lorcher mit Almut Klose eine Vikarin dazubekommen sowie mit Hartmut Wohnus einen Diakon, der sich um Flüchtlings-, Senioren- und Jugendarbeit kümmert.

Die Jugendarbeit ist ein ganz besonderes Thema in Lorch. Bisher war sie fast gänzlich in der Hand des Süddeutschen Gemeinschaftsverbandes (SV), der mit seinen Gruppen viele Räume des Gemeindehauses belegte. Doch nun hat der SV ein neues Gebäude bezogen und ist auch sonst ein Stück von der Gemeinde weggerückt.

Deshalb ist die Lorcher Kirchengemeinde gerade dabei, eine eigene, offene Jugendarbeit aufzubauen. Immerhin: Ein großes Freizeitheim gibt es schon, oben am Waldrand, „mit dem Kirchplatz zusammen der schönste Ort in der Gemeinde“, wie die Verantwortlichen nicht ohne Stolz und ein Lächeln sagen.

Insgesamt gibt es wenig Grund zu klagen in Lorch. Die Gemeinde lebt und ist ausgesprochen aktiv. Zwischen 150 und 200 Ehrenamtliche helfen je nach Anlass mit. Die Resonanz ist oft außergewöhnlich, etwa beim Lorcher Mittagstisch, der viele ältere Menschen anspricht, aber grundsätzlich ein generationenübergreifendes Angebot ist. Viele Zugezogene mischen dort beim Koch-Team mit, „ein Selbstläufer“, wie Kirchengemeinderatsvorsitzende Ruth Schenker zufrieden feststellt.

Seit 18 Jahren steht Ruth Schenker an der Spitze des Kirchengemeinderats. Zuletzt waren es 16 Mitglieder in ihrem Gremium, die Fusion mit Weitmars hatte den Kirchengemeinderat deutlich vergrößert. Nach der Kirchenwahl im Herbst werden es wieder elf sein. „Wir sind ein junges Gremium“, sagt Schenker, „mit einer guten Altersmischung“.

Von all dem werden Leserinnen und Leser des Evangelischen Gemeindeblatts einiges mitbekommen, wenn sie sich am 28. Juli in Richtung Lorch aufmachen. Der Kirchhof ist eine wunderbare Umgebung für den Sommer, doch auch die Stadtkirche selbst voller interessanter Besonderheiten. So stammt die Orgel aus der alten Kirche aus dem Dorf Gruorn auf der Schwäbischen Alb, das wegen des Ausbaus des dortigen Truppenübungsplatzes geräumt werden musste.

Markant ist auch der farbenfrohe Bilderzyklus auf der Empore: In rund 50 Darstellungen wird die biblische Geschichte erzählt, von der Erschaffung der Welt bis zur Offenbarung des Johannes. Ein Zeugnis aus den 1720er-Jahren und der Frühzeit des Pietismus mit ebenso einfachen wie lehrreichen Botschaften. Bis heute zieht der Bilderbogen die Besucher in Bann.

Wer sich etwas Zeit nimmt, kann weitere Details entdecken: So etwa die Kirchenväter auf der spätgotischen und vorreformatorischen Kanzel. Einer von ihnen trägt eine Papstkrone, was die Evangelischen am Ort zu dem augenzwinkernden Spruch veranlasst, „dass der Lorcher Pfarrer über dem Papst steht“.

Was will man auch anderes erwarten von einem Ort, der einen Luther zu den Seinen zählte. Schließlich hatte der Reformator besonders den Papst auf dem Kieker. Und Humor hatte Luther bekanntlich ja obendrein.

Wer einmal in der Stadt war, der Kirche und dem Kloster einen Besuch abgestattet hat, der weiß danach auf jeden Fall beide voneinander zu unterscheiden. Lorch oben und Lorch unten. Die Gottesdienste finden, von wenigen Ausnahmen abgesehen, jedenfalls immer im Tal statt. Oben sind die Touristen, unten die Einheimischen. An beiden Orten werden am 28. Juli die Leser des Gemeindeblatts sein: auf ihrem Glaubensweg zu einem der interessantesten Orte in Württemberg.