Christliche Themen für jede Altersgruppe

Aufblühen wie die Pfingstrose

Die Pfingstrose passt zu unserer Jahreslosung. So wie sie blüht und Freude schenkt, können auch wir uns entfalten und zu Friedensstiftern werden. Sie ist ein Weckruf für alle, die aktiv werden möchten und etwas Neues wagen wollen. Dafür ist es nie zu spät, ganz egal, wie alt wir sind. 


Bringt Farbe ins Leben, selbst wenn sie im hintersten Eck steht: die Pfingstrose. (Foto: Frank Zeithammer)

Bei den Pfingstrosen gibt es eine große Vielfalt an Blütenformen und Farben. Manche haben eine rosarote halbgefüllte Blüte. Andere Sorten sind ganz dicht gefüllt. Sie verbergen die Staubgefäße fast ganz. Die Farbpalette reicht von Weiß bis Rosa und Rot.
Auf unserem Bild steht eine Vase, gefüllt mit einem Strauß solcher Pfingstrosen, in einem eher unansehnlichen Eck eines Hauses. Vielleicht wurden sie bewusst dorthin gestellt, um diesem Ort etwas Glanz geben. Es ist die schlechteste Idee nicht. Denn die Blüten bringen mit ihrer duftigen Pracht viel Freude. Auch in der Vase lieben Pfingstrosen reichlich Platz und wissen ihn auszufüllen.

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Was kann uns dieser Strauß Pfingstrosen zur Jahreslosung lehren? Ein Erstes ist für mich sein Standort. Wir meinen oft, dass wir nicht viel zum Frieden beitragen können. Wir haben mit den Nachbarn keinen Streit, wir kommen mit unseren Kindern gut aus. Wir vermeiden es eher, im Dorf oder im Stadtteil irgendwelche Leitungsämter zu übernehmen.

Doch stimmt dieses Bild eines beinahe bedeutungslosen Lebens, das wir uns über uns selbst gemacht haben?

Friedenssucher kann man überall sein. Wer will schon wirklich von sich sagen, er habe sich noch nie über andere geärgert und ihnen Böses gewünscht? Wie gehe ich damit um, wenn mich der junge Mann, der im dritten Stock eingezogen ist, nicht grüßt? Belasse ich es dabei, ihn für einen Stoffel zu halten? Oder lasse ich mir etwas einfallen, um ihn für mich zu gewinnen?

Selbstverständlich kann ich auf den ersten Schritt des anderen warten, doch „suchen“ und „jagen“ sind aktive Wörter. Also bin ich doch zuerst gefragt, wenn ich dem Ruf der Jahreslosung folgen will.

Sie können es selbst ausprobieren: Tun Sie einem anderen etwas Gutes, überraschen Sie ihn. Es verändert den Tag des anderen und Ihren eigenen. Und das bleibt nicht verborgen, sondern kann Kreise ziehen. Der andere wird dadurch vielleicht angeregt, einem Dritten eine Freude zu machen.

„Suche Frieden und jage ihm nach“ – nehmen wir uns dafür wichtig genug, auch wenn wir im Winkel stehen.

Ein Zweites ist für mich die Blütenpracht, die Pfingstrosen entfalten. Welche Möglichkeiten und Talente hat mir Gott geschenkt, und was mache ich daraus? Es ist schade, wenn wir uns die Entfaltung versagen. Von vielen – vor allem älteren – Frauen hört man die Klage: Ich hätte so gerne dies und jenes gemacht. Aber ich musste meinem Mann den Rücken frei halten, dann kamen Kinder und Enkel.

Erstens ist dieser Einsatz aller Achtung wert und darf nicht durch Klage kleingeredet werden. Ist es nicht schön, wenn Kinder die Erfahrung für ihr Leben mitnehmen, unsere Mama war immer für uns da? Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass „immer für uns da“ ein Ehrenname ist?

Es ist der Name unseres Gottes: Jahwe, der immer für uns da ist.

Selbstverständlich können die Aufgaben in der Familie auch anders verteilt sein. Hier soll kein Rollenbild verherrlicht werden. Doch wer so gelebt hat, braucht sich auch nicht zu verstecken. Es ist eine Lebensleistung.

Aber auch, wenn Sie dies für sich selbst würdigen können, brauchen Sie nicht stehenzubleiben. Für eine neue Wende ist es im Leben nie zu spät. Wenn Sie ein Talent bisher zurückgestellt haben, etwa ein Hobby, dann wird sich eine Möglichkeit finden, dem nachzugehen. Jemand engagiert sich im Dienst für Sterbende in einer Sitzwache, der bisher eine leitende Position hatte und viel reden musste. Jetzt lernt er den Wert des einfachen Daseins und Schweigens.

Jemand fasst seinen Mut zusammen und bietet sich für die Betreuung von Flüchtlingen an. Und siehe da, es wird ihm Dankbarkeit entgegengebracht. Er ist froh, sich ein Herz genommen zu haben, und denkt nebenbei nun auch anders über Ausländer.

„Suche Frieden und jage ihm nach“ – die Pfingstrosen lehren uns noch ein Drittes. Darauf komme ich, weil sie nach dem Pfingstfest benannt sind, auch wenn es nur an ihrer Blütezeit liegt. Friedenssucher brauchen den Heiligen Geist. Er hat die Apostel aus ihrer Traurigkeit und Verschlossenheit herausgerissen. Wir brauchen den pfingstlichen Geist, die schöpferische Kraft Gottes, um Fantasie bei der Friedenssuche entwickeln zu können. Wir brauchen die göttliche Weisheit, um das Richtige sagen und tun zu können. Und noch mehr, um schweigen zu können, wenn jedes Wort zu viel wäre.

Wir brauchen den Geist des Rates und der Stärke, wenn wir nicht nur alles machen, was andere machen, sondern aus einem verantworteten christlichen Glauben unser Leben gestalten. Wir brauchen diesen Geist, um uns ein differenziertes Urteil über aktuelle Themen und Probleme zu bilden. Meinungen und Standpunkte kennen und verstehen zu lernen, die mir fremd sind, wäre ein lohnendes Vorhaben im Sinne unserer Jahreslosung.