Christliche Themen für jede Altersgruppe

Bibel in Wortwolken

„Tagclouds“ – auf Deutsch werden sie auch „Wortwolken“ genannt – sind eine im Internet weit verbreitete Darstellungsart für Texte. Der Ingenieur Martin Wolters hat sie auf die Bücher der Bibel angewandt. Die „Bibelclouds“ zeigen auf einen Blick, welche Worte in den einzelnen Büchern besonders wichtig sind. Gut geeignet zum Bibelstudium und für Schul- und Konfirmandenunterricht. 




Martin Wolters (links) und Thomas Ebinger. (Fotos: privat)

Martin Wolters hatte sich viel vorgenommen. Vor etwa zehn Jahren beschlossen der Ingenieur aus Nürnberg und ehrenamtliche Mitarbeiter in der katholischen Jugendarbeit, sich einmal mit der ganzen Bibel zu befassen. Doch beim Blick auf die Textmenge verzagte er fast: „Das alles zu lesen würde ich nicht durchhalten.“ Es müsste doch einen Weg geben, sich systematisch, mit dem Blick eines Ingenieurs, mit der Bibel befassen zu können, dachte Wolters. Der Anstoß für die Bibelclouds.

 „Tagclouds“ – auf Deutsch „Wortwolken“ – sind eine beliebte Darstellungsart für Texte im Internet. Je öfter ein Wort in einem Text vorkommt, desto größer erscheint es in der Wortwolke. Auf diese Weise kann der Betrachter mit einem Blick erkennen, welche Begriffe im Mittelpunkt eines Textes stehen. Mit speziellen Programmen im Internet kann jeder beliebige Texte in solche Clouds umwandeln. Da die Tagclouds auch lange Texte auf wenige Kernbegriffe bringen, sind sie besonders beliebt für berufliche Präsentationen oder im Schulunterricht.

Über Internetprogramme, wie etwa „wordle.net“, kann jeder Text, auch ein Bibeltext, als Wortwolke dargestellt werden. Doch damit seine Clouds einigen Spezialitäten der biblischen Sprache gerecht werden, schrieb Wolters ein eigenes Programm. Es filtert Füll- und Bindewörter heraus, wie die meisten anderen Programme – sonst würde jede Cloud durch Worte wie „und“ oder „der“ dominiert. Darüber hinaus führt Wolters‘ Programm aber auch alle Begriffe auf ihre Grundform zurück. „Er sagte“, „sie sagten“ wird alles zu „sagen“. So taucht das Wort nur einmal in der Cloud auf. Zudem entdeckte Wolters bei der Arbeit an den Bibelclouds, dass es in der Bibel bestimmte Wendungen aus mehreren Wörtern gibt, die zusammengehören. „Tochter Zion“ beispielsweise, das in der Cloud nun als eine Wendung erscheint und nicht als „Tochter“ und „Zion“.

Je länger ein biblisches Buch, desto größer die Cloud. Beim 2. Buch Mose besteht die Cloud aus über 100 Wörtern und Wendungen. Das größte Wort ist der „HERR“. Groß dargestellt sind auch die Verben „sollen“ und „sprechen“, sie verweisen auf den Gesetzescharakter des Buches. Auch die handelnden Personen sind auf den ersten Blick zu finden – Mose, der Pharao, die Israeliten. Wesentlich kleiner sind die Clouds zu den kürzeren Büchern der Bibel. Gut zu sehen ist das an den Briefen im Neuen Testament, etwa an der Cloud zum Paulusbrief an die Philipper. Nur 25 Wörter und Wendungen, „Jesus Christus“ ist Dreh- und Angelpunkt. Auch das „Evangelium“ und das Verb „kommen“ spielen offensichtlich eine Rolle in diesem Brief.

Wiederholt auftretende Begriffe sind in jeder Cloud in der gleichen Farbe abgebildet. „Gott“ etwa in Beige oder „Volk“ in Orange. Ein Sonderfall ist der „HERR“. In den Bibelclouds auf Basis der Einheitsübersetzung hatte Martin Wolters keine Unterscheidung zwischen „Herr“ im Sinne von „Herr und Knecht“ und Gott, dem Herrn gemacht. In den Bibelclouds auf Basis der Lutherbibel steht nun der „HERR“ in Großbuchstaben für den Gottesnamen JHWH. In der Version der Clouds zur „Bibel in gerechter Sprache“ stellt sich dieses Problem gar nicht – da ist der „Herr“ komplett getilgt.

Seine Bibelclouds auf Basis der Einheitsübersetzung hat Wolters in einem Buch herausgebracht. Er bekam viele positive Rückmeldungen. Unter anderem von Thomas Ebinger, dem Dozenten für Konfirmandenarbeit am Pädagogisch-Theologischen-Zentrum in Stuttgart. Ihn begeisterten die Bibelclouds sofort: „Sie passen zum Computerzeitalter und sind auch noch ästhetisch ansprechend.“ Die Clouds seien für viele interessant, die sich näher mit der Bibel beschäftigen wollen. Auch in Konfirmandenarbeit und Schulunterricht. Für Jugendliche haben Wolters und Ebinger daher ein weiteres Buch herausgebracht: „Bibelclouds für Konfis.“ Basis diesmal ist die Lutherbibel. Neben den Clouds stehen kurze erläuternde Texte von Wolters, Ebinger und anderen Theologen und Theologiestudenten, die die Themen des Buches für Jugendliche erklären. Zu jedem Buch hat auch ein Jugendlicher seine Meinung gesagt. „Ich finde es sehr mutig von Mose, dass er Gott bittet, das Volk zu verschonen“, schreibt etwa die 14-jährige Alina zum 2. Buch Mose.

Die Clouds sind beliebt: Auf dem Kirchentag in Stuttgart im vergangenen  Jahr gab es im Zentrum Jugend sechsmal einen Workshop zu den Bibel­clouds – sechsmal war der Raum voll. Die Referenten zeigten, wie die Clouds eingesetzt werden können: Alle Bibelclouds liegen am Boden. Jeder in der Gruppe nimmt sich eine Cloud und stellt sie vor: Was hat ihn am Wortbild angesprochen? Worum könnte es gehen? Weiß er vielleicht sogar, welches Buch sich dahinter verbirgt? Die Gruppe gerät ins Gespräch über die Clouds. Und damit auch über die zugrundeliegenden Texte.

Über diese Methoden hinaus haben Ebinger und seine Kollegen noch weitere Möglichkeiten entwickelt, die Bibelclouds für Konfirmanden und Schulklassen einzusetzen. Je nachdem, wie fit die Jugendlichen in der Bibel sind, können sie etwa einzelnen Worten der Clouds nachforschen oder Bücher der Bibel anhand der Clouds miteinander vergleichen. Und vielleicht, so die Hoffnung von Martin Wolters und Thomas Ebinger, bringen die Clouds ja den ein oder anderen Jugendlichen dazu, die Bibel aufzuschlagen, um herauszufinden, was die Geschichten hinter den Wortwolken sind. Wie bei Martin Wolters – der bei der Arbeit zum Bibelclouds-Buch dann doch noch die Bibel fast ganz durchgelesen hat.



Informationen zu den Bibelclouds gibt es unter www.bibelclouds.de, selbst Clouds erstellen kann man zum Beispiel auf www.wordle.net