Christliche Themen für jede Altersgruppe

Das letzte Zuhause - Hospiz Merrit und Peter RenzHaus

TÜBINGEN – Das Gebäude ist fertig, bald kommen die ersten Gäste. Es sind Gäste auf Zeit: Sie kommen, um zu sterben. Vorher wurde das Hospiz Tübingen, genannt Merrit-und-Peter-RenzHaus, der Öffentlichkeit vorgestellt.

Merrit und Peter RenzHaus Tuebingen Hospiz. Foto: Wolfgang AlbersEine Hülle aus Holzlamellen ummantelt das Hospiz. Foto: Wolfgang Albers

Am 20. Oktober können die acht Gäste kommen. Sie werden es schön haben. Ihre Zimmer sind in einen Park und nach Süden ausgerichtet. Bodenhoch ist die Wand verglast, das Sonnenlicht flutet nur so herein. Gut zehnköpfig ist das Personal, das sich um sie kümmern wird – ein Betreuungsschlüssel wie in einem Grand Hotel. Es soll ihnen an nichts fehlen, den acht Gästen, so lange sie hier in diesem Haus sind. Denn das wird nur eine kurze Zeit sein. Die Gäste kommen zum Sterben in das Merrit-und-Peter-Renz-Haus, wie das Tübinger Hospiz heißt, das jetzt fertig gebaut ist.

Tübingen hat viel, von der Universität bis zu Weltmarkt-Firmen. Ein Hospiz aber gab es bisher im ganzen Landkreis nicht. Doch viel Kompetenz im Umgang mit Kranken in der Endphase ihres Lebens. So ging vom Paul-Lechler-Krankenhaus die Initiative zur häuslichen Versorgung Schwerkranker aus. Vor 30 Jahren begann das Pionier-Projekt, das damals bundesweit federführend war. Das Krankenhaus ist spezialisiert in der Medizin für alte Menschen und leistet Palliativmedizin, also die Behandlung Schwerkranker, die nicht mehr geheilt werden können, aber so medizinisch versorgt werden, dass im Sterben nicht das Leiden überwiegt.

Kompetenz war schon vorhanden

Was fehlte, war das „missing link“, das fehlende Glied, wie Wolfgang Stäbler sagt, der Geschäftsführer des Paul-Lechler-Krankenhauses. Ein Ort für die, die nicht mehr zu Hause versorgt werden können, aber auch nicht in die Klinik wollen – ein Hospiz eben.

„Das letzte Zuhause“, wie es Karl-Heinz Single nennt. Der Architekt hat es gebaut, im Auftrag des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm), das auch Träger des Lechler-Krankenhauses ist. Das Hospiz hat eine schöne Lage auf einem Ausläufer der Höhen über Tübingen und einen großen Park in seinem Rücken. Ein Glücksfall gleich mehrfach: ein Grundstück zu haben ist im Tübinger außer Rand und Band geratenen Immobilienmarkt sprichwörtlich Gold wert, und außerdem lassen sich so auf engstem Raum alle palliativen Angebote bündeln.

Das Difäm unter seiner Direktorin Gisela Schneider hat ohne viel Geld in der Kasse mit viel Mut das Projekt angepackt. Durch die Baupreis-Inflation und Auflagen der Stadt kostete es schließlich über vier Millionen Euro für das Hospiz und 6,6 Millionen für das Gesamtgebäude, in dem zum Beispiel das Tübinger Projekt und auch das Difäm nun ihre Büro-Domizile haben. Geld, das durch Stiftungen, etliche Sponsoren und viele Einzelspender (darunter mit einem besonders großen Betrag die Namensgeber) so reichlich hereinkam, dass momentan die Deckungslücke auf 370 000 Euro abgeschmolzen ist.

Das Gebäude nimmt schon von der Architektur her den Gedanken des Palliums, des beschützenden Mantels, auf: Eine durchbrochene Holzhülle legt sich um den ganzen Bau, im Inneren hat Karl-Heinz Single auf weiche, fließende Wände gesetzt und auf dezente Farbe – und mit einer konsequenten Südausrichtung der Zimmer der Schwerkranken, die nur Gäste genannt werden, für ein Maximum an Licht gesorgt.

Schon im Dienst ist Inge Finkel, die das Hospiz leitet. Und ihr Pflegeteam schon zusammen hat, obwohl das am Anfang die Sorge war: Finden sich genug? Aber schon auf die erste Anzeige meldeten sich viele. Und so hat Inge Finkel etliche mit Spezial-Qualifikation im Team, von der Trauer-Begleitung bis zu Schmerz-Erfahrenen. Dazu kommen Menschen von außerhalb ins Haus – etwa von der evangelischen und katholischen Seelsorge.

Wichtig war Inge Finkel auch die Haltung derer, die hier arbeiten: „Alle sollten sich mit dem Thema Sterben auseinandersetzen, dann kann man sich auf die Bedürfnisse der Gäste einlassen.“ Denn die sollen an erster Stelle stehen: „Wir wollen nicht einen Tagesablauf vorgeben, sondern wir versuchen, uns an den Bedürfnissen, Wünschen, Ablaufroutinen unserer Gäste zu orientieren.“ Denn darum geht es letztlich: „Wir wollen Menschen in ihrer letzten Lebensphase in Würde begleiten“, sagt Gisela Schneider. Der Bedarf ist jedenfalls da: Auf die acht Zimmer haben sich schon 15 Menschen beworben. □

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