Christliche Themen für jede Altersgruppe

Den Glauben neu entdecken - Impuls zur Predigt

1. Mose 12,1-4 (in Auszügen) Und der Herr sprach zu Abram: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Haus in ein Land, das ich dir zeigen will. Ich will dich zum großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden.


Den Glauben neu entdecken

Impuls für den 5. Sonntag nach Trinitatis: 1. Mose 12,1-4.

Von Dorothee Eisrich

Dorothee Eisrich ist Pfarrerin an der Stadtkirche Schorndorf.

Manchmal muss man zurückgehen bis zu den Quellen, um wieder zu finden, was man verloren hat. Was heißt eigentlich „glauben“? Diese Lebenshaltung, die in unserer verrückten Welt bei den einen zu verdunsten droht und bei anderen oft merkwürdig billige Antworten produziert.

Geht man zurück zu den Wurzeln, landet man bei der Geschichte von Abraham und Sarah, zwei Menschen, die es wagen aufzubrechen. Hinter sich zu lassen, was ihnen einmal Heimat war, aber nun – aus welchen Gründen auch immer – nicht mehr genügt. Leben nicht als vor sich Hinwurstelnde, die sich arrangieren mit allem, was sich eingeschliffen hat. Sondern eine Stimme hören, die sie bei ihrem Namen ruft: „Brich auf! Bleib nicht bei dem Erstarrten hängen. Geh in das Land, das ich dir zeigen will. Brich auf, auch wenn es keine Garantien gibt, dass alles gelingen wird.“ Das ist es, was die hebräische Bibel „Glauben“ nennt.

Brich auf!

 

Nun sind wir keine nomadischen Völker mehr, die Zelte abschlagen, mit Sack und Pack aufbrechen und dabei auch noch ungefragt die Frau mitnehmen. Aber auch wir spüren an vielen Punkten: So kann es nicht weitergehen. So will ich eigentlich nicht leben. Ich bin irgendwie in einer Sackgasse gelandet. Aber wir wissen auch ziemlich gut: Aufbrechen und etwas ändern ist gar nicht so leicht. Wie können wir also von Abraham glauben lernen?

Das erste: Man muss zum Aufbrechen nicht jung sein. Abraham und Sarah waren es jedenfalls nicht. „Jetzt“ ist nie zu spät. Was bei ihnen am Anfang stand, war die Erkenntnis: Du bist noch nicht am Ziel. Da liegt noch ein Land vor dir, ein Leben, das ich dir zeigen will. Lass los, was nicht mehr trägt, was nicht mehr stimmt, was sich als falsch herausgestellt hat. Wage einen Schritt und tritt heraus. Wenn dir das Leben viel zu schnell oder viel zu langsam oder viel zu oberflächlich geworden ist: Hör doch den Ruf des Lebens und brich auf! Jederzeit können wir damit beginnen, uns aus alten Mustern zu lösen. Wenn du mit dieser schreienden Ungerechtigkeit nicht mehr länger leben möchtest, diesem Leben auf Kosten anderer: Brich auf!

Wenn dich nicht satt macht, was andere dir an Leben zubilligen, wenn du spürst, diese Gedankengebäude, diese Vorstellungen von Leben tragen nicht mehr: Brich auf! Du wirst auf diesem Weg gesegnet sein.

Wenn wir aus unseren Nischen heraustreten und Wege vor uns liegen, die wir noch nie gegangen sind, kann einem bange werden. Aber auch das heißt glauben, die Zusage zu hören: „Du wirst auf diesem Weg gesegnet sein.“ Eine Kraft wird sich ereignen. Sieh doch all das Gute um dich herum, das bereits da ist. Tritt heraus und lass dich segnen: von dem Sonnenschein und dem Kinderlachen, von all den Segensspuren Gottes, die uns umgeben. Lass dich fallen in diese Kraft, die so viel größer ist als du selbst. Sprich auch du anderen Gutes zu. Werde leicht. Ich will dich segnen und du wirst ein Segen sein in dieser zerbrechlichen Welt.


Foto: unsplash/Kyle Glenn


Gebet

Wie oft schon hast du mich zum Leben bestärkt.
Wir oft schon war ein Engel neben mir
und mein Mut und meine Lebendigkeit
sind wiedererwacht.
Segne alle, die deiner Nähe vertrauen.
Lass uns aufbrechen in eine Welt,
wo einer dem andern Bruder und Schwester ist.
Amen.