Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der Geist des Evangeliums - Impuls zur Predigt

Galater 5,25–6,10 (in Auszügen) Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden. Brüder und Schwestern, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid. Und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

Der Geist des Evangeliums

Impuls für den 15. Sonntag nach Trinitatis: Galater 5,25–6,10.

Von Ulrich Heinzelmann

Ulrich Heinzelmann ist Pfarrer der Stadtpfarrkirche in Biberach. Foto: privat

Sind wir von allen guten Geistern verlassen? Die letzten zwei Corona-Jahre haben unsere Gesellschaft auf eine Zerreißprobe gestellt. Durch den Krieg in der Ukraine drohen nun weitere Einschränkungen, die schon jetzt viele Menschen mit großer Sorge erfüllen. Hitze und Trockenheit im Sommer dieses Jahres mehren die Sorgenfalten mit Blick auf den Klimawandel. Der Apostel Paulus schreibt an die frühchristlichen Gemeinden in Galatien mahnende Worte. Er erinnert an das christliche Grundprinzip des gemeinsamen Lastentragens (heute würden wir wohl von einem „Lastenausgleich“ reden). Und er bittet die Gemeinden, sich darüber Klarheit zu verschaffen, wes Geistes Kinder sie sind. Die Taufe und das Bekenntnis zu Jesus Christus, sagt Paulus, kann nicht ohne Folgen bleiben: Wer im Geist lebt, dessen „Wandel“, dessen Haltung zum Leben verändert sich.

Gute Botschaft

Offensichtlich gab es damals innergemeindliche Auseinandersetzungen, in denen unterschiedliche Geister aufeinanderprallten. Es gab Verwerfungen, Abspaltungen, Streit um das rechte Verständnis des Glaubens und den rechten „Wandel“ im Geist. Immer wieder ist in den Paulusbriefen davon die Rede: Der Mensch ist von sich aus nicht frei zum Guten, er ist hin- und hergerissen zwischen „Geist“ und „Fleisch“. Der geistliche Mensch ist in den Paulusbriefen der auf Gott bezogene Mensch, der sich leiten lässt von der Botschaft des Evangeliums. Der fleischliche Mensch ist der Mensch in seinen Beziehungen zur Welt und zu sich selbst; also der Mensch mit seinen alltäglichen Bedürfnissen und Herausforderungen durch die Gesellschaft. Beide, Geist und Fleisch, liegen nach Paulus in einem beständigen Kampf, der aber im Glauben an den gekreuzigten und auferweckten Jesus Christus ein für alle Mal entschieden ist.

Einer, der diesen Kampf in seiner Zeit mit sich selbst und mit den Mächtigen der damaligen Welt geführt hat, war Martin Luther. Vor 500 Jahren hat er als „Junker Jörg“ die Übersetzung der Bibel aus dem Griechischen in die deutsche Sprache begonnen. Am 21. September 1522 wurde auf der Leipziger Buchmesse sein „Septembertestament“, die Übersetzung des Neuen Testaments, veröffentlicht. In der Vorrede zum ersten Bestseller der Druckgeschichte schreibt Martin Luther: „Euangelion ist ein griechisch Wort und heißt auf Deutsch gute Botschaft, gute Märe, gute neue Zeitung, gut Geschrei, davon man singet und fröhlich ist.“ Und dies Evangelium „fordert nur den Glauben an Christus, dass derselbige für uns Sünde, Tod und Hölle überwunden hat“.

Der Geist des Evangeliums also ist es, in dem wir Christen leben und auch wandeln: ein Geist, der von der Selbst-Sorge befreit und deshalb „Heiliger Geist“ genannt wird. Ein Geist, der das sucht, was die Gemeinschaft fördert. Ein Geist, der ein „gut Geschrei“ in die Welt bringt und sich durch Wutbürgergeschrei nicht in seiner fröhlichen Hoffnung beirren lässt. Nein, von allen guten Geistern verlassen sind wir nicht, Gott sei’s gedankt! □

Foto: Ina Hochreuter, Prunkwinde

Gebet

Barmherziger Gott,
wenn wir uns von allen guten Geistern
verlassen fühlen,
dann schenke uns Gemeinschaft mit dir
und öffne unser Herz für deine Verheißungen.
Lass in uns verstummen, was uns quält,
lass in uns weit werden, was eng ist,
lass in uns wachsen, was uns Mut macht,
und gib uns Worte, dich zu loben und zu preisen.
Amen.