Christliche Themen für jede Altersgruppe

Der große Geber

Johannes 6,32-35  Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.


Impuls zum Predigttext für den 7. Sonntag nach Trinitatis: Johannes 6,30-35.  Von Stefan Wittig

Stefan Wittig ist Pfarrer in der Kirchengemeinde Birkenfeld im Kirchenbezirk Neuenbürg. (Foto: privat)

Brot ist in großen Teilen der Welt das Grundnahrungsmittel schlechthin. Nicht nur bei uns ist das so. Das war auch im östlichen Mittelmeerraum zu biblischen Zeiten so. So gut wie jeder wird da die Erfahrung gemacht haben, wie sättigend Brot ist, wie nachhaltig es den Hunger stillt.

Die Gesprächspartner Jesu in unserem Text aus Johannes 6 konfrontieren ihn mit der Mannaspeisung der Vorfahren durch Mose in der Wüste. Sie wollen Jesus herausfordern. Sie wollen, dass er ein vergleichbares Wunder wirkt. Dann, so meinen sie, würden sie ihm Glauben schenken. Zwar hatte Jesus am Vortag mit der Speisung der Fünftausend ein solches Wunder erst vollbracht. Aber sie wollen, dass er es wieder tut, jeden Tag neu. So wie Gott das Brot vom Himmel damals in der Wüste jeden Tag neu gegeben hat.

In seiner Antwort widerspricht Jesus zunächst seinen Gesprächspartnern. Nicht Mose sei der Geber der himmlischen Speise gewesen, sondern Gott. Und Jesus fährt fort, indem er von der Vergangenheit in die Gegenwart wechselt. Gott „gibt“ auch heute und sogar mehr als damals. Er gibt nämlich nun das „wahre Brot vom Himmel“. Dieses wahre Brot, so wird es hier ausgedrückt, ist er selbst als Gottes Sohn, den der Vater aus dem Himmel gesandt hat. Aber bei Jesus wird dann aller Hunger und Durst nach Leben gestillt, so will Johannes deutlich machen.

Vielen von uns sind diese Worte vertraut. Vielleicht sind sie uns schon zu vertraut, als dass sie uns noch wirklich berühren könnten. So geht es mir jedenfalls mit diesem Text. Vielleicht sind es auch zu große Worte, zu große Versprechungen, die bei Menschen, die von Skepsis und Enttäuschung geprägt sind, nicht mehr auf fruchtbaren Boden fallen.

Gleichzeitig aber ist das, was uns diese Worte sagen wollen, doch eine große Ermutigung. Dass nämlich vielen unserer Gottesbilder zum Trotz Gott der große Geber ist. Dass er seine Gaben nicht für sich behält, sondern dass es Teil seines Wesens ist, sich und seine Güte großzügig mitzuteilen. Deshalb wird die Geschichte vom rettenden Manna erzählt, das den Hunger in der Wüste zu stillen vermochte. Und darum geht es auch bei der ganzen Jesuserzählung von der Menschwerdung Gottes. Die Botschaft ist durch die ganze Bibel immer die gleiche: Gott überwindet die Distanz zum Menschen und kommt ihm in seinen Gaben nah. Und so rückt Jesus in unserem Text die Gabe wieder ganz nah an den Geber heran. Nicht Mose, sondern Gott hat das Manna geschenkt und damit das Überleben gesichert. In diesem Gespräch soll, wie in den sonstigen Begegnungen mit Jesus, nichts anderes geschehen als zu einem radikalen Blickwechsel auf Gott eingeladen werden: Das göttliche Ich, in dem Jesus hier spricht, will nicht ohne dich sein! Und so ist die Botschaft der Evangelien von der Menschwerdung Gottes in Jesus von Nazareth letztlich als radikale Zusage seines Mit-Seins zu verstehen. Gott ist uns näher als das Hemd, näher als der eigene Herzschlag, näher als der intimste Gedanke. Wenn Jesus sich hier als das Brot des Lebens bezeichnet, dann heißt das: Wie das Brot, das wir täglich essen, ist Gott bei uns und hält uns am Leben – auch über den Tod hinaus. Natürlich ist das ein besonderes Bild, das im Abendmahl eine breite Aufnahme gefunden hat. Aber gemeint ist das von der ganzen Schöpfung her, da wo sie uns nährend und erhaltend, helfend und rettend zugewandt ist. Sei es der erfrischende Trank, der wärmende Sonnenstrahl, die uns entzückende Schönheit einer Blumenwiese oder der uns tröstend oder gar liebend zugekehrte Andere. In all dem und noch vielem mehr begegnet uns die Güte und Liebe Gottes.

Dass die Welt auch anders ist, das hat Jesus natürlich ebenfalls gewusst und am eigenen Leib erfahren. Aber gerade deshalb laden die Evangelien zu Jesu Lebensperspektive ein. Sie vertraut, dass Güte und Liebe uns in jedem Augenblick des Daseins überreich zufließen und das auch über den Tod hinaus.


Gebet

Ach, denk ich, bist du hier so schön
und lässt du’s uns so lieblich gehn
auf dieser armen Erden:
das will doch wohl nach dieser Welt
dort in dem reichen Himmelszelt
und güldnen Schlosse werden!

Paul Gerhardt, Evangelisches Gesangbuch Nr. 503,9