Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Kluft überwinden - Impuls zur Predigt

Lukas 16,31 Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.

Die Kluft überwinden

Impuls für den 1. Sonntag nach Trinitatis: Lukas 16,19-31.

Von Rainer Köpf

Rainer Köpf ist Gemeindepfarrer in Weinstadt- Beutelsbach. Foto: Privat

Manchmal sind die Spannungen auf dieser Welt kaum auszuhalten. Da feiert man ein harmonisches Familienfest und woanders fallen gleichzeitig die Bomben. Da startet der ausgebuchte Flieger nach Mallorca und gleichzeitig ertrinken woanders Flüchtende im Meer. Da wird wegen des Ukrainekriegs das Brot bei uns nur ein wenig teurer, aber in Afrika hungern die Menschen. Wie können wir mit solchen Ungerechtigkeiten leben, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu bekommen? Müssen wir reichen Westeuropäer nicht erschreckt den Fernseher ausschalten und die Augen vor all dem Elend verschließen, weil wir sonst nicht mehr ruhig schlafen können?

Rainer Köpf ist Gemeindepfarrer in Weinstadt- Beutelsbach. Foto: PrivatIn dem Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus führt Jesus uns die „große Kluft“, aber auch die überraschende Nähe zwischen Wohlstand und Notstand vor Augen. Der Reiche lebt „herrlich und in Freuden“. Der arme Lazarus dagegen muss gleich daneben unbehaust als Müllsammler dahinvegetieren. Seine Hautgeschwüre werden nicht medizinisch behandelt, sondern von Hunden abgeleckt. Der Reiche ist namenlos. Sein Geld ist sein Leben. Sein Besitz verschafft ihm Bedeutung. Die großen Villen von Sylt brauchen keinen Namen an der Haustür, um die Wichtigkeit ihrer Besitzer zu zeigen. Doch wer reich ist, hat auch Angst, alles zu verlieren. Wenn sich der Reiche redlich besinnt, weiß er: „Ohne Geld und Gut wäre ich genau wie der Arme vor meiner Haustür: angewiesen auf andere und mit leeren, bettelnden Händen.“ Deswegen verschließt er die Augen vor dessen Armut. Wenn er für soziale Projekte spendet, dann tut er es auch deswegen, um dieses Leid verdrängen zu können. Daneben der Arme: Er hat einen Namen. Er ist ein Mensch. Er heißt Lazarus. Das bedeutet auf Deutsch: „Gott wird sich meiner erbarmen.“ Darin kommt seine zukunftsorientierte Haltung zum Ausdruck. Der Reiche hält sich an seinem Geld fest, Lazarus an seiner Hoffnung auf Gott!

Beide sterben zur selben Zeit. Der Arme wird von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Der Reiche kommt in die Hölle. Der Zustand, in dem beide auf Erden schon lebten, wird im Jenseits verstetigt. Der, der Gott vertraut hat, erlebt Geborgenheit. Der, der gottlos gelebt hat, erlebt den hitzigen Stress der Gottesferne. Lazarus darf schauen, was er geglaubt hat. Der Reiche muss schauen, was er nicht geglaubt hat.

Wir sind eingeladen

Immerhin überkommt den Reichen mitten in der Hölle eine menschliche Regung. Er sorgt sich um seine fünf noch lebenden Brüder. Man möge doch jemanden aus dem Totenreich schicken, der sie warnen und zur Umkehr rufen soll. Aber er hört nur den Satz, dass die Lebenden doch alles wissen könnten über das „Danach“. In der Bibel, im Wort Gottes stehe es klar geschrieben. Wenn sie darauf nicht hören, dann lassen sie sich auch von einem Auferstandenen nicht überzeugen.


Wegen dieses letzten Satzes erzählt uns Jesus das Gleichnis. Die Geschichte ist keine Vertröstung der Armen auf den großen Ausgleich im Himmel. Nein, Jesus erzählt uns die Geschichte, weil wir zu diesen fünf Brüdern und Schwestern gehören, die noch leben. Die Geschichte geht unter die Haut und ruft uns zur Entscheidung. Wir sind eingeladen, uns für das Wort Gottes zu öffnen. Wer geöffnete Ohren hat, dem werden auch die Augen geöffnet. Dann sieht der Reiche im leidenden Nächsten den Bruder, der an seiner Herzenstür anklopft, auf dass sich seine Hände zum Handeln öffnen.

Hand reichen. Helfen. Für einander da sein. Foto: unsplash/Jackson DavidFoto: unsplash/Jackson David

Gebet

Heiliger Geist, öffne unsere Ohren für dein Wort,
unsere Augen für des Nächsten Not,
unser Herz für die Liebe
und unsere Hände zum Tun des Gerechten,
durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Amen.