Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Kraft des Gebets

FREUDENSTADT – Politik und Kirche – passt das zusammen? Ja, sagt das Organisationsteam der ökumenischen Montagsgebete. Diese werden an jedem ersten Montag des Monats in der Krypta unter der katholischen Krönungskirche in Ergenzingen veranstaltet. Zu Gast sind Referenten aus verschiedenen Kirchenbezirken – wie kürzlich Landrat Klaus Michael Rückert Freudenstadt. 


Conny Powill und Thomas Präg umrahmten das politische Montagsgebet musikalisch. (Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)

Jetzt im Herbst ist es bereits dunkel auf dem Weg hin zum politischen Montagsgebet, doch die Krönungskirche leuchtet hell. Von allen Seiten kommen Männer und Frauen, um zuzuhören, zu beten und zu singen. An diesem Abend spricht Klaus Michael Rückert, Landrat aus dem Kreis Freudenstadt. Er hat diesen Termin gerne wahrgenommen.

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Rückert ist ein tief gläubiger Katholik, der versucht, seinen Glauben und seine daraus resultierenden Wertvorstellungen auch in seiner täglichen Arbeit umzusetzen. „Es gelingt mir nicht immer“, gibt er zu. Aber er bemüht sich redlich und bittet bei seinem Impuls die Menschen, es ihm gleich zu tun.

In der Nikolai-Kirche in Leipzig finden seit 1982 Montagsgebete für Frieden und Demokratie statt. In diesem Geist fanden seit Pfingsten 2017 jeden Montag auch auf der Liebfrauenhöhe in Ergenzingen solche politischen Monatsgebete statt. Die Gebete dauerten bis nach der Bundestagswahl am 25. September 2017 an. Aufgrund des guten Zuspruches wurden die politischen Montagsgebete fortgesetzt, seit November 2018 nun an jedem ersten Montag des Monats.

Der Ablauf ist immer gleich: Es gibt einen Impuls von Menschen aus Politik, Kirchen und Gesellschaft. Es wird gemeinsam gesungen und gebetet. Künstler kommen genauso zu Wort wie politische Entscheidungsträger oder auch Menschen mit Migrationshintergrund.

Der ehemalige Ministerpräsident Erwin Teufel war schon da, auch Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer. Am 3. Dezember spricht der Landtagsabgeordnete Tim Kern. Weitere Gäste werden Bundestagsabgeordneter Michael Theurer und der Antisemitismus-Beauftragte der Landesregierung, Michael Blume, sein.

„Die aktuelle politische Lage ist im Umbruch“, sagt Sebastian Lazar vom Organisationsteam. „Es gibt Tendenzen, die den christlichen Werten entgegenstehen und unsere freiheitliche Demokratie gefährden.“ Für die Christen sei es an der Zeit, für Demokratie, Vielfalt, für soziales Miteinanders und Dialogfähigkeit einzustehen. Auf der Liebfrauenhöhe tun sie das im gemeinsamen ökumenischen Montagsgebet. Die Resonanz ist gut, zwischen 50 bis 400 Menschen kommen pro Veranstaltung. So wie etwa Cornelia Powill, die regelmäßig mit dabei ist. Sie genießt die unterschiedlichen Redner, bekannte und weniger bekannte und deren so unterschiedliche Aussagen, „aber alle in der gleichen Werteskala“, sagt sie.

Auch am Abend mit Landrat Rückert sind alle Plätze belegt. Sebastian Lazar: „Was uns besonders freut: Mit unserem Angebot sprechen wir auch kirchenferne Menschen an, die unser Anliegen teilen und die Kraft des gemeinsamen Gebetes erfahren.“ Für die Liebfrauenhöhe hat man sich bewusst entschieden: als einen geistlichen Ort, der nicht an eine spezielle Kirchengemeinde gebunden ist. Formell haben die Montagsgebete auch nichts mit dem Schönstattzentrum zu tun. Dieses stellt lediglich den Raum zur Verfügung.

Margot Müller war zum ersten Mal dabei und der Abend hat sie sehr bewegt. Sie wünscht sich solche politischen Montagsgebete auch in anderen Orten. Die Freudenstädterin ist extra zur Liebfrauenhöhe gefahren. Regina Seefried genießt die Gemeinschaft und den Austausch. Bei den politischen Montagsgebeten bekäme sie Impulse über ihren eigenen Alltag nachzudenken und zu überlegen: „Wo mache ich die Augen zu, statt zu helfen?“