Christliche Themen für jede Altersgruppe

Die Reise ins Heilige Land - Israel, Sehnsuchtsland vieler Christen

Das Jahr 2023 könnte zum ersten normalen Reisejahr seit Beginn der Corona-Pandemie werden. Erstmals findet in Stuttgart die große Reisemesse CMT wieder statt, bei der sich auch die Kirchen und biblische Reiseziele wieder präsentieren werden. Ein Sehnsuchtsland vieler Christen bleibt dabei Israel. Doch wie hat sich der Tourismus dort entwickelt?

See Genezareth, epd-bild Walter G. Allgöwer

Für viele ist es ein Traum, einmal das Heilige Land zu besuchen. Deshalb unternehmen zahlreiche Urlauber aus Deutschland eine Reise auf den Spuren von Jesus nach Jerusalem, Bethlehem, Nazareth und zum See Genezareth. „Die biblischen Stätten sind auch für unsere Gruppen die Hauptziele“, bestätigt Dorit Riedl, Geschäftsführerin des Unternehmens Scuba-Reisen, das seit über 40 Jahren in Stuttgart ansässig und auf Israel spezialisiert ist. Die gebürtige Israelin organisiert viele Touren für Kirchengemeinden, die jedes Jahr ins Heilige Land reisen, berät aber auch Einzelreisende. „In Israel auf eigene Faust mit einem Mietwagen oder mit dem Bus unterwegs zu sein, ist auch überhaupt kein Problem“, erklärt die Expertin. In dem kleinen Land, das nur halb so groß ist wie die Schweiz, sei alles schnell erreichbar.

Die einzigartigen religiösen Stätten sind auch der Grund dafür, warum das Land trotz schwerer Krisen besucht wird. Wer die biblischen Orte erleben will, kann – im Gegensatz zu einem Badeurlauber – eben nicht einfach in ein anderes Land reisen. Es gab zwar enorme Rückgänge während der Zweiten Intifada von 2000 bis 2005. Anschließend sind die Besucher aber wieder zahlreich gekommen und 2019 meldete Israel einen „historischen Besucherrekord“ mit 4,55 Millionen Touristen aus aller Welt. Deutschland war mit 289 000 Urlaubern dabei nach Frankreich das zweitstärkste Herkunftsland in Europa.

Auch von der harten Zäsur durch die Corona-Pandemie hat sich die Tourismusbranche im Land langsam erholt. Zwar kommen längst nicht so viele Urlauber wie 2019, aber die monatlichen Ankünfte liegen nur noch 20 bis 25 Prozent unter den Rekordzahlen. Vielleicht wird nun die neue rechts-religiöse Regierungskoalition den ein oder anderen abschrecken oder auch die gestiegenen Preise, aber am Ende werden doch wieder viele kommen.

Wüste Negev. Foto: Claudia ListLand der Vielfalt: Wüste Negev, Platz vor der Grabeskirche in Jerusalem, Felsen im Nationalpark Timma.

Gassen der Altstadt in Jerusalem

Dabei sind gerade manche der biblischen Orte, die die Urlauber so anziehen, alles andere als beschaulich. In der Grabeskirche in Jerusalem herrscht oft ein Gedränge und ein Lärmpegel wie auf einem Jahrmarkt. Aber man findet Alternativen, kann sich durch die Altstadt treiben lassen und ruhige Gassen und Plätze entdecken, die einen Eindruck von der Stadt geben, wie sie früher vielleicht einmal war.

Momente wie diese prägen sich ein. Besinnung inmitten des „religiösen Disneylands“, wie es manche spöttisch nennen, kann man auch in der evangelischen Erlöserkirche finden. Sie liegt unweit der Grabeskirche zwischen dem christlichen und muslimischen Viertel. Jeden Mittag findet dort eine kurze Andacht statt – im Kreis weniger Menschen und garantiert ohne Rummel.

Natürlich ist es etwas Besonderes, am See Genezareth zu stehen. Doch wem dort in Kapernaum oder in der Brotvermehrungskirche mit ihren schönen Bodenmosaiken zu viel los ist, der kann vielleicht einen unvergesslichen Moment auf dem Wasser erleben: Bei einer Fahrt am frühen Morgen mit dem Boot über den See, wenn er noch im Dunst liegt, sich die Sonne allmählich durchkämpft und das gegenüberliegende Ufer kaum zu erkennen ist.

 

Reisende kann unterwegs durchaus ein Wechselbad der Gefühle begleiten. Mal ist man genervt vom Pilgerrummel, mal tief berührt von einem geschichtsträchtigen Ort. Die Klagemauer mit den Menschen davor, die tief in ihre Gebete versunken sind, ist beeindruckend. Doch sobald man sich umdreht, blickt man auf schwer bewaffnete Sicherheitskräfte, auf Absperrungen und Kontrollpunkte. Der ganze Platz ist streng bewacht. Das gilt auch für den Tempelberg, den man nicht immer betreten kann – und wenn, dann erst nach ausgiebigen Sicherheitskontrollen.

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern ist besonders in Jerusalem allgegenwärtig. Die hohe Mauer, die gebaut wurde, zeugt davon, dass der Friedensprozess, der vor über 20 Jahren noch auf einem guten Weg zu sein schien, gescheitert ist. In Bethlehem und auch andernorts in den palästinensischen Autonomiegebieten zeigen sich die Konflikte – und die Unterschiede in den Lebensstandards. Auch das gehört zu einer Reise in diese Region: Sie ist nicht einfach zu verstehen und in der Regel reist man nach den Eindrücken, die man gewonnen hat, mit deutlich mehr Fragen als Antworten wieder nach Hause.

Gerade das macht eine Israelreise auch so interessant. Außerdem findet man über die religiösen Stätten hinaus vieles, was eine Reise lohnt.

Klagemauer mit Felsendom in Jerusalem. PressebildStrandvergnügen in Tel Aviv. Foto: Claudia ListGegensätze: Klagemauer mit Felsendom in Jerusalem, Strandvergnügen in Tel Aviv.

Yad Vashem und der See Genezareth

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gehört zu Recht zum Programm vieler Gruppen. In Jerusalem, der heiligen Stadt dreier Weltreligionen, könnte man aber auch Tage zwischen den Schätzen aus Kunst und Archäologie im Israel Museum verbringen und sich zwischendurch bei einer Sacher-Torte im Café des Österreichischen Pilger-Hospiz erholen.

Das nur rund 60 Kilometer entfernte Tel Aviv liefert das Kontrastprogramm zur heiligen Stadt: Am langen Strand treffen sich Menschen zum Baden, Beachvolleyball und Surfen. Spaziergänger, Radler, Jogger und E-Scooter-Fahrer sind auf der Promenade unterwegs. Dahinter erhebt sich die Skyline der vor rund 100 Jahren gegründeten Stadt.

Sie ist außerdem bekannt für ihre einzigartige Ansammlung von rund 4000 Gebäuden im „Internationalen Stil“, die in den 1930er- und 40er-Jahren errichtet wurden. Jüdische Architekten, die vor den Nationalsozialisten fliehen mussten, hatten die Pläne dazu geliefert – und auch die Formensprache der Kunstschule „Bauhaus“ mitgebracht. 2003 hat die Unesco die „Weiße Stadt“ in die Weltkulturerbeliste aufgenommen und man kann sie auf eigene Faust und bei geführten Touren entdecken. Tel Aviv ist jung und in den Clubs und Bars wird gefeiert, als gäbe es kein Morgen.

Auch wer einen Badeurlaub machen will, findet günstigere Alternativen als Eilat – selbst wenn die Lage am Roten Meer sehr schön ist. Zum Toten Meer reisen hingegen viele Menschen wegen ihrer Gesundheit. Die einen suchen das Abenteuer einer Wanderung mit Übernachtung in der Wüste Negev, andere wollen das Leben im Kibbuz kennenlernen. Man könnte noch viele Gründe aufzählen – doch ein wichtiger darf nicht fehlen: das gute Essen, das der berühmte Koch Yotam Ottolengi inzwischen mit seinen Kochbüchern auch in aller Welt bekannt gemacht hat. Mit Blick aufs Mittelmeer oder einen Olivenhain an einem Tisch zu sitzen, auf dem sich viele kleine Schalen mit Oliven, Hummus, Pasten und Salaten aller Art reihen, das Fladenbrot brechen und gemeinsam die Köstlichkeiten genießen – das ist schon eine Reise wert.

Fotos: Claudia List, epd-bild/Thomas Lohnes (2), epd-bild/ Walter G. Allgöwer

◼ Auskunft über das Reiseland gibt das Staatliche Israelische Verkehrsbüro in Berlin, Telefon 030-2039970, www.goisrael.com

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