Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein erster Schritt aus der Sucht

BRACKENHEIM – Wenn man sich eingesteht, alkoholabhängig zu sein, ist das ein großer Schritt auf dem Weg zur Abstinenz. Hilfreich ist dabei der Austausch in Selbsthilfegruppen, in denen man sich verstanden und akzeptiert fühlt – so wie beim Freundeskreis Suchthilfe in Brackenheim. 

Alkoholismus ist ein lebenslanges Problem. Man muss etwas für seine Psyche tun, um nicht rückfällig zu
werden. (Foto: epd-bild)

Der Prozess in die Abhängigkeit ist schleichend. Irgendwann reicht eine Flasche Bier nicht mehr, um beruflichen oder privaten Frust hinunter zu spülen. In Gesellschaft wird ohnehin mehr getrunken, und der Konsum in der Vereinsrunde oder bei Festen fällt nicht weiter auf.

Bis zur Selbsterkenntnis, süchtig zu sein und der Einsicht, vergeht oft viel Zeit. Angehörige sind machtlos, werden oft co-abhängig, weil sie den Süchtigen nach außen abschirmen. Offen über die Abhängigkeit zu sprechen, ist nicht gesellschaftsfähig. Obwohl das Bundessozialgericht Alkoholismus schon 1968 als Krankheit anerkannt hat.

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Ein Klinikaufenthalt wegen eines Burn-Outs stößt auf Verständnis. Die Entziehungskur aufgrund einer Alkoholsucht nicht. Diese wird mit mangelnder Disziplin verbunden. Selbst, wenn die Familie den ganzen Leidensweg unterstützend begleitet und der Süchtige nach der Therapie trocken bleibt, können sich Arbeit­geber anders verhalten.

„Wer will schon einen Alkoholiker in der Firma haben. Ein Rückfall ist durch die Therapie ja auch nicht aus­geschlossen“, erklärt Heiko Bergmann (Name geändert). Er lebt schon seit vielen Jahren abstinent und verschwieg seinem beruflichen Umfeld seine frühere Sucht und seinen Entzug.

Der gebürtige Badener besucht regelmäßig den Freundeskreis Suchthilfe in Brackenheim, ein wöchentliches Angebot der Diakonie, an dem durchschnittlich zehn Personen zwischen 28 und 80 Jahren teilnehmen.

Jeder setzt sich mit seiner persönlichen Suchtgeschichte auseinander, erfährt, dass er mit seinem Problem nicht allein ist und lernt, sein Selbstwertgefühl zu stärken. „Man braucht den Mut zum ersten Schritt. Aber dann ist es eine unglaubliche Erleichterung, mit anderen zu reden und als Mensch ernst genommen zu werden, nicht nur als Süchtiger“, erzählt Bergmann.

Zum Freundeskreis kam er durch die Psychosoziale Beratungsstelle für Suchtkranke und Suchtgefährdete der Diakonie Heilbronn. Im Stadt- und Landkreis Heilbronn gibt es 16 Suchthilfe-Freundeskreise. Alkoholismus betrifft als gesellschaftliches Problem Männer und Frauen, quer durch alle Schichten.

Im Freundeskreis sind auch Angehörige willkommen, denn die sind ebenfalls betroffen. Sie lernen, die Krankheit zu verstehen, sich selbst abzugrenzen und dem Partner die Verantwortung für sein Handeln zu überlassen. „Man muss immer aufpassen. Nach einem erfolgreichen Entzug haben sich die Ursachen für das Trinken nicht aufgelöst. In den Gesprächen lernt man, wo der Feind lauert“, sagt Bergmann.

Nicht nur in schwierigen Situationen, sondern auch in versteckten Lebensmittelzutaten. Das leckere Dessert mit einem Schuss Likör, die Bratensauce, mit etwas Wein verfeinert, oder eine altbewährte Naturmedizin wie Klosterfrau Melissengeist können zum Rückfall führen. Alkohol muss bis ans Lebensende gemieden werden.

Die Treffen werden von einem in der Suchthilfe ausgebildeten Leiter moderiert. Jede Stunde beginnt mit einer kurzen Besinnung. Dann kommt eine Befindlichkeitsrunde, in der jeder über sich sprechen darf. Das tut gut. Der zwischenmenschliche und vorurteilsfreie Kontakt baut auf und stabilisert die Teilnehmer – für ein Leben, das nun hoffentlich dauerhaft ohne Alkohol weitergeht.

 


Information

Die „Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe Landesverband Württem­berg“ bestehen aus 100 Gruppen mit 500 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Gemeinsames Ziel ist eine zufriedene und suchtmittelfreie Lebensgestaltung. Grundlage und Motivation der Arbeit ist die christliche Nächstenliebe. Im Verbund der Sucht­krankenhilfe übernehmen die Freundeskreise die Nachsorge für suchtkranke Menschen sowie deren Angehörige. Weitere Informationen unter Telefon 07333-3778 oder im Internet unter www.freundeskreise-sucht-wuerttemberg.de

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