Christliche Themen für jede Altersgruppe

Ein Sommer in Pink

HEILBRONN – Karola Klemm-Hertner strahlt. Nicht mal eine heftige Erkältung kann sie von der Begeisterung für die Bundesgartenschau (Buga) in Heilbronn ablenken. Die Nordheimerin ist eine der Gästeführerinnen und zeigt den Gruppen das Gelände. „Ich bin immer wieder fasziniert, was Gott alles an Pflanzen erschaffen hat“, sagt sie.

Der Kirchengarten ist für Karola Klemm-Hertner ein ganz besonderer Platz. (Foto: Stefanie Pfäffle)

Ihr Glaube verhilft ihr zu einem ganz besonderen Blick auf die Bundesgartenschau. Karola Klemm-Hertner ist gelernte Arzthelferin, hat dann aber jahrelang im elterlichen Gartenfachgeschäft mitgearbeitet. Die Pflanzenwelt ist der zweifachen Mutter also ein bisschen in die Wiege gelegt worden. Mit 52 Jahren aber erfolgt ein großer Schnitt: Sie verabschiedet sich aus dem Familienbetrieb. Für sie kein einfacher Schritt. „Ich hatte Glück und bin dank meines Mannes weich gefallen, aber ich wollte noch einmal etwas anderes machen und nicht nur zu Hause sitzen“, erzählt die mittlerweile 58-Jährige.

Vom Gartenfachgeschäft zur Referentin

Klemm-Hertner wird Referentin für Frauenfrühstücke und Landfrauen, ihre Vorträge über Freundinnen und Weihnachten sind besonders beliebt. Außerdem schreibt die Großmutter eines Enkels – das zweite ist unterwegs – für die Zeitschrift „Lebensspuren“. Und sie lässt sich 2016 zur Stadtführerin für Heilbronn ausbilden, ein durchaus umfangreiches Unterfangen. Für Karola Klemm-Hertner ist es perfekt, schließlich hat sie sich schon immer für Geschichte ganz allgemein und für die Geschichte von Kirchen im Speziellen interessiert. Sie schätzt Kirchen als Orte der Stille, des Innehaltens und der stillen Begegnung mit Gott.

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Da ist die Buga dann doch Kontrastprogramm: Mit Stille ist nicht viel, wenn an schönen Tagen mehrere zehntausend Besucher über das Gelände spazieren. Doch bei der Ausbildung zur Stadtführerin war schon klar, dass sie noch diese Fortbildung bekommen würde, um eben auch hier Gäste durchzulotsen.

Und Karola Klemm-Hertner ist hin und weg. Mehr als 100 Führungen hat sie in ihrer pinken Gästeführerjacke in 173 Tagen Buga geleitet. Nun, da sie die Hintergründe kenne, „kann ich das Gelände ganz anders sehen als andere“, stellt sie fest. Bei so vielen Gruppen lernt sie unterschiedlichste Menschen kennen. „In Gottes Garten blühen viele verschiedene Blumen“, meint sie augenzwinkernd. Die Unterschiede in der Zusammensetzung und Harmonie seien gewaltig gewesen. Vor jeder Führung betet Klemm-Hertner für ihre Gruppe. Wenn sie es mal vergisst, scheint es nicht ganz so gut zu laufen. „Ich glaube nicht, dass ich mir das eingebildet habe.“

In Gottes Garten blühen viele verschiedene Blumen

Begeistert seien die Menschen vor allem vom Wasser. Davon gibt es mit dem Neckar und zwei Seen reichlich. Auch im Kirchengarten sprudelt ein Brunnen, der an die Heilbronner Quelle direkt unter der Kilianskirche in der Stadtmitte erinnern soll. Überhaupt ist das Gelände der Kirchen für Klemm-Hertner ein besonderer Ort. Sie denkt dabei an das gemeinsame Singen, das Glockenläuten zum Mittagsimpuls mit der vor Ort gegossenen Glocke oder an die spirituellen Veranstaltungen. Dort möchte sie auch ihre Gruppen hinführen. „Manche wollen das explizit nicht. Da werde ich auch mal still belächelt, wenn ich Gottes Schöpfung erwähne.“

Heilbronn - Salzgarten, Schrottgarten, Kirchengarten...

Doch es gibt viele Flecken, die besonders sind, findet Klemm-Hertner. Der Schrottgarten, der an die Industriebrache erinnert, auf der das Buga-Gelände entstanden ist, oder der Salzgarten, der auf die salzige Geschichte der Stadt verweist. Und natürlich die Friedhofsgräber. „Ich fand es bemerkenswert, dass sich die Leute dort bei der Schönheit und Lebensfreude um sich herum mit ihrer Endlichkeit auseinander gesetzt haben. Das war ein spannender Spagat.“

Den hat Klemm-Hertner in den letzten Monate auch vollzogen. Buga-Gästeführerin wurde quasi zum Vollzeitjob. Mit dem E-Bike fuhr sie fast täglich von Nordheim am Neckar entlang nach Heilbronn, wo sie wiederum acht Kilometer pro Führung lief.

Das gibt genügend Energie für ihre Aufgaben in der Kirchengemeinde zuhause, die nun wieder anstehen. Klemm-Hertner gehört zum Team des Frauenfrühstücks, leitet Projekte wie Erntedankfest und Weltgebetstag und führt zusätzlich mit ihrem Mann Martin Hertner und anderen das Taizégebet in Nordheim. „Mein Mann ist Vorsitzender des Kirchengemeinderats, und wie überall in der Kirche fehlen die Leute“, meint sie lachend zu der Aufgabenflut.

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