Christliche Themen für jede Altersgruppe

Eine enge Beziehung

Jesaja 50,4-9  Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Er weckt mich alle Morgen; er weckt mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. Aber Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Siehe, Gott der Herr hilft mir; wer will mich verdammen?



Impuls zum Predigttext für den Palmsonntag: Jesaja 50,4-9.  Von Friedrich Langsam

Friedrich Langsam ist Dekan in Ravensburg. (Foto: privat)

Da passt kein Blatt Papier dazwischen, sagen wir, wenn es um engste Beziehungen geht. Dieses Bild trifft hier ins Zentrum der Beziehung zwischen Gott und seinem Jünger. Wir kennen zwar die Identität des sogenannten Gottesknechtes nicht, aber wir erfahren: Gott ist mit ihm innig verbunden. Er ist ihm ganz nah. Erkennbar ist dies zunächst am Reden. Es zeugt nicht nur von Begabung, sondern von Berufung. Gott legt ihm sein Wort in den Mund.  Das zeigt sich an der Wirkung. Sein Wort erreicht auch die Müden: Menschen, die vom Leben enttäuscht, die gleichmütig und erwartungslos geworden sind. Es sind Worte, die zu Herzen gehen, die aufrichten und zum Leben helfen. Worte, die inmitten von so viel Banalität und schaler Unterhaltung Orientierung geben, Halt schenken und dem Leben Bedeutung verleihen.

Doch es ist nicht sein Wort. Es wird geboren aus der Beziehung zu Gott. Der Knecht teilt mit anderen, was er hört. Was er zu geben hat, ist ihm im Hören zuteil geworden. Solches Hören ereignet sich auf wunderbare Weise immer wieder neu. Es geschieht in der Begegnung mit dem redenden Gott am Anfang eines jeden Tages. Es steht auch uns offen. Das empfangene Wort richtet auf und aus, hilft Erfahrungen zu deuten und Akzente zu setzen. Was Jochen Klepper in seinem Lied formuliert hat, gilt und trägt auch uns: „Das Wort der ewgen Treue, die Gott uns Menschen schwört, erfahre ich aufs neue so, wie ein Jünger hört“ (EG 452).

Der Knecht hört auf Gott, weil er ihm ge-hört. Sein Horchen führt zum Ge-horchen. Solche Abhängigkeit eröffnet Freiheit gegenüber Menschen. Das gilt besonders gegenüber denen, die ihn demütigen und misshandeln. Weil er im Hören in Gott verwurzelt und gehalten ist, kann er anderen gegenüber standhalten, kann er Schläge und Schmach ertragen. Solche Ablehnung und Anfeindung setzen ihm seelisch und körperlich zu. Dennoch hören wir keine Klage. Das erinnert an das vierte Lied des Gottesknechtes: „Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf“ (Jesaja 53,7). Wie ist dies möglich? Der Grund besteht in der innigen Beziehung zu Gott. Sie zeigt sich als Vertrauen, ja als Gewissheit: „Er ist mir täglich nahe und spricht mich selbst gerecht. Was ich von ihm empfahe, gibt sonst kein Herr dem Knecht“ (EG 452). Er kann aushalten und standhalten, weil er weiß: „Ich werde nicht zuschanden, wenn ich nur ihn vernehm. Gott löst mich aus den Banden. Gott macht mich ihm genehm“ (EG 452).  Und weil Gott als Richter das letzte Wort spricht, kann er das Unrecht aushalten.

Bei all dem wird die geheimnisvolle Person durchscheinend für den, der in einzigartiger Verbindung mit Gott steht, der uns sein Wort verkündet und sein Vertrauen ganz auf Gott gesetzt hat, der, „als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet“ (1. Petrus 2,23). An seinen Weg des Gehorsams, den Weg in Leiden und Sterben, werden wir in diesem Gottesknecht erinnert. In ihm ist sein Schicksal vorgezeichnet. Er stellt sich an seine Stelle.

Da passt kein Blatt Papier dazwischen. Die innige Beziehung gilt nach beiden Seiten. Das Schicksal des Gottesknechtes betrifft und bewegt auch Gott. Er leidet mit. Das ist das tiefe Geheimnis, das sich uns in Jesus Christus erschließt. In ihm sollen wir die Liebe Gottes erkennen, die in Christus uns allen gilt. Seine Liebe „erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, duldet alles“ (1. Korinther 13,7). Sie vollendet sich im Leiden. Weil er es für uns getragen hat, kann uns niemand mehr verdammen und nichts kann uns von Gottes Liebe trennen. Darum: Wie müde oder leidend wir auch sein mögen, „sein Wort will helle strahlen, wie dunkel auch der Tag“ (EG 452).

Gebet
Einen neuen Tag schenkst du mir, mein Gott.
Ehe ich die Augen öffne, bist du um mich.
Ehe ich den Mund auftue, bewegst du mein Herz.
Du sprichst zu mir in dem, was ich erlebe.
Auch in schweren Erfahrungen bist du nahe.
Dir vertraue ich mich an.