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Eine stärkere Verbindung - Interview mit Praxisanleiterin Olivia Scheinert, Elias-Schrenk-Haus

TUTTLINGEN – Pflegerin Olivia Scheinert arbeitet im Elias-Schrenk-Haus, einem Pflege- und Senioren- heim in Tuttlingen. Corona hat Bewohnern und Mitarbeiterinnen zugesetzt. Die Praxisanleiterin berichtet im Interview jedoch auch von positiven Erlebnissen.

Olivia Scheinert dreht eine Runde mit einer Bewohnerin des Elias-Schrenk-Hauses. Foto: Anika LuzOlivia Scheinert dreht eine Runde mit einer Bewohnerin des Elias-Schrenk-Hauses. Foto: Anika Luz

Frau Scheinert, im November erreichte Corona Ihr Heim. Gab es im Alltag auch schöne Momente?

Olivia Scheinert: Ja, von denen gab es sogar viele. An einigen Samstagen haben wir unseren Bewohnern selbstgemachtes Frühstück aus unserer kleinen Wohnküche angeboten. Rührei mit Speck und Zwiebeln oder Sandwiches, herzhaft oder süß, und auch mal Spiegelei und Würstchen. Nachmittags haben wir Obstsalat gemacht. „Das könnte es öfter geben“, meinten die Bewohner.

Raus durften sie ja nicht.

Olivia Scheinert: Das war besonders für die schwer, die bisher noch regelmäßig rausgingen. Wir haben deshalb mit unserer Einrichtungsund Pflegedienstleitung geklärt, was möglich ist, sind dann bei schönem Wetter unter Einhaltung der AHA-Regeln mit einzelnen Bewohnern spazieren gegangen. Eine kleine oder große Runde, je nachdem, wie gut der Bewohner zu Fuß war. Die waren so begeistert!

Hat sich die Beziehung zwischen den Bewohnern und den Pflegekräften durch Corona verändert?

Olivia Scheinert: Die hat sich gestärkt. Die Bewohner waren stärker auf uns angewiesen als ohnehin schon. Heute bedanken sie sich bei uns, dass wir gesund sind und zum Arbeiten kommen.

Und die Pflegekräfte untereinander?

Olivia Scheinert: Wir sind als Team näher zusammengewachsen. Wir mussten uns stärker aufeinander verlassen und haben vieles gemeinsam gemacht. Mit der Schutzkleidung – Overall, FFP2-Maske, Schutzbrille – war das Arbeiten gerade im Winter bei den hochgedrehten Heizungen schon oft beschwerlich. Da haben wir einander bei schweren Aufgaben wie dem Waschen und Richten von Bewohnern gegenseitig geholfen.

Gab es Reaktionen von außen?

Olivia Scheinert: Im März 2020 bekamen wir die schönsten selbstgenähten Masken. Schulkinder haben Briefe geschrieben und Bilder gemalt. Die Schwester einer Kollegin hat Schneemänner und Osterhasen für alle Bewohnerinnen und Bewohner gehäkelt. Es gab auch – und das hat uns sehr gefreut und Kraft gegeben – Respekt, Dank und Anerkennung fürs Personal.

Obstsalat. Foto: silviarita, pixabayObstsalat. Foto: silviarita, pixabay

Wie geht es Ihnen mit Maske und Tests?

Olivia Scheinert: Man gewöhnt sich an alles. Aber ohne ist natürlich besser. Es ist schöner, wenn die Bewohner das Lächeln am Mund sehen, nicht nur an den Augen. PCR-Tests und Schnelltests machen mir nichts aus. Es ist gut zu wissen, dass man negativ ist. Denn es kann ja so schnell Kreise ziehen. Wir sind froh, wenn diese Zeiten vorbei sind. Doch sie haben uns auch in vielen Punkten bereichert. So viel steht fest. □