Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Existenzielle Herausforderung“

Museumsleiterin Franziska Stocker-Schwarz:
„Das Bibellesen gibt einem viel Kraft.“
[Foto: Benny Ulmer]

Das neue Bibelmuseum wird eröffnet. Die Bibel aber wird immer weniger gelesen. Kann ein Bibelmuseum daran etwas ändern?

Franziska Stocker-Schwarz: Meine Hoffnung ist, dass es für Stuttgart und die Region etwas ändert. Denn das Bibliorama ist nicht in erster Linie ein Museum, sondern es ist wie eine Bühne, auf der ich biblischen Personen begegnen kann. Es ist so attraktiv gestaltet, dass ich hoffe, dass viele Menschen neugierig werden und hierher kommen. Auch Menschen, die vielleicht ganz lange keine Bibel mehr aufgeschlagen haben.
Wen wollen Sie mit dem neuen Museum ansprechen?

Franziska Stocker-Schwarz: Die vornehmliche Zielgruppe sind Jugendliche, Schüler und Konfirmanden. Jedoch sind wir auch bei der Stutt-Card mit dabei. Mit der Stutt-Card haben Touristen freien Eintritt in alle Museen der Stadt. Wir möchten auch offen für Passanten sein. Dabei wird auch das Café, das es hier gibt, helfen. Ich hoffe sehr, dass das neue Bibelmuseum, das in Deutschland einzigartig ist, auch verschiedene Altersgruppen anspricht. Aber keine Frage: Vom Museumsdesign her sind in erster Linie Kinder und Jugendliche im Blick gewesen.

Sinnenparks und Erlebniszentren sind derzeit in Mode. Folgen Sie mit dem Bibelmuseum diesem Trend?

Franziska Stocker-Schwarz: Das Erlebnis steht für viele Menschen derzeit im Vordergrund. Dieser Trend wird hier aufgenommen. Ganz viel ist hier zum Anfassen. Es soll angefasst, gespürt, es soll den Dingen nachgesonnen werden. Deswegen auch der Name Bibliorama.

Was heißt das denn?

Franziska Stocker-Schwarz: Das ist ja zunächst vielleicht ein eigenartiger Name. Aber er klingt geheimnisvoll, interessant. Bibel kommt ja vom griechischen Wort „biblos“, auf Deutsch „das Buch“. Ich persönlich denke bei dem Namen „Bibliorama“ an Panorama, an Panoramaweg. Von Adam und Eva bis zu Johannes wird in unserem Museum ein Weg durch die Bibel beschritten.

Sie waren jahrzehntelange Gemeindepfarrerin. Was ist Ihre Erfahrung? Wann lesen Menschen in der Bibel?

Franziska Stocker-Schwarz: Manche sind geübt und lesen täglich in der Bibel. Das gibt einem ja viel Kraft. Aber viele haben keinen Zugang zur Bibel. Wenn eine Taufe ansteht, schauen viele auf der EKD-Homepage bei den Taufsprüchen nach. Oder suchen ein passendes Bibelwort für einen Trauerfall oder eine Hochzeit. Zu solchen Anlässen wird die Bibel dann aufgeschlagen. Aber es wird dann doch oft nur ein Vers gesucht. Dass Menschen von sich aus ein ganzes biblisches Buch lesen, das passiert zur Zeit sehr, sehr selten.

Die Bibel ist ja auch ein umfangreiches Buch...

Franziska Stocker-Schwarz: Genau. Das Buch der Bücher mit seinen 66 Büchern ist für die Leute fast zu dick, und sie wagen es kaum, das aufzuschlagen. Deswegen bringt die Deutsche Bibelgesellschaft sehr viele Einzelausgaben heraus. Das Lukas-Evangelium von der Basis-Bibel etwa oder für Soldaten bestimmte Textsammlungen, um zwei Beispiele zu nennen.

Die Bibel soll ja nicht nur museal bewahrt werden, sondern die Menschen sollen durch die Bibel zu einer Orientierung im Leben kommen. Kann ein Museum das leisten?

Franziska Stocker-Schwarz: Die Kuratorin hat viele der Texte, die sie den biblischen Personen zugesprochen hat, in Ich-Form geschrieben. Die fordern den Leser, den Hörer ziemlich heraus, weil sie von ihren persönlichen Erfahrungen sprechen. Insofern ist das Bibliorama schon eine existenzielle Herausforderung.

Die Bibel will einen ja direkt ansprechen.

Franziska Stocker-Schwarz: Das habe ich selbst erlebt. Ich war als Kind keine Bibelleserin. Erst später habe ich erfahren, dass Bibelworte Lebenskraft erwecken. Das wünsche ich mir auch für die Besucher. Aber es ist auch wichtig zu sehen, es ist ein Museum. Ich kann da hineingehen, durchgehen und auch wieder hinaus gehen, ohne dass ich tiefer eingetaucht bin. Aber so, wie es aufgemacht ist – und es zielt ja darauf ab, alle Sinne zu wecken – kann ich mir schon vorstellen, dass Menschen Lust bekommen, in der Bibel selber zu blättern.

Haben Sie auch Bibeln zum Lesen da?

Franziska Stocker-Schwarz: Ja, ganz unterschiedliche. Verschiedene Übersetzungen wie die Neue Genfer Übersetzung, die Basis-Bibel und die Bibel im Urtext. Aber auch spezielle Kinderbibeln wie die Wimmelbibel! Menschen sollen sehen, was es alles gibt.´

Moderne Menschen misstrauen oft der Bibel. Was antworten Sie auf die Frage: „Kann man die Bibel wörtlich nehmen?“

Franziska Stocker-Schwarz: Sie können sie wörtlich nehmen, wenn Sie sie auf Hebräisch und Griechisch lesen. Jede Übersetzung ist eben eine Übersetzung. Das muss uns immer klar sein.

Können Sie das genauer erklären?

Franziska Stocker-Schwarz: Es ist wichtig, dass man das hebräische und griechische Denken versteht. Es wäre ein falsches Verständnis zu meinen, 100 Meter in der Bibel seien wie 100 Meter bei uns. Das wäre zu kurz gedacht. Deswegen gibt es ja ein Theologiestudium. Da versetze ich mich in diese alte Welt hinein – so gut es eben möglich ist. Dabei geht es nicht nur um Maße, sondern um die ganze Gedankenwelt der damaligen Zeit.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Was ist Ihre liebste Bibelstelle?

Franziska Stocker-Schwarz: Eines meiner Lieblingspsalmworte in den letzten Jahren ist ein Vers aus Psalm 31 geworden. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Wenn man diesen Psalm ganz liest, merkt man, der Beter ist in großer Not und empfindet Gott als Rettung, Er spürt aber dennoch, dass Gott einem Weite gibt. Deswegen mag ich diese Stelle besonders. Ich erlebe selber, dass dadurch, dass ich mein Leben in Gott, in Christus gründe, mein Leben eine ganz andere Weite bekommt. Weil ich Standfestigkeit habe, sicheren Grund unter den Füßen, kann ich auch in neue Räume schreiten.

Information:

Das Das Bibliorama (Büchsenstraße 37 in Stuttgart) liegt neben dem Hospitalhof und ist Montag sowie Mittwoch bis Samstag von 13 Uhr bis 17 Uhr geöffnet, sonn- und feiertags 11.30 Uhr bis 17 Uhr. Führungen auf Anfrage. Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, Familien 12 Euro. Telefon: 0711-229363245, Internet: www.bibelmuseum-stuttgart.de

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