Christliche Themen für jede Altersgruppe

Farbenfrohe Segensbringer - Sternsinger

MERKLINGEN (Dekanat Blaubeuren) – Das Sternsingen ist die weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder. In Merklingen auf der Schwäbischen Alb sind 24 junge Menschen unterwegs – ganz ökumenisch. Sie verteilen Freude und ernten Dankbarkeit.

Die Merklinger Sternsinger beim Gottesdienst am zweiten Weihnachtsfeiertag. Ganz rechts: Organisator Peter Bachteler. Foto: Brigitte Scheiffele

Goldene Kronen, lange Ketten und bunte Umhänge liegen am Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertages sauber und gebügelt auf dem langen Tisch im Evangelischen Gemeindehaus. Dahinter Holzsterne auf langen Stäben und Sammelbüchsen. Später bringen die Gruppenführer Kathrin Staudenmeyer und Rudolf Schneider noch dick wattierte, prächtige Turbane. Um neun Uhr haben sich die Sternsinger zum Umkleiden verabredet, auch werden Texte für den bevorstehenden Gottesdienst noch einmal geübt, dazu Lied und Segensspruch, mit dem sie nach dem Aussendungsgottesdienst von Haus zu Haus ziehen.

Julia Kolb ist schon umgezogen und eine von 24 jungen Leuten, die sich an der Sternsinger Aktion in der evangelischen Kirchengemeinde beteiligen. Neben ihr steht Judith Hintz, sie zählt mit ihren acht Jahren zu den Jüngsten der Truppe und versorgt alle Beteiligten mit Erkennungsbändchen: „Die müssen wir am Handgelenk tragen damit jeder sieht, dass wir die richtigen Sternsinger sind“, erklärt sie. Auch ihr Bruder Christian (14) ist wieder dabei. Allerdings ist er auch ein ordentliches Stück größer als im vorigen Jahr. Deswegen musste sich Oma Adelheid kurz vor Weihnachten mit einer veralteten Übergardine ans Nähen machen. Dank der großmütterlichen Unterstützung trägt Christian jetzt den neuen Sternsinger-Umhang und ist bereit, sich auf die Straße zu machen.

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Sternsinger - Oma näht den neuen Umhang

Über Jeans und kurzes Shirt streift Felix Ruhland neben ihm das Unterkleid zu seinem Umhang über – „Nein, warum soll das zu kalt sein? Ach was!“, kommentiert er die Bemerkung, dass es Winter sei und der Marsch durch die Gemeinde ihn doch frieren lassen könne. Die Frage, weswegen sich die Kinder und Jugendlichen an der Sternsinger-Aktion beteiligen und am zweiten Weihnachtsfeiertag bereit sind, sich morgens im Gemeindehaus zu treffen, beantwortet Christian: „Das ist eine super Aktion für einen guten Zweck. Ich finde das klasse und es macht mir keine Mühe.“ Felix Ruhland lacht und bestätigt: „Dadurch können wir helfen.“ Die meisten Leute seien nett und hätten sogar etwas für sie vor- bereitet: „Die wissen wann die Sternsinger kommen. Das steht doch im Mitteilungsblatt“, fügt Judith hinzu. Zeitlich aufgelistet, die insgesamt sechs Gruppen den Straßenzügen der Ortschaft zugeteilt, hat Peter Bachteler (82) die Hausbesuche organisiert. Viele Dorfbewohner sind mit ihm deswegen schon im Vorfeld in Kontakt getreten, haben sich sogar abgemeldet oder anderweitig Nachrichten hinterlassen.

Peter Bachteler ist tragendes Mitglied der Merklinger Kirchenmusik, ebenso in der Interessengemeinschaft für Geschichte und Brauchtum. Er kennt die Merklinger Dorfbevölkerung. Bachteler weiß, wem der Segenswunsch am Türstock wichtig ist. Ihm ist bekannt, wer krank ist, nicht mehr aufstehen und die Tür öffnen kann, wer mittlerweile im Pflegeheim lebt oder an diesem Tag aus anderen Gründen nicht daheim ist. Der pensionierte Lehrer hat die Sternsinger auf ihre Aufgabe und die diesjährige Spendenaktion in drei gemeinsamen Treffen vorbereitet: Zunächst mit dem gemeinsam angeschauten Film „Willi im Libanon“ – denn die diesjährige Sternsinger-Aktion steht unter dem Motto „Frieden! Im Libanon und weltweit“. Im Film habe ein Reporter namens Willi im Libanon das Mädchen Rabella getroffen, die ihm ihren Alltag in der Hauptstadt Beirut zeigte und das Zusammenleben mit vielen anderen Religionen und Kulturen, erzählen die Kinder. Später habe der Reporter in einem Flüchtlingslager noch den Jungen Kassem mit seiner Familie getroffen, die vor dem Bürgerkrieg im Nachbarland Syrien geflohen ist.

Kronen und Sterne wollen verteilt werden. Foto: Brigitte Scheiffele

In einem zweiten Treffen organisierten die Merklinger die Königs-Kostüme und übten bei der dritten Zusammenkunft Lieder und Texte ein. In diesem Jahr tragen sie ihr bekanntestes Lied in die Häuser: „Wir kommen daher aus dem Morgenland, wir kommen geführt von Gottes Hand. Wir wünschen euch ein fröhliches Jahr: Kaspar, Melchior und Balthasar.“

Sternensinger - gelebte Ökumene in Merklingen

Dass die evangelisch geprägte Gemeinde Merklingen mit knapp 2000 Einwohnern auf der Alb eine so starke Sternsingertruppe vorweisen kann, ist dem unermüdlichen Engagement von Peter Bachteler zu verdanken. Zunächst, so erzählt er, sei eine Sternsinger-Gruppe aus der katholischen Kirchengemeinde in Laichingen nach Merklingen gekommen. Das ist zwischenzeitlich 31 Jahre her. Ursprünglich hätten dafür die Familien um Emmerich Romeis und Markus Marth gesorgt, allesamt katholisch. Später führten die Mitglieder der Familie Klaus Mutschler das Sternsingen weiter und da nicht nur katholische, sondern auch evangelische Familien besucht wurden, habe sich die Frage gestellt, weswegen bei den Sternsingern nicht Kinder und Jugendliche beider Konfessionen mitlaufen könnten, erzählt Eva Marth rückblickend. Hinzu kam, dass eine katholische Gruppe allein nicht die ganze Ortschaft bedienen konnte.

24 junge Menschen schlüpfen heuer im 31. Jahr in die Gewänder der Heiligen Drei Könige, aufgeteilt in sechs Gruppen unter Anleitung von Peter Bachteler, Kathrin Staudenmeyer, Rudolf Schneider, Martin Heisele und Axel Schneider – die beide seit ihrer Kindheit als Sternsinger unterwegs waren – ebenso wie Selina und Jessika Smialy. „Es ist ein wunderbares Gefühl, dass wir immer mit offenen Armen empfangen werden“, sagt Rudolf Schneider. Die Kinder brächten ein regelrechtes Leuchten in die Straßen, sichtbare Freude in die Häuser und die Dankbarkeit der Menschen sei rührend. Nur wenige Bewohner würden ihre Türe nicht öffnen, obwohl sie zuhause seien.

Sternensinger? - Der Dackel schaut etwas skeptisch

Fesch ausgestattet nach letzten Sprechproben, die Fragen um Kreidestift, Klebeschilder und Kässle geklärt, die beiden Erstklässler Jakob und Anastasia als Allerjüngste in der Mitte, kehrt im Gemeindehaus Ruhe ein. Peter Bachteler macht noch einmal die Rolle der Sternsinger klar und erinnert an die besondere Bedeutung für die Gemeinde Merklingen: Um das Jahr 1400 wurde dort die damals katholische Dorfkirche umgetauft, die bis dahin der Mutter Maria geweiht war. Bis heute sind die „Heiligen Drei Könige“ die Kirchenheiligen der kleinen Dorfkirche. „Wir dienen Gott mit unseren Sternen und unserem Singen“, erinnert Bachteler, die Augen werden geschlossen, es ist still im Saal. Die Glocken läuten und es folgt ein Gebet. Jetzt holt Pfarrer Cornelius Küttner die Gruppe ab und zieht mit ihr in die Kirche ein. Den Gottesdienst gestaltet er mit den Sternsingern und sendet sie schließlich aus. Als „wunderbares“ Bild, „ergreifend“ oder als „ein Streicheln für die Seele“ empfinden viele Besucher des Gottesdienstes diese jungen, fröhlich schauenden Menschen.

In der Kirche warten Kinder und Jugendliche auf ihren Einsatz. Foto: Brigitte Scheiffele

Von der ganz üblen Seite zeigt sich das Wetter einen Tag später bei den ersten Hausbesuchen: Es ist kalt, die Finger werden klamm, es nieselt, aber immer wieder huschen die Kinder mit ihren prächtigen Gewändern lachend wie kleine Farbkleckse durch die im Nebel liegende graue Ortschaft. „Segen bringen. Segen sein“, das Motto der Sternsinger, kann bei diesem Anblick ein jeder nachempfinden.

Etwas schräg schaut der Dackel einer Familie, als die Sternsinger in deren Stube gebeten werden. Eigenartig fremde Gestalten, mag er denken, wenn sie ihr Lied singen und den Segensspruch aufsagen. Andächtig, manchmal ein bisschen unsicher, aber auch gerührt reagieren viele Hausbewohner, die zwischen den Jahren in ausspannen und die Truppe immer wieder ins Warme bitten. Der Gesang der jungen Menschen lockt nicht immer alle Familienmitglieder vom Fernseher oder Computer weg, andere aber kommen sogar aus dem nächsten Stockwerk, um zu lauschen und zu loben.

Oft sind kleine Päckchen vorbereitet und Geldscheine, Freudentränen fließen und von vielen werden die Kinder bereits erwartet. Hunde knurren, Katzen sind irritiert, aber räkeln sich, Kinder schauen mit großen Augen, wenn sie den Sternsingern die Türen öffnen. Die recken sich hoch hinauf, wenn sie an die Haustüren schreiben, Kleber austauschen, Kreide wegwischen und die richtige Jahreszahl einsetzen: 20*C+M+B+20.

Peter Bachteler begleitet eine Gruppe in der Ortsmitte. Foto: Brigitte Scheiffele

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