Christliche Themen für jede Altersgruppe

Freud und Leid in Jerusalem - Impuls zur Predigt

Jesaja 66,10-12a.13  Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. Denn so spricht der Herr: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.

 

Freud und Leid in Jerusalem

 

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Lätare: Jesaja 66,10-14.  Von Klaus Anthes


Klaus Anthes ist Pfarrer in der Kirchengemeinde St. Michael und St. Katharina in Schwäbisch Hall.
Foto: Privat

 Klaus Anthes ist Pfarrer in der Kirchengemeinde St. Michael und St. Katharina in Schwäbisch Hall. Foto: Privat„Gott ist eine Frau und sie wird langsam älter“. Unter dieser Überschrift hält die New Yorker Rabbinerin Margarete Moers Wenig im Jahr 1997 eine Predigt. Darin spielt sie mit dem Bild von Gott als Frau und Mutter, wie das auch der Predigttext für den Sonntag Lätare macht. Sie beschreibt die Sehnsucht der alten Dame, die gerne häufiger Kontakt mit ihren Kindern haben möchte. „Kommt nach Hause“, will sie uns sagen. Aber sie ruft uns nicht an. Denn sie hat Angst, dass wir nein sagen werden. Sie kann sich die Unterhaltung schon vorstellen: „Wir haben so viel zu tun. Wir würden dich ja gerne sehen, aber wir können einfach nicht kommen.“

Die Mutter wirft einen Blick auf ihre Kinder. Sie sieht unser Leben in einem Augenblick vor sich: von der Kindheit über die Kraft der Jugend bis zur Einsamkeit im Alter. Sie sieht die Kratzer und Beulen, die schnell verheilt sind, und die Wunden, die geblieben sind. Sie errötet, wenn sie an die inbrünstigen Gebete denkt, mit denen wir einmal alles von ihr erhofft haben. Und sie überlegt, was das für Zeiten waren, in denen wir auf Distanz geblieben sind und uns nicht mehr gemeldet haben.

Der Predigttext für den Sonntag Lätare bringt die alte Dame nicht nur mit unserer persönlichen Geschichte, sondern mit dem Geschick der Stadt Jerusalem in Verbindung. Dieser Stadt gilt die ganze Liebe der Mutter Gott. Sie leidet, wenn es Jerusalem schlecht geht. Und sie hofft, dass es wieder Frieden geben wird. „Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid.“ Traurig waren zur Zeit des Propheten viele Menschen über Jerusalem und es sind bis heute viele. Streit und Trennung sind in dieser Stadt häufig zu spüren und immer wieder entladen sich die Konflikte in Gewalt. Eine Mauer trennt weite Teile der Umgebung von Jerusalem ab und macht es für viele Menschen unmöglich, ein normales Leben zu führen. Besonders bitter ist der Streit, der immer wieder um den Tempelberg entbrennt. Wo die Mutter in Kontakt mit ihren Kindern sein möchte, wo der Frieden verkündigt und Heilung erwartet wird, kommt es andauernd zu Auseinandersetzungen.

Gleichzeitig ist da aber auch der Zauber der Stadt Jerusalem. Es gibt in ihren Mauern viele Menschen unterschiedlicher Religion, die friedlich miteinander leben möchten und sich dafür auch politisch und gesellschaftlich engagieren. Es gibt Versuche, Alltag und Festtag nicht gegeneinander, sondern miteinander zu gestalten und mehr voneinander zu lernen. Juden, Muslime und Christen unterschiedlicher Konfession bringen ihren „Reichtum“ in die Stadt ein, wie „einen überströmenden Bach“. Es gibt genug Gründe, über Jerusalem traurig zu sein. Aber es gibt auch Grund, sich mit Jerusalem zu freuen.

„Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt!“ Mit dem Sonntag Lätare feiern wir mitten in der Passionszeit ein kleines Osterfest. Es ist wie ein erster Vorgeschmack auf Ostern auf dem langen Weg der Passion. Die alte Dame Gott möchte eben nicht, dass wir angesichts von persönlichem Leid oder der verfahrenen Situation im Nahen Osten verzweifeln. Vielmehr möchte sie uns einen Einblick in das geben, was sie für unsere Welt für möglich hält. Für Jerusalem hat Gott jedenfalls noch große Pläne. Auch wenn der Friedensprozess im Nahen Osten immer wieder ins Stocken gerät, ist Gottes Friedensprozess für seine Stadt noch nicht am Ende. „Wie einen Strom“ will Gott den Frieden in Jerusalem ausbreiten. Dann würde in Bewegung kommen, was ins Stocken geraten ist, und verhärtete Fronten würden sich aufweichen. Freude und Jubel würden sich in den Straßen der Stadt ausbreiten und die Traurigkeit wäre verschwunden.

Gebet
In dir ist Freude in allem Leide,
o du süßer Jesu Christ!
Durch dich wir haben himmlische Gaben,
du der wahre Heiland bist;
hilfest von Schanden, rettest von Banden.
Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet,
wird ewig bleiben. Halleluja.

Cyriakus Schneegaß in EG 398,1



 

 

 

 

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