Christliche Themen für jede Altersgruppe

Früchte des Glaubens - Erntedank

Erntedank hat eine uralte Tradition, die über die Konfessions- und Religionsgrenzen hinausgeht. Wachstum, Fruchtbarkeit, Essen und Trinken haben die Menschen schon immer existentiell berührt und den Gottesglauben beeinflusst. Die Bibel spiegelt das auf vielfältige Art und Weise wider. Manche Ideologie hat den Erntedank aber auch für ihre Zwecke missbraucht.

Brot, Blumen, reife Ähren: Am 6. Oktober wird in vielen Kirchen Erntedank gefeiert. (Foto: epd-bild)

Romantisches Bild, mit Rahmen; hab’s auf Flohmärkten öfter gesehen: Jesus ist gerne durch Felder vor der Ernte spaziert. Kein frommer Kitsch. Er schätzte das Fest der Ungesäuerten Brote, das Wochenfest und das herbstliche Laubhüttenfest.

Pessach, Schavuoth und Sukkoth: die drei großen Feste sind Erntefeste, mit je eigenen Bräuchen und Riten. Zum letzten Tag vom Laubhüttenfest gehört ein Ritus des Wasserschöpfens. Das Johannes-Evangelium notiert präzise; Jesus war in der Zeit in Jerusalem. Um erkennbar im Tempel den Höhepunkt des Laubhüttenfests mitzufeiern (Johannes 7,37) Er liebte all die Erntefeste in Israel.

Erntedank, eine große Geschichte in der Chronik der Menschheit. Vielschichtig. Breit, lang, gute Episoden wie böse. Und da mischen sich Stimmen der Bibel ein. Sie müssen es.

Diesen Artikel jetzt im EVG-ePaper lesen

Erntedank macht den Menschen überall bewusst: Vom Wachstum der Natur und all seinen Bedingungen sind auch wir abhängig. Trotz unserer Super-Techniken dank der Entwicklung von Mähdreschern, den Vollerntern im Weinbau. Trotz Holzplantagen, Milchmassen, Butterbergen – irgendwann zeigt sich unsere Abhängigkeit doch. Erntedankfeste gibt’s nicht nur bei Christen und Juden, sie sind auch heidnisch: Bei Griechen und Germanen, bei Römern und Russen, Ägyptern, Babyloniern, den Inka, in China: Reis, Mais, getrocknete Fische, Getreidespeicher, Weinkeller. Als Verkörperung himmlischen Segens gibt’s Weingötter wie Bacchus, Dionysos und all die Muttergestalten mit großer Brust. Universitäten hießen früher „Alma mater“, die stillende Mutter. Das Bild lebt im übertragenen Sinn als Titel für Hochschulen fort: Man bekommt Bildung satt für den Start ins Berufsleben.

Erntedank - interkulturell

Uralt ist Erntedank, quasi ökumenisch. Doch hier soll’s weiter gehen als Lexikonwissen der Religionsgeschichte, mit Gottheiten von Fruchtbarkeit und Wachstum. Empfinden, Erfahrungen und der Begriff davon schufen solche Feste, unabhängig von exklusiven oder individuellen Einstellungen. Erntedank ist etwas Interkulturelles, ein überwältigendes Gefühl lebt bei mehr als den örtlichen Bauern, bei allen. Führt aber auch zu unterschiedlichen Kulturen von Feiern und Danken. „Gott wird Euch seine Liebe erweisen und seinen Segen über Euch ausschütten“, sagt Mose. „Er wird Euch viele Kinder schenken und reiche Ernten an Getreide, Wein und Öl.“ (5. Mose 7,13) Nicht nur still, privat, für den Segen im Leben zu danken, sondern gemeinsam, wie auf dem Cannstatter Wasen, auf dem Oktoberfest oder dem Fellbacher Herbst. Feste mit Speis und Trank, und guter Witterung: Passt! Eigentlich.

Aber einmal hat’s schlagartig einen Klimawandel gegeben. Der Vulkan Tambora in Indonesien brach aus. Ein gigantischer Ausbruch, noch dazu in Äquatornähe, bescherte der Nordhalbkugel 1816 einen Winter zur absoluten Unzeit. Es gab kaum was zu ernten im

Volksfest ist auch Erntedank

„Jahr ohne Sommer“. Menschen aßen schließlich sogar Gras. Pferde starben haufenweise. Um mobil zu bleiben, wurde als Ersatz das Fahrrad mit einem Sattel erfunden.

Es ist kein Zufall, dass es seit damals das Cannstatter Volksfest gibt. Er wurde auf Anweisung des württembergischen Königs eingerichtet. Damit man nicht nur an die Not denkt, sondern teilt, was man hat – dass das zu feiern wäre! Begehen, begießen, bejubeln – schöne Einladungen, Pflichtgebot, Ehrensache.

„Geben ist seliger als Nehmen“. Jesus wird in Apostelgeschichte 20,35 von Paulus so zitiert. Nahrungsmittel zu teilen hat Tradition. „Wenn ihr erntet, sollt ihr Euer Feld nicht bis an den Rand abernten und keine Nachlese halten. Auch Eure Weinberge sollt Ihr nicht ganz ablesen; lasst etwas übrig für die Armen und für die Fremden bei Euch. Ich bin der HERR, Euer Gott.“ (3. Mose 19,9f.) So muss man die Leviten lesen und die sozialen Ziele beim Ernten. Sie werden ausdrücklich gesteigert fürs Laubhüttenfest. „Sieben Tage sollst Du es halten, wenn Du die Getreide- und die Weinernte eingesammelt hast. Du sollst an Deinem Fest fröhlich sein, Du und Dein Sohn und Deine Tochter und Dein Knecht und Deine Magd und der Levit und der Fremdling und die Waise und die Witwe, die bei Euch leben. Feiert sieben Tage lang. Denn der HERR, Dein Gott, wird seinen Segen auf alle Eure Arbeit legen und Euch allen reichen Ertrag schenken. Deshalb sollt Ihr Euch an diesem Fest von Herzen freuen.“ (5. Mose 16,13f.)

Ergreifend ist dazu eine ausführliche biblische Geschichte: Auch für die Ausländerin, einen Wirtschaftsflüchtling, gilt das. In Rut 2 lädt Boas, der Bauer, sie ein: „Komm zu uns, iss von dem Brot, trinke vom Most!“ Boas sagt zu seinen Leuten: „Lasst Ähren absichtlich fallen, auch zwischen den Garben. Treibt sie nicht weg und kein unfreundliches Wort zu ihr!“ Da fragt diese Rut: „Wie kommt es, dass Du so freundlich zu mir bist? Boas, ich bin doch eine Fremde.“ „Ich weiß. Deine Eltern hast Du verlassen und Deine Heimat. Als Witwe bist mit Deiner Schwiegermutter zu einem Volk gelaufen, das Du vorher nicht kanntest. Der Gott Israels, zu dem Du gekommen bist, um Schutz zu finden, segne Dich!“ Die Ausländerin wird Davids Großmutter: Rut, eine Fremde, steht im Stammbaum Jesu. (Matthäus 1,5)

Das alles gäb’s ohne diese soziale Tradition bei der Ernte in Israel nicht. Der Mischna-Traktat „Pea“, biblisch der Ausdruck von „Ackerecke“, unterstreicht: Für Großzügigkeit gibt es kein Maß. Denn Freigiebigkeit ist was Freiwilliges. Jeder kennt das Glücksgefühl, wenn er sich sagen kann: Ja, ich schenke gerne.

Gottes Liebe schließt keinen aus

Auch Gott ist großzügig: „Liebe ist geduldig, ist freundlich. Sie eifert nicht für den eigenen Standpunkt, spielt sich nicht auf, sucht nicht den eigenen Vorteil. Liebe denkt das Böse nicht.“ (1. Korinther 13,4f.)

Sie nicht, aber böse Menschen. Ich denke an den Missbrauch von Erntedank durch Hitler. Alles wurde theatralisch organisiert: Reichserntedankfest bei Bückeburg. Der Blick auf eine Million versammelter Menschen, gigantische Feier. Vertrautes liefert Erfolg, mit religiösen Bausteinen wie der Ansprache eines Erlösers zu „Blut und Boden“, mit Liedern, Liturgie, bis hin zum Wasserverteilen. Nur falsches Pathos: Dieser „Riesenerfolg“ durch Hitler und seinen Reichsnährstand ist teuflischer Mist, ist mit dem Verkündigen vom Beseitigen der Fremden Gotteslästerung.

Wie kann man eine Renaissance heutzutage stoppen? „Zurück zur Bibel, zu Jesus.“ Klingt manchen bloß frommformal, leer. Also: Was garantiert der Rückgriff auf die Heilige Schrift als Korrektur gegen eine Übernahme von rechts? Ich sage: Eine richtige Übersetzung des biblischen Textes hilft. Es ist das Messianische, was in der hebräischen Bibel steht. Wir beten es immer wieder mit Jesu Worten: „Dein Reich komme!“. Nicht das III. Reich komme. In 5. Mose 16,13f. ist das „und“ das wichtigste Wort. Es will nicht bloß aufzählen, sondern alles Trennende, Alltags-Grenzen und soziale Schranken sind beim Fest aufgehoben. Niemand wird ausgeschlossen: die spielerische Vorwegnahme vom „Reich Gottes“. Die Vaterunser-Bitte ist keine frömmelnde Vertröstung auf eine unerreichbare, außerirdische Zukunft. Das Messianische beim Fest von Erntedank ist ein heiliges buntes Zusammensein.

 

 

Was gibt es an den christlichen Festen wirklich zu feiern?

Wir empfehlen das Buch: Weihnachtsmann, Osterhase... alles Schokolade?

 

 

Meinungsumfrage

Wollen Sie die Sommer- oder die Winterzeit behalten, wenn es keine Zeitumstellung mehr gibt?

Ergebnis anzeigen