Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gegen die Wegwerfmentalität

BERGFELDEN (Dekanat Sulz) – Vom Spielzeug bis zum Werkzeug: Ein sogenannter „Warentauschtag“ findet am 16. Februar in Bergfelden statt. Die Idee hatte Hannelore Ellinger. In größeren Städten gibt es so etwas schon. Wird es auch in einem 1700-Seelen-Ort im ländlichen Gebiet angenommen? Das wird sich weisen. Die evangelische Kirchengemeinde unterstützt die Aktion. 


Hereinspaziert: Hannelore Ellinger lädt zum Warentauschtag nach Bergfelden ein. (Foto: Bärbel Altendorf-Jehle)

„Mit der Aktion möchte die evangelische Kirchengemeinde einen Beitrag zur Schonung der Rohstoffe, Vermeidung von Energieverschwendung und klimaschädlichen Abgasen sowie zur Müllvermeidung leisten.“ So heißt es im Flyer, den die Initiatorin, Hannelore Ellinger, zusammengestellt und mit einer eigenen Zeichnung von Hans im Glück verziert hat.

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Es geht nicht darum, Menschen mit schmalem Geldbeutel die Möglichkeit zu geben, Haushaltsgegenstände, Spielwaren, Werkzeuge oder Heimtextilien kostenlos zu bekommen. „Diese Menschen sind natürlich auch herzlich willkommen“, sagt Hannelore Ellinger. Die Zielrichtung ist jedoch eine andere. „Es geht um Nachhaltigkeit, darum, der Wegwerfmentalität etwas entgegenzusetzen und deutlich zu machen: Es gibt vieles, was noch gut von jemand anderem genutzt werden kann.“

Wer kennt das nicht: Zu Hause im Schrank stapelt sich die schöne Bettwäsche, die nach dem Kauf einer XXL-Bettdecke nichts mehr nützt. Wegwerfen? Die Tischdecken wegwerfen, weil stattdessen Platzsets verwendet werden? Vorhänge entsorgen, weil Jalousien nun am Fenster angebracht wurden? Wohin mit den vielen Spielsachen, wenn die Kinder aus dem Haus sind, den Vasen, die sich im Laufe eines Lebens angesammelt haben und dem großteiligen Geschirr der Großmutter, das selbst gar nicht mehr benutzt wird?

In das Gemeindehaus von Sulz-Bergfelden können all diese Dinge gebracht werden. Interessierte können dann schauen, ob sie nicht etwas finden, was sie noch gut weiterverwenden können, ohne dafür bezahlen zu müssen. Wer Lust hat, kann eine kleine Spende ins Kässle werfen, für die Mühe und einen guten Zweck. Es ist ein Flohmarkt, ohne dass Geld von einem zum anderen fließt.

„Ich weiß nicht, wie die Aktion angenommen wird“, sagt Hannelore Ellinger und zieht die Schultern hoch. Eine Voraussage ist schwierig: „Ich kann es überhaupt nicht einschätzen.“

Dass Waren gebracht werden, davon ist sie überzeugt, denn diesbezüglich wurde sie schon angesprochen. Doch ob die Schwaben sich auch trauen, etwas umsonst mitzunehmen, obwohl sie eigentlich das Geld dazu hätten, es auch zu kaufen, das wird sich weisen.

In einer großen Stadt ist die Hemmschwelle möglicherweise niedriger. Da kennen einen die Menschen nicht. Aber was spricht dagegen, sagt Hannelore Ellinger, seine gut erhaltene Handtasche oder den Aktenkoffer zum Tauschtag zu bringen und das Bügeleisen mitzunehmen, das die Tochter für ihre Studentenbude gut gebrauchen kann? Dadurch wurde ein Neukauf gespart und etwas nicht weggeworfen.

Wer sperrige Gegenstände, wie Fahrräder, Kinderwagen, Möbel, Kühlschränke. Autoreifen, Rasenmäher zu verschenken hat, kann einen Zettel mit Bild, Telefonnummer und Adresse an die große Pinnwand heften.

Computer und Handys werden nicht angenommen, da es sich schlecht überprüfen lässt, ob sie noch funktionieren. Auch Kleider sollen nicht gebracht werden. Ellinger: „Wir wollen keine Konkurrenzveranstaltung zum Kleiderladen der Diakonie sein.“ Das Gleiche gilt auch für Bücher. Da gibt es extra einen wohlsortieren und gern angenommen Bücherflohmarkt.

Übriggebliebene Gegenstände können später wieder abgeholt werden. Der verbliebene Rest wird an die Gruppe „Orfanis Hoffnung und Zukunft für Waisen“ weitergegeben und zu Waisenhäuser nach Rumänien geschickt. Was sich dafür nicht eignet, übernimmt, gegen eine Spende, ein privater Flomarktbeschicker. Das Geld selbst kommt zu einer Hälfte der Renovierung der Orgel in der Remigiuskirche zu Gute, zur anderen Hälfte „Brot für die Welt“.

Hannelore Ellinger, die seit fünf Jahren dem Kirchengemeinderat angehört, im Kirchenchor und Beerdigungschor mitsingt und auch beim Besuchsdienst mitmacht, hat alles bis ins Kleinste durchdacht. Da kommt ihr natürlich ihre 40-jährige Tätigkeit als Lehrerin an der Grundschule Bergfelden zugute. Nun hofft sie, dass der Warentauschtag angenommen wird – dann steht einer Wiederholung nichts im Wege.