Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gottes Liebe bleibt - Ewigkeit im Licht der Bibel

Alte Kirchenlieder malen zuweilen ein düsteres Bild von der Ewigkeit. Da ist von „schrecklichem Donnerwort“ die Rede oder einem Schwert, das durch die Seele bohrt. Die Bibel zeichnet ein anderes Bild. Und auch manches Kirchenlied kommt am Ende zu einem versöhnlichen Schluss. Ein Streifzug durch die Bibel und verschiedene Gesangbücher.

Ein Sonnenaufgang im Wald, Symbol für die christliche Hoffnung. Foto: adobe stock/ Michael SauerEin Sonnenaufgang im Wald, Symbol für die christliche Hoffnung. Foto: adobe stock/ Michael Sauer

Das Wort Ewigkeit hat auf mich eine zweifache Wirkung. Es strahlt einerseits Trost und eine starke Hoffnung auf Geborgenheit bei Gott aus. Andererseits enthält das Wort eine gedankliche Überforderung: Das vielfältige und farbenfrohe irdische Leben endet eines Tages. Wie könnte ich „Ewigkeit“ mit meinen endlichen Gedanken und Gefühlen erfassen? Ich empfinde also beides zugleich: Unsicherheit und so etwas wie einen sicheren Hafen, Geborgenheit.

Geborgenheit, Hoffnung, Trost und Ermutigung finde ich zum Beispiel im Text des Liedes „Morgenglanz der Ewigkeit“ (Evangelisches Gesangbuch 450). Eine gewisse Bedrohung nehme ich dagegen in einem anderen Lied wahr: „O Ewigkeit, du Donnerwort, / o Schwert, das durch die Seele bohrt, o Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, ich weiß vor großer Traurigkeit / nicht, wo ich mich hinwende. Mein ganz erschrocknes Herz erbebt, daß mir die Zung am Gaumen klebt.“ Dieses Lied findet sich im Deutschen Evangelischen Gesangbuch (Württemberg 1912) mit 17 Strophen. Johann Sebastian Bach schrieb eine Kantate dazu.

Gerechtes Handeln und ewiger Bund

Das Wort Ewigkeit hat also zwei Seiten. Wie wird es in biblischen Büchern verwendet? Im Alten Testament bezeichnet das hebräische Wort das, was schöpfungsgemäß als konstant gesetzt ist. Was „seit immer“ und „für immer“ existiert, ist nicht mehr zeitlich, sondern überzeitlich, unwandelbar, unvergänglich. Unwandelbar und unvergänglich ist insbesondere Gott: „der ewige Gott“ (Jesaja 40,28).

Ewigkeit ist daher eine Eigenschaft Gottes und seines Wortes: „Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich“ (Jesaja 40,8). Was enthält Gottes Wort, und wie wird es inhaltlich konkret? Der zweite Jesaja (also die Kapitel 40–55), auch Evangelist unter den Propheten genannt, lässt keinen Zweifel: Es geht um Israels „ewige Rettung“ (Jesaja 45,17), Gottes ewige Gerechtigkeit und ewiges Heil (51,6+8), seinen „ewigen Bund“ (55,3) und sein Heilshandeln als „ewiges Zeichen“ (55,13). Im Alten Testament kennzeichnet das Wort Ewigkeit insbesondere die Welt Gottes und sein gerechtes, heilschaffendes Handeln. Seine Gerechtigkeit, sein Wort, Heil, Bund und Zeichen stehen von Ewigkeit her fest und gelten für immer.

Der griechische Begriff „Aion“ (deutsch Äon) steht im Neuen Testament für eine prinzipiell unbegrenzte Dauer, sei es im Blick auf Vergangenheit oder/und im Blick auf Zukunft. So ist das Erscheinen Christi ein „Geheimnis, das verborgen war seit ewigen Zeiten und Geschlechtern, nun aber offenbart ist seinen Heiligen“ (Kolosser 1,26). Ähnlich schreibt Hebräer 1,8 zum Sohn Gottes: „Dein Thron währt von Ewigkeit zu Ewigkeit“.

Die jüdisch-apokalyptische Unterscheidung von „diesem Äon“ und dem „kommenden Äon“ wird im Neuen Testament aufgenommen und fortgeführt. In beiden Fällen ist die Vorstellung von „Äon“ umfassend. Sie wird zeitlich und räumlich gedacht. Daher bedeutet Äon sowohl Ewigkeit als auch Welt.

Für Paulus ist „diese Welt“ eine böse (2. Korinther 4,4). Wer in dieser Welt um Christi willen leidet, empfängt „in der kommenden Welt das ewige Leben“ (Markus 20,30). Christus ist von Gott umfassend eingesetzt über alle Reiche und Gewalten „nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen“ (Epheser 1,21). Die Vorstellung von zwei Äonen bezeichnet auch in einem umfassenden und vollständigen Sinn „Gegenwärtiges und Zukünftiges“ (Römer 8,38; 1. Korinther 3,22).

Der Empfang „ewigen Lebens“ ist mit Glauben als Vertrauen verknüpft. Im Johannesevangelium ist beispielsweise Jesu Wirken dazu „aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr, weil ihr glaubt, das Leben habt in seinem Namen“ (Johannes 20,31). Glaube und ewiges Leben beginnen schon jetzt. Jesus führt aus (Johannes 5,24): „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“ Was für ein wunderbarer Zuspruch!

Im Alten und im Neuen Testament steht Ewigkeit in engem Bezug zu Gott. Gott ist „Schöpfer, der gelobt ist in Ewigkeit“ (Römer 1,25). So unwandelbar wie Gott ist Jesus Christus. Er ist „gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit“ (Hebräer 13,8). Allein Gott und Christus gebührt auf ewig Anerkennung, Respekt und Ehre: „Ihm, dem einzigen und weisen Gott, sei durch Jesus Christus Ehre in Ewigkeit“ (Römer 16,27). „Dem alleinigen Gott, unserm Heiland durch unsern Herrn Jesus Christus, sei Ehre und Majestät und Gewalt und Macht vor aller Zeit, jetzt und in alle Ewigkeit“ (Judas 25). Ja, letztlich sei dem ewigen Gott allein die Ehre. Soli Deo gloria! Wenn Gott allein ewig ist, quillt alles aus ihm und mündet in ihm. Paulus schreibt: „Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit“ (Römer 11,36).

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Freude auf die Ewigkeit bei Gott

Was erbringen die vielen, nicht immer einfachen biblischen Aussagen zu Ewigkeit? Entgegen anfänglichem Empfinden ist christlich gedachte Ewigkeit nicht ambivalent, sondern eine Eigenschaft Gottes und seines Handelns durch sein Wort in Jesus Christus. In der Woche des Ewigkeitssonntags ist unser Blick weit in die Zukunft gerichtet. Vieles Vergängliche ist dann aufgehoben. Was zu Gottes Liebe passt, wird aber bleiben: Liebe und Beziehung, Dankbarkeit und lebendige Erinnerung lassen sich nicht beerdigen. Gottes Liebe bleibt. Paul Gerhardt lässt alle zehn Verse eines Liedes wie mit einem Kehrreim enden: „Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewigkeit“ (Evangelisches Gesangbuch 325).

Auf das eingangs zitierte Lied vom Donnerwort folgt im Evangelischen Kirchengesangbuch (1953) das Gegenstück vom Freudenwort (Nummer 325): „O Ewigkeit, du Freudenwort, das mich erquicket fort und fort, o Anfang sonder Ende! O Ewigkeit, Freud ohne Leid! Ich weiß von keiner Traurigkeit, wenn ich mich zu dir wende. Herr Jesu, gib mir solchen Sinn / beharrlich, bis ich komm dahin.“

◼ Bernhard Mutschler ist Theologischer Vorstand der Bruderhaus Diakonie in Reutlingen.

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