Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gottes Weisheit

Sprüche 8,32+33,35+36  So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten! Hört die Zucht und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind! Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom Herrn. Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Jubilate: Sprüche 8,22-36.  Von Lucie Panzer



Lucie Panzer ist Pfarrerin der württem­bergischen Landeskirche im Landespfarramt für Rundfunk und
Fernsehen. (Foto: privat)

Jahrhunderte die größte christliche Kirche der Welt. Vielen gilt sie noch heute als achtes Weltwunder. Kaiser Justinian hat sie über Vorgängerbauten errichten lassen, im Dezember 557 wurde sie eingeweiht.

Ihr Name „Hagia Sophia“, Heilige Weisheit, war Programm. Der Kaiser des byzantinischen Reiches wollte seine Macht zeigen und zugleich das Prinzip seiner Herrschaft über die christliche Welt klar machen. Natürlich war das ein Idealbild und in der Realität war auch Justinian ein machtbewusster Potentat. Aber anscheinend war er sich doch bewusst: Gottes heilige Weisheit gibt der Welt Ordnung und Bestand. Schon bei der Erschaffung der Welt stand sie Gott zur Verfügung. Sie ist auch die Richtschnur der Regierungskunst oder sollte es jedenfalls sein, denn sie ist das Ideal umsichtiger Lebensführung. In der Einleitung zum Buch der Sprüche (Kapitel 1-9) stellt sie sich selbst vor. „Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom Herrn“ (Sprüche 8, 35).Im Buch der Sprüche sind deshalb Lebensweisheiten aus vielen Jahrhunderten gesammelt. Es lohnt sich, darin zu lesen. Man findet viele heute gebräuchliche Sprichwörter wie „Hochmut kommt vor dem Fall“ (16,18) oder „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein“ (26,27).

Wie wird das Zusammenleben gut? Das ist die Leitfrage. Wie erhalten und bewahren wir die gute Schöpfung Gottes? Und dazu werden immer wieder Recht und Gerechtigkeit hervorgehoben und die Fürsorge für die Armen und Benachteiligten. Feindesliebe wird empfohlen und der Verzicht auf Rache. Geduld wird angeraten, ein Geduldiger sei besser als ein Starker. Manches aus dem Sprüchebuch, gerade die oft rigorosen Ratschläge zur Kindererziehung, klingen wie die Volksweisheit und Pädagogik (hoffentlich) längst vergangener Zeiten. Aber deutlich bleibt doch: Jeder nimmt nicht das, was er kriegen kann, sondern jeder nimmt sich zurück, damit alle leben können. Das ist weise und das Prinzip einer guten Weltordnung.

Manches aus den Weisheitssprüchen findet sich auch bei Jesus, zum Beispiel in der Bergpredigt. „Er nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott“, so fasst das Lukasevangelium seine Kindheit zusammen. Und später staunen die Leute in Nazareth: „Was für Weisheit ist ihm gegeben“ (Markus 6,2).

Paulus predigt „Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ (1. Korinther 1, 24). Er macht das fest am Kreuz und an der Schwachheit Christi. Das ist Gottes Weisheit. Sie steht dem entgegen, was die meisten Menschen für weise halten: Wir können uns doch nicht um das Elend der ganzen Welt kümmern. Und wie sollen wir schadstoffarme Autos verlangen, wenn unser Land doch von der Autoindustrie lebt? Paulus schreibt dagegen: Wo Menschen für andere da sind und leben, da kann das Leben gelingen. An Jesus Christus kann man das sehen. Er hat für andere gelebt. Und ist für andere gestorben. So bleibt unsere Welt Gottes gute Schöpfung. Da können alle an einem Tisch sitzen, wie Jesus es beschrieben hat. So kann Frieden werden.

Gottes Weisheit kann die Welt in einem guten Gleichgewicht halten und das Leben der Menschen auch. Deshalb mahnt uns die Weisheit im Predigttext für diesen Sonntag: „Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom Herrn.“ Und dann auch: „Wer aber mich verfehlt, zerstört das Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod.“

Wo Menschen sich an Gottes Weisheit orientieren, da wird das Leben gut, da muss man sich nicht sorgen. Da braucht man nicht Angst haben vor der Zukunft. Da kann man jubeln, nach dem Motto dieses Sonntags: Jubilate Deo omnes gentes – Jauchzet Gott, alle Lande! Er hat die Welt gut geschaffen. Und sein Sohn Jesus Christus hat gezeigt, wie sie gut bleiben kann und das alles Leben ein gutes Ziel hat. So zu leben, wie er es vorgelebt hat – das ist die Weisheit Gottes für unsere Welt. Vielleicht müssen wir dazu Gewohnheiten ändern. Aber wahrscheinlich wäre das weise.

Gebet
Wer möchte nicht weise sein, barmherziger Gott? Wege sehen, die weiter führen, Lösungen finden,
vorankommen. Aber zu oft denken wir dabei:
Ich zuerst!
Zeig du uns deine Weisheit. Lege sie in unser Herz. Damit wir auch die anderen sehen.
Damit wir Recht und Gerechtigkeit üben.
Und für die da sein können, die uns brauchen.