Christliche Themen für jede Altersgruppe

Gottesdienst mit Dinner - Brooklyn und Esslingen

ESSLINGEN – Seit zwei Jahren verbindet die evangelische Johanneskirchengemeinde eine Partnerschaft mit der kleinen Gemeinde St. Lydia’s in New York City. Ein ungleiches Paar, das dennoch viel voneinander lernen kann, davon sind die Esslinger überzeugt.

New York, Brooklyn, St. Lydia's, Dinner Church

In diesem Laden feiert die New Yorker Gemeinde St. Lydia’s ihre Gottesdienste. Ein gemeinsames Essen gehört oft dazu. (Foto: privat)

Auch ein Ladenlokal kann als Kirche dienen. Davon hat sich eine Gruppe der Esslinger Johannesgemeinde bei ihrem Besuch in New York überzeugt. Das Leben der kleinen Gemeinde St. Lydia‘s in Brooklyn ist vor allem durch seine „Dinner Church“ gekennzeichnet – eine Form, die Gottesdienst und gemeinsames Essen verbindet.

Bereits 2018 war eine Gruppe von St. Lydia’s nach Esslingen gereist und hatte ihr Gottesdienstkonzept vorgestellt. Der Kontakt zu St. Lydia’s kam durch Pfarrer Christof Hermann zustande. Er absolvierte 2017 ein Kontaktstudium in New York und lernte so die kleine lutherische Gemeinde mit rund 80 Mitgliedern kennen.

St. Lydia's Dinner Church, Gottesdienst mit Essen

In diesem Laden feiert die New Yorker Gemeinde St. Lydia’s ihre Gottesdienste. (Foto: privat)

In einem angemieteten Laden finden nicht nur die Gottesdienste statt, er dient auch als Ort der Begegnung, Nachbarschaftstreff und Co-Working-Space. Auch wenn die Johanneskirchengemeinde mit ihren rund 1900 Mitgliedern und einer gesicherten Finanzierung über Kirchensteuern sich deutlich von St. Lydia’s unterscheidet, erkannte Hermann rasch, „dass wir das gleiche Problem haben, nämlich den Mitgliederschwund“. Da sei Beziehungsarbeit entscheidend.

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Bei St. Lydia‘s steht die Kommunikation im Zentrum. Jeder Besucher steckt sich zu Beginn des Gottesdienstes ein Namensschild an. Vor dem Gottesdienst wird gekocht und die Tische werden gedeckt. Beim gemeinsamen Essen, das durch ein Abendmahl eingeleitet wird, wird „über Gott und die Welt“ gesprochen. Zwischendurch folgen Schriftlesung und Predigt. Kirchengemeinderätin Verena Eberhardt hat besonders beeindruckt, dass alle Gottesdienstbesucher aufgefordert waren, sich offen zu Dingen zu äußern, die ihnen am Herzen liegen. „Das hat etwas sehr Befreiendes und jeder ist direkt am Gottesdienst beteiligt.“ Nach dem Gottesdienst werde ganz selbstverständlich gemeinsam abgespült, aufgeräumt und saubergemacht. „Alle sind eingebunden“, sagt Eberhardt. Hermann schätzt vor allem die warme, familiäre Atmosphäre in der Kirchengemeinde. „Es herrscht unheimlich viel Respekt voreinander. Jeder ist willkommen, wie er ist. Es gibt keinerlei Wertung.“

Wie in Brooklyn, so in Esslingen: Jeder ist so willkommen, wie er ist

Eberhardt ist wie Pfarrer Hermann überzeugt, dass die beiden Gemeinden voneinander lernen können. Gibt es doch viele Gemeinsamkeiten, etwa die Einstellung zu Klimaschutz oder zur Homosexualität. „St. Lydia’s ist eine sehr weitherzige Kirchengemeinde. Hier sind alle Altersgruppen, Ethnien, Milieus und Menschen aller sexuellen Ausrichtungen willkommen“, sagt Hermann. In den USA seien die Menschen „ihrer“ Kirchengemeinde weit weniger treu als in Deutschland. Das erfordere Kreativität. Die Johanneskirche bemühe sich ebenfalls um Offenheit – als Teil der städtischen Umgebung, aber auch als Regenbogengemeinde. Bei der Landeskirche hat man die Erlaubnis zur Segnung homosexueller Paare beantragt. Und mit dem regelmäßigen Freitagsfrühstück, zu dem Menschen mit und ohne Dach über dem Kopf eingeladen sind, pflegt die Gemeinde seit etlichen Jahren eine besondere Willkommenskultur.

Kirchengemeinderätin Verena Eberhardt, Pfarrer Christof Hermann, Johannesgemeinde Esslingen

Kirchengemeinderätin Verena Eberhardt und Pfarrer Christof Hermann vor der Johanneskirche.
Foto: Ulrike Rapp-Hirrlinger

Mit St. Lydia’s tauscht man inzwischen regelmäßig Informationen über das Gemeindeleben aus. Pfarrer Hermann kann sich als weitere gemeinsame Aktivität eine spirituelle Wanderung vorstellen. „Der Austausch ist wichtig“, betont Eberhardt. „So können wir erfahren, wie es anders laufen kann, und uns gegenseitig bestärken.“

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