Christliche Themen für jede Altersgruppe

Grenzenlos lieben!? - Impuls zur Predigt

Lukas 6,27-30.35 Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht. Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück. Vielmehr liebt eure Feinde und tut Gutes und leiht, ohne etwas dafür zu erhoffen. So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein.

Pfarrer Timo Stahl

Impuls zum Predigttext für den drittletzten Sonntag im Kirchenjahr: Lukas 6,27-38.

Von Timo Stahl

 

Eine klare und deutliche Ansage macht Jesus seinen Zuhörern. Unmissverständlich fordert er dazu auf, die Feinde zu lieben und den Widersachern und Gegenspielern Gutes zu tun. Die Worte klingen gut. Ich möchte deshalb hinter jeden Satz ein Ausrufezeichen setzen. Die Feinde zu lieben ist richtig! Den Gegnern Gutes zu tun, sie zu segnen und für sie zu bitten ist wichtig!

Was aber, wenn hinter den Worten plötzlich eine konkrete Erfahrung steht? Wenn der Feind in meinem Leben ein Gesicht, einen Namen und eine Geschichte hat? Wenn die Verletzungen der Widersacher schmerzlich ins Bewusstsein kommen? Dann werden aus den Ausrufezeichen plötzlich Fragezeichen. Wie soll das gehen? Wie kann ich über diesen Menschen etwas Gutes denken oder so etwas wie Liebe empfinden?

 Nun klingen die Worte nicht mehr so gut und schon gar nicht so einfach. Ich frage mich: Überfordert Jesus nicht mit seiner Ansage?

Doch langsam. Jesus fordert keinen Gefühlswandel und schon gar nicht, dass aus Feinden plötzlich beste Freunde werden.

Er gibt vielmehr eine Hilfestellung, wie ich mit den mir widerstrebenden Empfindungen meinem Widersacher gegenübertreten kann. Er gibt den Hinweis, wie der Kreislauf der Verletzungen zu durchbrechen und zu verlassen ist. An zwei Beispielen macht er es fest.

Zum einen an der körperlichen Gewalt. Wer geschlagen wird, hat in der Regel zwei Möglichkeiten. Entweder er schlägt zurück, dann folgt darauf allerdings ein erneuter Gegenschlag.

Eine andere Möglichkeit ist, nichts zu tun, sich dem Schlag zu ergeben. In beiden Fällen siegt die Gewalt. Die Lösung Jesu sieht anders aus. Weder zurückschlagen noch sich willenlos ergeben; sondern handelnd bleiben, nur eben anders. „Wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete auch die andere an!“ Damit durchbreche ich die normalen Muster und gebe dem anderen das Signal: „Ich ergebe mich nicht, aber ich mache da auch nicht mit! Ich steige bewusst aus. Bei mir siegt die Vernunft.“

Ein weiteres Beispiel, das Jesus nennt, ist der Betrug im materiellen Bereich. Wem der Mantel gestohlen oder wer um seinen Besitz betrogen wird, der hat zwei Möglichkeiten. Entweder er erstreitet sich sein Recht in einem langen, möglicherweise kräftezehrenden Prozess. Oder er ergibt sich seinem Schicksal und lässt sich seines Besitzes berauben.

Die Lösung Jesu sieht anders aus

Die Lösung Jesu sieht anders aus. „Wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht.“ Damit sage ich: „Ich entscheide. Aber ich entscheide dir zugute, weil Materielles am Ende sowieso keinen Bestand hat.“ Jesus weist einen Weg aus dem Konflikt, ohne sich selbst in Hass und Frustration zu verlieren.

Damit folgt aber auch schon das nächste Fragezeichen. Was, wenn der andere meine Haltung missachtet und sie für seine Zwecke missbraucht? Was, wenn er nochmal zuschlägt, wenn er mich wiederholt ausnutzt? Für Jesus ist klar, dass in unserem Leben und in unserem Miteinander immer noch ein anderer im Spiel ist. Gott selbst wird am Ende dafür sorgen, dass niemand als Verlierer dasteht. Er wird dafür sorgen, dass seine Kinder zu ihrem Recht kommen. Wenn nicht durch andere, dann durch ihn. Der Angst vor dem Verlieren ist das Vertrauen in die Liebe Gottes und in seine Gerechtigkeit entgegenzusetzen. Aus diesem Vertrauen heraus ist es möglich, entschlossen, mutig und selbstbewusst zu handeln und die Hände und die Herzen zu öffnen.

So kann aus dem Fragezeichen, das hinter der Ansage Jesu steht, im ganz konkreten Fall immer wieder ein Ausrufezeichen werden.

 

Gebet

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich liebe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt; dass ich verbinde, wo Streit ist.

Herr, lass mich trachten, nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe; nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Amen.

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