Christliche Themen für jede Altersgruppe

Hinauf zum Himmelsstürmer - Kunst mitten im Wald

SCHWÄBISCH GMÜND – Erst barocke Kapellen, dann Kunstinstallationen mitten im Wald: der „LebensWeg“ im Taubental lädt zum Wandern und gleichzeitig zum Nachdenken über das eigene Leben ein. Auch wenn manche Station in die Jahre gekommen ist.

Türen, die zu den Stationen des Lebenswegs führen. Fotos: Wolfgang AlbersSchwäbisch Gmünd. Türen, die zu den Stationen des Lebenswegs führen. Foto: Wolfgang Albers

Serie
In der Serie „Rauskommen“ stellen wir schöne, spirituelle und informative Wanderwege vor. Teil 62: Der „LebensWeg“ Taubental.

Wie lange währt das Leben eines Lebensweges? Das fragt man sich schon – mitten im Wald des Taubentals. Eine Schlucht, die anders als ihr Name suggeriert, sich steil einen Hang hinaufzieht, von den Ausläufern Schwäbisch Gmünds zu den Stadtteilen auf der Hochfläche über dem Remstal.

Dies ist schon immer ein Spaziergebiet der Gmünder gewesen. Zur Landesgartenschau 2014 wurde es mit Infostationen und Spielorten bestückt. Und die vielen Waldpfade erhielten sieben Stationen eines „LebensWeges“ – dies ist das Werk einer ökumenischen Arbeitsgruppe und des Tübinger Künstlers Martin Burchard.

Das Tal ist hier ein steiler Hang

Wer sich jetzt auf diesen Lebensweg macht, tut sich nicht mehr ganz so leicht. Es weisen zwar immer wieder Tafeln die Richtung – allerdings nur noch lückenhaft. Im Gewirr der vielen Wege hat man ohne Skizze oder Handy-Navigation Probleme. Und: Das Konzept bröckelt. Die Stationen samt Installationen sind noch da – aber mancherorts fehlen die Tafeln, die die Nachdenk-Impulse geben.

Also – es hat so ein bisschen was von: Schnell noch ablaufen, solange noch was da steht. Und zur Ermunterung sei gesagt: Eine schöne Halbtagstour ist die Runde im Taubental immer noch. Also nicht abschrecken lassen, sondern hingehen.

Denn man bekommt auf einer kurzen Strecke viel geboten. Schon beim Start, direkt vom Bahnhof Schwäbisch Gmünd weg. Ein Weg, ausgelegt mit Kopfsteinpflaster, führt bergan. Hohe Bäume beschatten ihn, im Herbst legen ihre Blätter einen farbigen Laubteppich auf den Boden. Und sieben Kapellen begleiten den Weg, rund, mit Dachhauben und einer offenen Säulenfront. Dahinter sind Stationen der Passion Christi inszeniert.

Das Barock hat hier der Anschauung reichlich Nahrung gegeben. Ein Engel weist Jesus am Ölberg den Weg zum Leiden, Häscher, mit dem kalten Blick der Terrorprofis, greifen aus, ja fast auch nach dem Betrachter. Ergeben sitzt Jesus daneben. Und ein Pilatus im Turban führt Jesus der Menge vor.

Blick vom Salvator auf die Stadt hinunter (links oben). Von dort geht es zu den Stationen des Lebenswegs (untere Bilder) bis zum „Himmelsstürmer“-Turm (rechts oben). Fotos: Wolfgang Albers

St. Salvator heißt die ganze Anlage, die in einer Felsenkapelle mündet. In der schon Kaiser Ferdinand III. war und eine Ölbergszene bewundert hat, die direkt aus dem Stein gemeißelt wurde. Vor der Kirche öffnet sich eine Terrasse mit einer weiten Aussicht auf Schwäbisch Gmünd und die Alb. Ein Gartenlokal lockt auch, aber wir haben ja noch einiges vor.

Und steigen bergauf. Vorbei an einem Garten mit einem Holzpavillon, den die Besitzerin allen Vorbeikommenden als Rast anbietet – eine nette Geste.

Und dann stehen wir an der ersten Station des Lebensweges. Ein Kreis, sieben Tafeln: die Schöpfung. Kinderzeichnungen illustrieren die einzelnen Schöpfungstafeln. Und eine Meditationstafel fragt: „Spüren Sie gerade ganz konkret, dass die Erde eine Kugel ist, die sich dreht?“ Nein. Denn: „Die Dimensionen der Schöpfung sind letztendlich unbegreiflich und trotz aller Evolutionstheorien doch ein Wunder.“ Dort stehen auch ein Bibelzitat aus Genesis 1 und ein modernes Pendant. Fast hymnisch schreibt die Dichterin Nelly Sachs: „O Erde, Erde, Stern aller Sterne durchzogen / von den Spuren des Heimwehs, die Gott begann.“ Und Augustinus schreibt: „Geschaffen hast du uns zu dir, und ruhelos ist unser Herz, bis dass es seine Ruhe hat in dir.“

Lebenshilfe in klarer Sprache

Das ist das Prinzip aller Stationen, die die Handschrift des Künstlers tragen. Martin Burchard, der auch andere Meditationswege gestaltet hat, sagt man nach, dass er zur Installation schon mal mit Bagger und Kran anrückt.

Er mag das Raumgreifende. So kreuzen sich hohe Bögen, öffnen sich viele Türen, breitet sich ein monumentaler Tisch – ebenfalls in Kreuzform – aus, strebt eine Stele himmelwärts, passend zur Station „Ewiges Leben“. Und immer gibt es einen Dreiklang aus Bibel, den Kirchenvätern oder Mystikerinnen und der Moderne.

Wenn man ihn denn findet. Manche Stationen haben keine Meditationstafel mehr, so dass man die wellenden Holzbahnen der Station „Gereiftes Leben“ eher für einen Mountainbike-Trail hält. Dabei wollen sie uns doch sagen: „Es geht immer wieder auf und ab. So ist das nun einmal im Leben.“

Banal? Da muss man ein bisschen die Intentionen des Künstlers kennen. Für Martin Burchard ist das Lebenshilfe – in einer Sprache, die niemanden ausschließt: „Mir geht es darum, zum Wohlbefinden der Menschen beizutragen – selbst wenn das naiv erscheinen mag. Und zwar für alle Bevölkerungsschichten. Das meiste in der Kunst ist doch nur für eine kleine Elite verständlich.“

Die Waldwege laufen auf der Hochfläche in einem Park aus. Viel für die Kinder ist hier geboten (der Lebensweg ist also auch familientauglich), und hoch reckt sich ein Aussichtsturm auf. „Himmelsstürmer“ ist sein Name. Er gehört nicht zum Lebensweg – aber passend in seiner Hoffnung, wenn man so will, ist er ja allemal.

◼ Vom Bahnhof hoch zum „Himmelsstürmer“ und zurück sind es etwa fünf Kilometer.

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