Christliche Themen für jede Altersgruppe

Hingabe und Vertrauen - Impuls zur Predigt

Römer 12,1 Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.

 

Hingabe und Vertrauen

Impuls zum Predigttext für den 1. Sonntag nach Epiphanias: Römer 12,1-8.

Von Stefan Wittig

Stefan Wittig ist Pfarrer in der Kirchengemeinde Birkenfeld im Kirchenbezirk Neuenbürg.

Pfarrer Stefan Wittig, Birkenfeld. Foto: PrivatPaulus redet von Hingabe. Aber sind Menschen, die sich hingeben, nicht gefährdet? Gefährdet, nur benutzt, gar verführt oder sogar missbraucht zu werden? Menschen geben sich hin und brennen aus. Menschen geben sich hin und finden sich wieder als Mittel zum Zweck. Menschen geben sich hin an Korpsgeist und Kameradschaftsdenken, werden gar willfährige Helfer in kriminellen Strukturen und Regimen.

Wir sollten also genau hinschauen, wem wir uns hingeben. Das ist das eine. Aber das andere ist: Ohne Hingabe geht es im Leben nicht. Denn sich hingeben können, heißt vertrauen können. Wer sich aber an nichts und niemanden hingeben kann, der kann nicht vertrauen, kann nicht loslassen, der meint, stets alles kontrollieren zu müssen. Das aber übersteigt menschliche Kraft und Möglichkeiten. Vielleicht kennen wir solche Menschen, vielleicht erkennen wir sie in uns selbst. Mehr oder weniger steckt die Angst vor dem Missbrauch unseres Vertrauens letztlich in uns allen.

Wenn Paulus in unserem Text zur Hingabe aufruft, dann lädt er also zum Vertrauen ein. Motiviert ist dieser Aufruf von der Barmherzigkeit Gottes. In den elf vorangegangenen Kapiteln des Römerbriefs hat Paulus gezeigt, was es mit der Barmherzigkeit Gottes gegenüber dem Menschen auf sich hat. Danach spricht Gott den ihm vertrauenden Menschen ohne Ansehen seiner Werke gerecht und schenkt ihm Heil und ewiges Leben ohne irgendeinen Verdienst. Der Mensch kann und braucht Gott kein Opfer geben, um ihn zu beeindrucken, ihn günstig oder wegen eigener Verfehlungen gnädig zu stimmen. Hinter Gottes Barmherzigkeit steht seine Liebe, von der Paulus sagen kann, dass Gott sich durch sie in Christus unauflöslich mit dem Menschen verbunden hat.

Paulus will also sagen: Mensch, weil du geliebt wirst, kannst du vertrauen! Du kannst vertrauen, dass diese Liebe trägt, dass dein Leben für Zeit und Ewigkeit gehalten ist. So kannst du dir weniger Sorgen zumuten, und um den Himmel solltest du dir gar keine mehr machen.

Mit diesem Vertrauen beginnt die Hingabe. Sichtbar wird sie aber als „Hingabe des Leibes“, nämlich in unseren konkreten Lebensvollzügen.

Weil du geliebt wirst, kannst du vertrauen

Unser menschliches Personsein gibt es nur in der Bindung an unsere Leiblich-keit. Deshalb ist wirkliches Vertrauen niemals nur ein innerlich-geistiger Akt, sondern wirkt sich aus in unser leiblich-kommunikativ vollzogenes Leben. Wer sich geliebt weiß, geht anders mit sich und anderen Menschen um. Wer den Rücken gestärkt und frei bekommen hat, kann sich offen der Welt vor ihm zuwenden.

Wenn Paulus diesen Lebensstil als ein „Opfer“ bezeichnet, „das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig“ ist, dann will Paulus seinen sonstigen Ausführungen nicht widersprechen, sondern den in den Religionen seiner Umwelt gängigen Opferbegriff radikal christlich umdeuten.

Christlich vor und mit Gott leben kann nun also nur bedeuten, sein Leben mutig in die Welt zu werfen. Hineinzuwerfen in die Zusammenhänge, die meine Aufmerksamkeit und meine Anwesenheit auf sich ziehen. „Gottesdienst“ als verantwortliches Leben in der Welt und mit den Menschen, an denen ich nicht vorbeikomme: Mit ihnen leben und lieben, fühlen und denken, lachen und leiden.

 

Foto: Elisei Abiculesei/UnsplashFoto: Elisei Abiculesei/Unsplash

Gebet

Jesus Christus, mit Dir will ich aufstehen gegen alles, was das Leben hindert.

Mit Dir will ich einstehen für alles, was das Leben fördert.

Sei Du mit mir damit ich aufstehe mir Dir.

Amen.

(Gekürzt nach Anton Rotzetter)



Stefan Wittig ist Pfarrer in der Kirchengemeinde Birkenfeld im Kirchenbezirk Neuenbürg.

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