Christliche Themen für jede Altersgruppe

Hoffnung nach dem Dunkel - Impuls zur Predigt

2. Mose 14,8-15,21 in Auszügen Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Reiter, mitten ins Meer. Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Reiter, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrig blieb. Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer. Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem Herrn singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt.

 

Hoffnung nach dem Dunkel

Impuls zum Predigttext für den Ostersonntag: 2. Mose 14,8–15,21.

Von Christian Rose

Christian Rose ist Prälat in Reutlingen.

Aufgewühlt stehen sie am Strand des Roten Meeres. Noch können sie kaum fassen, was in der Nacht voller Schrecken geschah. Die ägyptischen Reiter im Rücken und das Meeresbrausen über den Köpfen. Wäre es nicht besser gewesen, in der Knechtschaft zu bleiben? Und was, wenn nicht Gottes Engel schützend zwischen sie und die Ägypter getreten wäre? Das Erlebte ist schwer in Worte zu fassen. Mirjam beginnt vorsichtig und leise eine Pauke zu schlagen. Ohne Worte. Andere Frauen folgen ihr. Sie bewegen sich im Takt wie zum Tanz. Am Ende findet Mirjam ihre Sprache wieder: „Lasst uns dem Herrn singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt.“

Christian Rose. Praelat in Reutlingen. Foto: PrivatAuf der anderen Seite des Meeres stehen die ägyptischen Frauen. Starr schauen sie in die Fluten, in denen der Pharao mit seinen Rossen und Reitern untergegangen ist. Ich stelle mir ihre Trauer vor. Die Bibel schweigt von ihren Männern, Vätern und Söhnen. „Warum hat Gott den Ägyptern nicht einfach Sand in die Augen gestreut? Den gab es doch genug in der Wüste“, fragen Kinder ihre Eltern. Oft verstehen wir nicht, warum die Rettung der einen das Leid der anderen bedeutet.

Droben im Himmel vor dem Thron Gottes stehen die Dienstengel. Vollmundig stimmen sie ein Lob auf Gott, den Retter Israels an. Der aber fällt ihnen ins Wort und lässt sie verstummen: „Wie wagt ihr es, aus Freude zu singen, wenn meine Geschöpfe sterben?“ So erzählt es eine rabbinische Auslegung des Predigttextes. Gott scheint das Lob nur aus dem Mund derer erträglich, die die Gefahr selbst durchlitten haben.

Am Ostermorgen stehen wir auf den Friedhöfen. Die Osternacht ist vorüber, die Sonne ist aufgegangen. Die versammelte Gemeinde mag kleiner sein als früher. An den Gräbern der Lieben und Freunde wird es manchen den Hals zuschnüren. Es waren oft schmerzliche Abschiede ohne Nähe, vielleicht nur in kleiner Runde. Momente, in denen Worte des Trostes schwerfallen.

Schwer in Worte zu fassen

So stehen wir da und sehnen uns danach, dass ein Osterchoral unsere Hoffnung birgt: „Christ ist erstanden.“ Ob es einen vollen Gemeindegesang gibt? Oder können wir allenfalls mitsummen? Zaghaft suchend wie Mirjam und die Frauen am Strand des Roten Meeres nach überstandener Nacht: „Christ ist erstanden von der Marter alle; des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein. Kyrieleis.“

Wir ringen um Worte, leihen uns Formulierungen aus vergangenen Zeiten, lehnen uns an vertraute Melodien an. Sie scheinen zusammenzuklingen: Das Danklied der Frauen: „Du, Gott, hast uns in Gefahr bewahrt.“ Das Klagelied der Ägypterinnen: „Warum hast du uns unsere Liebsten genommen?“ Das Loblied der Dienstengel: „Christ ist erstanden.“ Das Trostlied der ersten Christen: „Christ will unser Trost sein.“ Mit diesem Klang wagen wir die nächsten Schritte durch die Ostertage.

Foto: unsplash/Malith D. KarunarathneFoto: unsplash/Malith D. Karunarathne

Gebet

Dies ist die Nacht, in der Israel aus der Unterdrückung befreit und das Volk trockenen Fußes durch das Meer geführt ward.

Dies ist die Nacht, in der Christus die Bande des Todes zerriss und aus der Tiefe als Sieger emporstieg.

Wie wunderbar begegnet uns dein Erbarmen, Gott.

 

Christian Rose ist Prälat in Reutlingen.