Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Ich kenne dich und ich mag dich“ - Action in der "Zeitreise"

UNTERHAUSEN-HONAU – Wer bin ich und wo ist Gott? Themen, die in der Konfirmandenarbeit eine Rolle spielen. In der Ausstellung „Zeitreise“ können sich Jugendliche auf spielerische Weise mit solch großen Fragen beschäftigen.

Zeitreise in einem alten Supermarkt. Foto: Wolfgang AlbersZeitreise in einem alten Supermarkt. Foto: Wolfgang Albers

Groß ist die Wohnung, aber ein bisschen seltsam möbliert. In der Küche sind Tisch und Stuhl so groß, dass man hinaufklettern muss. Im Schlafzimmer hängt über dem Bett ein Klassiker der religiösen Andachtsbilder: Jesus als guter Hirte. Das Badezimmer der Wohnung hingegen beherrscht eine Designer-Wanne, an den Wänden des Raum werfen Spiegel Zerrbilder zu den Betrachtern zurück.

Und wer im Kinderzimmer meint, Stimmen zu hören, ist nicht seltsam im Kopf. Tatsächlich sagt eine Frauenstimme: „Ich hätte sehr gern ein großes Haus mit Swimmingpool. Wenn ich bei meinen Klassen -kameraden schau, die träumen alle davon, ein eigenes Haus zu besitzen mit einer modernen Innenausstattung und ein schönes Auto zu fahren.“

Aber das alles kennt die Konfirmandengruppe aus Degerschlacht und Sickenhausen noch nicht, die an diesem Nachmittag in den Supermarkt im Zentrum von Unterhausen im Dekanat Reutlingen geht. Genauer gesagt: in den ehemaligen Supermarkt. Über den großen Ladenfenstern hängt ein neues Schild: „Zeitreise“. Ein Projekt des Evangelischen Jugendwerkes im Bezirk Reutlingen – nach einem Vorbild aus Torgau. Auf vier Jahre hat der Kirchenbezirk einen Teil des Supermarktes, insgesamt 380 Quadratmeter, angemietet und umgebaut. Viel wurde mit Eigenarbeit und Spenden errichtet. Der Eingangsbereich öffnet sich als weiter Saal, mit einem langen hohen Holztisch und hohen Stühlen – so stylisch, wie man es heute hat.

Dort empfängt Jennifer Hölz die Konfirmanden. Die bekommen eine Fanta in die Hand gedrückt und sollen ihre Namen sagen. „Kann ich mir gar nicht alle merken“, sagt die Jugendreferentin. „Aber es gibt einen, der kennt alle Namen. Der sagt: Ich kenne dich und ich mag dich.“ Womit die Gruppe schon beim Thema des Nachmittages ist: Wer bin ich? Wo ist Gott? Diese Fragen könnte man im Stuhlkreis im Gemeindesaal abhandeln – oder eben doch mit ungewöhnlicheren Impulsen. Das ist der Sinn des Zeitreise-Ensembles: Die Jugendlichen werden mit Zetteln und Fragen darauf durch die einzelnen Zimmer geschickt und mit den ungewöhnlichen Installationen konfrontiert. In der Küche fackeln sie nicht lang, klettern auf den überdimensionalen Tisch und Stuhl. „Das Leben ist so groß. Normal ist das nicht. Da kann ich mich mit anderen Augen sehen.“ So der Impuls, zu dem die Jugendlichen einen Auftrag haben: „Stelle den Einkaufszettel für dein Leben zusammen!“

Ralf Dörr und Jennifer Hölz führen Jugendliche durch die „Zeitreise“, die in einem alten Supermarkt untergebracht ist. Foto: Wolfgang AlbersRalf Dörr und Jennifer Hölz führen Jugendliche durch die „Zeitreise“, die in einem alten Supermarkt untergebracht ist. Foto: Wolfgang Albers

Impulse auf Zetteln

Im Schlafzimmer können sie in den Schrank steigen: „Wovor möchtest du dich verstecken?“ Das Jesusbild animiert zum Nachdenken über die verschiedenen Gottesvorstellungen, genauso wie ein multimedialer Tisch mit Gottesbildern der Autorin Ibtissame Bucher.

Natürlich geht es auch um Action und Spaß. Den hat die Gruppe vor allem im ehemaligen gekachelten Kühlraum. „Das war für uns gleich klar, dass wir den als Bad bauen“, sagt Ralf Dörr, leitender Referent im Jugendwerk.

Zeitreise in einem alten Supermarkt. Foto: Wolfgang AlbersZeitreise. Konfirmanden-innen in Aktion. Foto: Wolfgang Albers
Konfis-Action in der  "Zeitreise". Foto: Wolfgang Albers

Dafür haben sie eine ausgemusterte Designerwanne bekommen, die mit goldenen Bällen gefüllt ist. Ein Tobe-Platz par excellence, aber auch mit Fragen an die Spiegel mit ihren Zerrbildern: „Wer bin ich? Zu dick? Zu dünn? Oder einfach cool?“

„Nicht jeder macht alles“, hat Ralf Dörr bei den verschiedenen Stationen beobachtet: „Aber was die

Jugendlichen tun, das nehmen sie mit.“ Und dass mal eher die Action im Vordergrund steht, sei auch okay: „Die Konfirmandinnen und Konfirmanden machen bei mir im Gottesdienst mit. Deshalb haben sie jetzt auch Auslauf – das brauchen die.“

Auf jeden Fall hat das Jugendwerk kein Problem, die Wohnung voll zu bekommen – Anmeldungen gibt es schon genug. Ralf Dörr will auch mal mit Kirchengemeinderäten hinein: „Wenn Erwachsene sich darauf einlassen, dann hat das andere Effekte – auch im Blick auf Jugendliche.“ Generell soll jede und jeder die Chance zum Besuch haben. Da bremst Corona bislang, aber sobald es möglich ist, soll Sonntagnachmittags für alle offen sein.

◼ Anmeldungen zu der multimedialen Ausstellung „Zeitreise“ sind möglich beim Evangelischen Jugendwerk Reutlingen per E-Mail an info@ejr.de oder unter Telefon 07121-949960.