Christliche Themen für jede Altersgruppe

In schweren Zeiten begleiten

ÖHRINGEN – Im April 1994 riefen Frauen und Männer der evangelischen, der katholischen und der evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde in Öhringen gemeinsam den ökumenischen Hospizdienst ins Leben. Zum Hospizdienst für Erwachsene kam vor sechs Jahren der Kinder- und Jugendhospizdienst hinzu. Leiterin Anna-Bettina Meng zieht anlässlich des Jubiläums ein erstes Fazit. 

Die Mitarbeiter des Hospiz­dienstes schenken sterbenden Menschen und ihren Angehörigen Kraft. (Foto: epd-Bild)


Sie begleiten Kranke und Sterbende, und sie sind auch für Familien da, in denen ein Kind oder ein Elternteil erkrankt oder verstorben ist. Die Rede ist von den ehrenamtlichen Mitarbeitern des ökumenischen Hospizdienstes Region Öhringen.

Seit einem Vierteljahrhundert gibt es den Dienst. Ende April 1994 unterzeichneten drei Kirchengemeinden einen Kooperationsvertrag und gründeten damit den ökumenischen Hospizdienst. 16 Ehrenamtliche ließen sich damals für ihre Aufgabe schulen.

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Seit dieser Zeit hat sich viel getan. Die Zahl der ehrenamtlichen Mitarbeiter ist auf 58 angewachsen. Nach wie vor besuchen die Hospizhelfer Schulungen und nehmen Angebote zur  Supervision wahr. Seit Februar 2013 gibt es neben der Begleitung von Erwachsenen auch die ambulante Kinder- und Jugendhospizarbeit.

Im September 2014 wurde der Hospizdienst Region Öhringen ein eingetragener Verein. Er ist längst nicht mehr wegzudenken aus der Stadt und ihrer Umgebung: Allein im Jahr 2018 gab es 50 Sterbebegleitungen und sieben Familienbegleitungen. Bei diesen waren die Hospizhelfer in der Regel für die Kinder in den Familien da.

Nach Ilse Jäger, Susanne Weber-Paul und Gerlinde Schilling leitet heute Anna-Bettina Meng den Hospizdienst. Die examinierte Krankenschwester hat eine Ausbildung in Palliative Care. Meng ist eine der mittlerweile drei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen. In ihren Händen liegt die Gesamtleitung, und sie ist auch für die Finanzen zuständig. Die anfallenden Kosten beim Hospizdienst, berichtet Anna-Bettina Meng, werden zu 80 Prozent durch Zuschüsse der Krankenkassen gedeckt. Weitere zehn Prozent steuern die evangelischen Kirchengemeinden im Altkreis Öhringen bei. Den Rest decken Spenden.

Anna-Bettina Meng hat selbst schon Menschen in schweren Zeiten begleitet und deshalb weiß sie auch, dass es eine wertvolle Sache ist, den Hospizdienst ideell und finanziell zu unterstützen. Voller Anerkennung für ihre ehrenamtlichen Kollegen berichtet die Leiterin, dass ein Hospizhelfer oft wochenlang jede Woche zweimal einen Kranken oder Sterbenden besuche. Die Helfer reden und singen mit den Menschen, lesen ihnen vor oder sitzen einfach nur schweigend an deren Betten. Einige der Ehrenamtlichen übernehmen auch Nachtdienste.

Für Anna-Bettina Meng ist es wichtig, dass der Hospizdienst auch die Angehörigen im Blick hat. „Sie sind in einer schwierigen Situation, und sie haben Bedürfnisse. Sie sorgen sich um alles und organisieren alles. Das kostet Kraft.“ 

Speziell für Familien gibt es seit einigen Jahren die Kinder- und Jugendhospizarbeit, die von Mitarbeiterin Tanja Gabel koordiniert wird. Bei diesem Dienst nehmen sich die Familienbegleiter Zeit für den Nachwuchs. Sie spielen und basteln mit den Kindern oder machen Ausflüge. Im vergangenen Jahr wurde für sieben Kinder, die ein Elternteil verloren hatten, im Sommer ein therapeutisches Reitangebot organisiert.

„Der Hospizdienst ist eine Entlastung. Auch wenn ich wenig Geld habe, kann ich ihn rufen, denn er ist unentgeltlich. Und wir sind dann einfach da. Wir bringen Zeit für die Menschen mit. Das ist das Pfund, mit dem wir wuchern können“, betont Anna-Bettina Meng. Sie ermuntert deshalb Betroffene, sich an den Hospizdienst zu wenden.


Information

Zwei Veranstaltungen zum Jubiläum finden in der Spital­kirche in Öhringen statt: Am 22. Oktober lädt der Hospizdienst zu einem Lesekonzert mit Thomas Bleil ein. Am 14. November findet unter dem Titel „Bruderherz, ich hätte dir so gern die Welt gezeigt!“ eine Lesung mit Marian Grau statt. Beide Veranstaltungen beginnen um 19.30 Uhr.