Christliche Themen für jede Altersgruppe

Jesus zieht ein

Matthäus 21,1–11 (Auszug)  Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und sogleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen. Das geschah aber, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9): „Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.“ Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. … Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie und sprach: „Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn.“ Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und sprach: Wer ist der? Das Volk aber sprach: Das ist der Prophet Jesus aus Nazareth in Galiläa.

Zum Predigttext für den ersten Advent: Matthäus 21,1-11.  Von Siegfried Jahn

Siegfried Jahn ist Dekan und lebt in Blaufelden. (Foto: privat)


Er kommt – nach Jerusalem. Und wenn Jesus einzieht, sagt Martin Luther, kommt er als „armer Eselreiter auf einem gebettelten Esel“ und nicht „mit einigen tausend Landsknechten und Reitern.“ Er kommt, mit Macht – aber nicht wie die Welt, sondern mit der Macht der Liebe. Die Menschen jubeln, aber sie sind auch skeptisch und ähneln uns mit ihren Zweifeln, das lassen die beiden letzten, neu hinzugekommenen Verse der neuen Predigtordnung sehr gut erkennen: Was ist das für einer? Wer ist der? Diese Menschen haben schon manch vermeintlichen Heilsbringer einziehen sehen. Können wir ihm wirklich vertrauen?

Ein kritisches Urteilsvermögen ist notwendig, um Schein und Sein, leere Versprechung und berechtigten Anspruch zu erkennen – das ist wahr.

Er kommt – auch zu uns: Wer nur bei der Skepsis stehen bleibt und Jesus nicht freudig empfängt, ist beim Einzug Jesu auf der falschen Seite. Vielleicht helfen uns gerade unsere Kinder, die uns Erwachsene das Empfangen recht lehren – Jesus sagt es ja auch an anderer Stelle deutlich: „Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen!“ Das Staunen der Kinder kann immer wieder Wegweiser zu Gottes Freude werden, die wir nur empfangen können, nicht erarbeiten oder erdenken. Nur so ist Gott zu gewinnen, nur so Jesus zu erfahren, dass wir uns hingeben, verschenken an ihn.

Wo Jesus einzieht in unseren Beziehungen, da werden wir anderen und andere uns wertvoll.  So wertvoll, dass Jesus für uns sein Leben am Kreuz opfert und das Hosianna des Einzugs dem „Kreuzige ihn“ weichen soll.

Gott kommt: Wie begegnen wir ihm heute? Zuerst einmal, indem wir ihn in unser Herz einziehen lassen durch sein Wort. Wenn das biblische Wort schön gedruckt im Bücherregal steht, fest eingebunden und ungebraucht und ins Regal gestellt wird, dann wird daraus kein Einzug Gottes in unser Herz. Unsere Bibel ist die Brücke, über die Gott zu uns kommt.

Mit dem heutigen Sonntag wird in der Evangelischen Kirche in Deutschland eine neue Predigtordnung eingesetzt: Sechs Predigtreihen, die uns sechs Jahre und jeden Sonntag ein anderes Bibelwort ins Leben sprechen. Und jedes dieser Bibelworte ermutigt und erfreut mit der Botschaft: Gott kommt! Es lohnt sich, auf ihn zu hören. Er begegnet Menschen, weil er lebt und liebt. Wo er in Herzen einzieht durch sein Wort, da geschieht Veränderung.

Und wir können ihm unsere Sinne geben, unsere Augen zum Beispiel: Gerade die Adventszeit ist eine Zeit für die Augen, für das Licht in der Nacht. Einfach die Sinne im Dunkel neu ausrichten und alles andere in der Nacht verschwinden lassen. Dann zieht Gottes Wort besser bei uns ein.

Das war die Idee Johann Hinrich Wicherns, als er 1838 vier Kerzen auf jedes Ende eines Holzkreuzes stellte, später dann Tannengrün dazwischen steckte und so der Adventskranz erfunden wurde. Die Sinne ansprechen – etwas Wichtiges für unsere Kinder und mit ihnen auch für uns Erwachsene. Uns wieder zum Staunen bringen über ganz einfache, ruhige, unspektakuläre Dinge wie eine Kerze im Dunkeln. Lassen Sie uns unseren Kindern in der Advents- und Weihnachtszeit viel Raum schenken. Wir brauchen ihn gemeinsam.

Ja – und wenn dann das Herz und die Sinne angesprochen sind, dann ist es auch mit den Händen nicht mehr allzu schwierig, sie zum Handeln zu bekommen.

Gebet
Allmächtiger Gott,
du kommst zu uns in Jesus Christus, deinem Sohn,
ohne Gewalt und doch stärker als alle Macht der Welt.
Öffne unsere Augen für seine Ankunft,
damit wir sein Licht sehen,
das unsere Nacht erhellt.
Amen.