Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kinder spüren die Wahrheit - Kinderhospiz

HERRENBERG – Beim Ökumenischen Hospizdienst in Herrenberg geht es immer wieder ums Sterben. Eine wichtige Frage lautet dabei: Wie soll man mit Kindern über den Tod von nahen Angehörigen und Freunden sprechen?

Sie leiten das Ökumenische Hospiz in Herrenberg (von links): Kerstin Reese, Heidrun Kopp und Claudia Gack. Foto: Andreas StraubSie leiten das Ökumenische Hospiz in Herrenberg (von links): Kerstin Reese, Heidrun Kopp und Claudia Gack. Foto: Andreas Straub

In ihrer täglichen Arbeit als Koordinatorin des Hospizdienstes im Raum Herrenberg bekommt Kerstin Reese oft die Frage zu hören: Soll man Kinder vor der Auseinandersetzung mit dem Tod schützen? Im Gegenteil, meint sie aus ihrer langjährigen Erfahrung in der Beratung.

„Bei Kindern sind wir schnell sprach- und hilflos“, sagt Reese. Der Wunsch sei häufig, dass sie unbelastet sein sollen von Schmerz. Doch ab wann sollte man mit Kindern über den Tod sprechen? Möglichst früh, abgestuft nach dem Alter, sagt Kerstin Reese. „Abschied, Sterben, Tod und Trauer gehören zum Alltag.“ Damit solle „normal“ umgegangen werden.

Kinderhospiz - Mit dem Tod normal umgehen

Gerade Kinder und Jugendliche bräuchten den Nachbarn, Freunde, die Lehrerin oder den Fußballtrainer, die sich um sie kümmern. Doch was bedeutet es, wenn jemand „für immer“ weg ist? Reese zitiert aus einem Kinderbuch, in dem es heißt, „für immer“, das seien kurze Worte, „ungefähr so lang wie ewig“. In ihrer Beratungsstelle in Herrenberg hat sie eine Puppe und andere Spielsachen, mit denen sich Kinder gerne beschäftigen. Das bringt sie auf andere Gedanken.

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Seit 2001 ist die Gesundheitspflegerin und Sozialarbeiterin im Hospizdienst tätig. Aus persönlicher Betroffenheit beschäftigte sie sich schon früh mit dem Thema Trauer.

„Unser Schwerpunkt ist die Begleitung von Erwachsenen“, sagt Reese. Doch gerade beim Umgang mit Kindern falle ihr oft große Unsicherheit auf. Deshalb hat sie sich mit mehreren Fortbildungen auf das Thema spezialisiert.

Reese empfiehlt, den Kindern zunächst keine Fragen zu stellen, sondern die Situation zu beschreiben und die Gefühle zu benennen. „Und etwas Alltägliches anbieten: in den Wald oder auf den Spielplatz gehen“, sagt sie. Erwachsene sollen ihre eigenen Gefühle, vor allem das Mitgefühl, von denen des Kindes trennen und ehrlich sein. „Kinder spüren die Wahrheit“, sagt Reese. Sie solle nicht geschönt, aber dem Alter entsprechend erklärt werden. Wer zum Beispiel sage, der Großvater sei „eingeschlafen“, müsse sich nicht wundern, wenn das Kind Angst vor dem Schlaf bekomme und selbst schlecht schlafe.

Trauer, erklärt Reese, sei eine individuelle Reaktion, die den ganzen Menschen betreffe: Geist, Körper, soziales Verhalten und den Glauben. „Bei eigenen Verlusten in der Kindheit reagieren wir verletzlicher“, sagt Reese. Zuerst wolle man den Tod oft nicht wahrhaben. Danach kommen Emotionen oder Erstarrung. Nach der Verarbeitung werde der Verlust in die Erfahrung integriert und es folge die Öffnung. Oft heiße es ja, das erste Jahr nach dem Tod sei für die Angehörigen das schlimmste, sagt Kerstin Reese. Nach ihrer Erfahrung ist es das zweite Jahr: „Da gibt es weniger zu organisieren und man weiß, wie sich Verlust und Einsamkeit anfühlen.“

Bis ein Verlust verarbeitet sei, dauere es Jahre. „Die Fantasie von Kindern ist oft schlimmer als die Realität“, sagt Reese. Es sei gut, immer wieder über den Toten zu reden. Neben dem Besuch des Friedhofes können auch Erinnerungsecken und -bücher helfen. Ihr Tipp: Auf die Resilienz, also auf die Fähigkeit, schwierige Situationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen, vertrauen. Und schließlich gelte: „Das Leben geht weiter.“

Der Ökumenische Hospizdienst im Raum Herrenberg wird getragen von der Evangelischen Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal. Von der Verwaltungsstelle in Herrenberg werden jährlich 140 Fälle betreut, 96 Ehrenamtliche sind bei den Betroffenen vor Ort im Einsatz. Geschäftsführerin ist Heidrun Kopp, dem Beirat des Hospizdienstes steht Claudia Gack vor. Dort werden Themen wie Budgets, Personal, Spenden, Aktionen und neue Arbeitsfelder diskutiert. Neben neuen Angeboten wie „Kochen für Witwer“ ist aktuell auch eine Kinderbetreuungsgruppe in der Planung.

Weitere Informationen unter Telefon 07032-2061155 und im Internet: www.hospiz-herrenberg.de

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