Christliche Themen für jede Altersgruppe

Kleine Lichtblicke

Johannes 3,17-21  Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er hat nicht geglaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Impuls zum Predigttext für den Sonntag Reminiszere: Johannes 3,17-21.  Von Ulrich Heinzelmann


Ulrich Heinzelmann ist Pfarrer an der Biberacher Stadtkirche.(Foto: privat)

„Little sun“ – „kleine Sonne“, heißt ein Hilfsprojekt, das der dänische Künstler Olafur Eliasson ins Leben gerufen hat. Zusammen mit dem Ingenieur Frederik Ottesen entwarf er eine gelbe, tragbare und sonnenblumenähnliche Solarlampe für die Menschen in Äthiopien, die ohne Elektrizität leben. 2012 startete das Projekt im Tate Modern Museum in London. Klein, tragbar, günstig und regenerativ sollte die Lampe sein. Wer eine Lampe kauft, bezahlt eine weitere „little sun“ für die Menschen, die auf Licht warten. Mehr als 800.000 kleine Sonnen wurden bereits verteilt. Eine Stiftung hilft, weltweit die kleinen Solar-Sonnen weiterzugeben: an Menschen in Katastrophengebieten oder Flüchtlingslagern, für Schüler und Studenten in Ländern ohne Elektrizität. Über eine Milliarde Menschen auf der Erde haben keinen Zugang zu Elektrizität. „We are all connected by the sun“, lautet der Slogan der Stiftung: „Wir alle sind durch die Sonne miteinander verbunden.“ Allen Menschen schenkt die Sonne ihr Licht umsonst. Jesus sagt in der Bergpredigt: „Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute.“ Auch im nächtlichen Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus geht es um die Suche nach Licht. Der Evangelist Johannes macht daraus eine geheimnisvolle, mit Rätselworten und Missverständnissen gespickte Erzählung. Im Schutz der Dunkelheit unterhalten sich der angesehene Pharisäer Nikodemus und der Wanderrabbi über die Fragen: Was ist Glaube und wie kann ein Mensch zu einem neuen und ewigen Leben geboren werden? Jesus spitzt das Gespräch immer wieder zu – um schließlich von Gottes Liebe zu reden, die heller leuchtet als die Sonne. Im nächtlichen Gespräch redet er vom Licht, das seinen Ursprung im Leben schaffenden Wort hat: „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen“ – so beginnt schon das Johannesevangelium. Das Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus endet mit der erstaunlichen Aussage, dass durch dieses Licht die Welt zugleich gerichtet und gerettet ist. Ein Licht, das einerseits die Finsternis und das Böse offenbar macht. In ihm zeigt sich, wie sehr der Mensch den bösen Taten verhaftet ist und wie weit die Globalisierung des Bösen reicht. Dem gegenüber stehen andererseits die „Werke der Wahrheit“, die zum Licht führen und die Finsternis vertreiben. So öffnet Jesus seinem Gesprächspartner die Augen für das verborgene Licht des Glaubens. In der Passionszeit vollziehen wir das nach. Jesu Weg führt ins Dunkel des Leidens und in die Nacht des Todes. Erst von dort her ist das Licht zu erkennen, von dem Jesus redet. Das Kreuz ist der Ort des Gerichts über die todverfallene Welt. Ohne Kreuz und Auferstehung ist das Licht der Wahrheit des Glaubens nicht zu verstehen. Auch nicht das andere Lichtwort Jesu im achten Kapitel des Johannesevangeliums: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Martin Luther sagt in einer Predigt zu dieser Stelle: Ohne das Kreuz wäre das Lichtwort Jesu nichts anderes als eine „große Ketzerei“ oder ein leeres Versprechen.Solange wir zu diesem Glaubenslicht unterwegs sind, sind wir angewiesen auf kleine Lichtzeichen, „little suns“ – kleine Sonnen- und Lichtblicke, die wir einander schenken können. Als Abglanz des einen, großen Lichtes, das Gott uns in seiner großen Barmherzigkeit geschenkt hat.GebetGedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und Güte,erfülle uns mit dem Licht deines lebendigen Wortes.Lass uns nicht irrewerden an dem, was wir Tag für Tag sehen und hören.Bewahre uns davor, dass sich unser Herz verdunkelt.Dein göttliches Licht leuchte uns.