Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lehrbücher vom christlichen Glauben - Luthers "Kleiner Katechismus"

Manche mussten im Konfirmandenunterricht vieles aus dem Kate-chismus auswendig lernen. Denn dieses Lehrbuch gibt Antworten auf praktische Glaubensfragen. Von Martin Luther sind zwei überliefert, es gibt aber auch den Heidelberger Katechismus.

Kleiner Katechiusmus, Luther, Glaubensbekenntnis

Luthers "Kleiner Katechismus" wird in der Schule eingeführt. Foto: akg-images

Was ist eigentlich ein „Bekenntnis“? Das lateinische Wort „confessio“ steckt im Wort „Konfession“ und lässt sich nicht nur mit einem Wort übersetzen. Ein Bekenntnis ist eine Zusammenfassung des Glaubens. Zugleich ist es Ausdruck einer Glaubensgemeinschaft, also Ausdruck einer Zugehörigkeit und dessen öffentliche Erklärung (Proklamation). Es gibt noch weitere Bedeutungen, aber diese drei kommen besonders in den beiden bekanntesten deutschen protestantischen Bekenntnissen zum Ausdruck: Dem Kleinen Katechismus und dem Heidelberger Katechismus.

Zwei protestantische Bekenntnisse? Ist es nicht ein evangelischer Glaube? Um dies zu verstehen, muss man sich die Entstehung der beiden Katechismen vor Augen führen: Im 16. Jahrhundert bildete sich nicht nur der Unterschied zwischen evangelisch und katholisch heraus, sondern auch zwischen evangelisch-lutherisch und evangelischreformiert. In Deutschland, genauer gesagt dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, ging die Reformation von Luther und seinen Mitstreitern aus. In der Schweiz von Zwingli und Calvin. Trotz großer Nähe beider Glaubensüberzeugungen teilte sich der junge Baum der Reformation schnell: Der lutherische Protestantismus wirkte von Mitteldeutschland ausgehend in den Norden bis nach Skandinavien. Der reformierte, von Huldreych Zwingli und Johannes Calvin geprägte Protestantismus hatte auf West- und Süddeutschland großen Einfluss, auf die Niederlande, Frankreich, Ungarn, Schottland und England. Die unterschiedlichen Lehrverständnisse brachten auch unterschiedliche Lehrbücher hervor, „Katechismen“ wie man damals sagte.

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Martin Luther selbst verfasste den Kleinen Katechismus 1529. Er erschien zum ersten Mal in großflächigen Tafeldrucken. Luther bewegten dabei drei Gründe: Der Kleine Katechismus entstand unmittelbar aus seinem Predigtwirken; viele dieser Predigten besaßen bereits einen lehrhaften Charakter. Der Große Katechismus, der kurz nach dem Kleinen erschien, stellt eine Zusammenfassung dieser Predigten dar. Zum anderen wollte Martin den Gläubigen eine seelsorgliche Handreichung als Richtlinie für ihr Leben geben und drittens musste er während seiner Besuche in evangelischen Gemeinden erkennen, dass es um das Glaubenswissen nicht gut stand. Luther nannte den Kleinen Katechismus „Laienbibel“, was zeigt, wie hoch er dessen Bedeutung einschätzte.

Aufgeteilt ist der Kleine Katechismus in fünf Teile oder „Hauptstücke“: Die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis, das Vater Unser, die Taufe und das Abendmahl. Später fügte Luther auch die Beichte hinzu, die ihm sehr wichtig war. Zwei Dinge sind bei der Gestaltung des Katechismus erwähnenswert: Luther beginnt seine Geboteerklärung immer mit denselben Worten „dass wir Gott fürchten und lieben“. Gott an die erste Stelle zu setzen, das erste Gebot, war für ihn das Wurzelgebot. Der Glaubende sollte es sich einprägen.

Ferner ist der Katechismus wie ein Gespräch in Frage und Antwort aufgebaut. Auch dies diente der Einprägsamkeit, zeigt aber noch mehr, dass es sich beim Kleinen Katechismus nicht um eine monologische Abhandlung handelt, sondern – wie in einem Gespräch – um etwas Verbindendes und Dynamisches. Luther wollte keine Bekenntnisschrift verfassen, aber im Jahre 1580 wurde der Kleine Katechismus in das Konkordienbuch aufgenommen, also dort, wo die Bekenntnisse gesammelt sind. Dies führte zu seiner Verbreitung, außerdem verwendete man ihn als Unterrichtsbuch, um Lesen und Schreiben zu lernen. Und natürlich war er das Grundlagenwerk des Religionsunterrichts.

Nicht nur auf Länder, die den lutherischen Glauben übernahmen, hatte der Kleine Katechismus großen Einfluss. Er war ebenfalls eine Vorlage für einen der wichtigsten reformierten Katechismen, den Heidelberger Katechismus. Die Bezeichnung „Heidelberg“ verweist auf ein Religionsprinzip, das uns heute befremdlich erscheint: Über die Zugehörigkeit entschied nicht der Einzelne, sondern die Herrschaft, der man unterstand. War der Herrscher katholisch, so waren es auch seine Untertanen. Bekannte er sich zum lutherischen Glauben, so wurden seine Untertanen ebenfalls evangelisch-lutherisch. Dieses Prinzip „cuius regio, eius religio“ (wes Land, des Glauben) galt auch für die Kurpfalz mit ihrer Residenz Heidelberg. Kurfürst Friedrich III. versuchte die Reformation voranzubringen. Er neigte dem reformierten Glaubensverständnis zu, doch suchte er beide Zweige der Reformation beieinander zu halten. Aber durch den immer schrofferen theologischen Streit fühlte er sich gedrängt, sich der Sache der Reformierten anzunehmen.

Vorlage für Heidelberg war das Werk von Martin Luther

So berief er 1563 eine Gruppe von Theologen nach Heidelberg, die einen Katechismus für die Kurpfalz verfassen sollten. Besonders die beiden Professoren Zacharias Ursinus und Kaspar Olevian taten sich bei dessen Erstellung hervor. Auch der Fürst selbst beschäftigte sich intensiv mit dem Katechismus, den man nach seinem Entstehungsort den „Heidelberger“ nennen sollte. Er darf nicht als Gegenentwurf zu Luther verstanden werden. Dessen Kleiner Katechismus war ja eine wichtige Vorlage. Leider hatten sich am Ende des 16. Jahrhunderts – zwischen den beiden deutschen Katechismen lagen drei Jahrzehnte – die konfessionellen Fronten verhärtet. Es gab reformierte Gebiete, zum Beispiel Bremen, Ostfriesland oder das hessische Nassau-Dillenburg. Sie übernahmen den Heidelberger Katechismus. Doch einige der lutherischen Herzöge warfen sich dagegen auf und verklagten Friedrich III. sogar vor seiner katholischen Majestät(!) Kaiser Maximilian. Dies zeigt, wie ungemein zwiespältig die Beziehung zwischen Glauben und Politik ist. 1618 versammelte sich eine wichtige reformierte Synode im niederländischen Dordrecht. Sie anerkannte den Heidelberger Katechismus als Bekenntnisschrift. Und so wurde er wie der Kleine Katechismus zu einer Grundlage evangelischen Glaubens.

Was ist das besondere am Heidelberger Katechismus? Er hat mit dem von Luther die Frageform gemein. Diese strukturierte, dialogische Form eignet sich gut zum Lernen. Die 129 Fragen folgen allerdings einer anderen Gliederung als im lutherischen Vorbild. Der Heidelberger Katechismus hat vier Teile: Einleitung, von des Menschen Elend, von des Menschen Erlösung, von des Menschen Dankbarkeit: Die Zehn Gebote und das Unser Vater. Es ist bemerkenswert, dass die Zehn Gebote und das Unser Vater dem Dank zugewiesen sind. Dadurch soll deutlich gemacht werden, dass ihnen zu folgen kein menschliches Tun, sondern eine Wirkung der Erlösung ist.

Auffallend ist außerdem die Einleitung des Heidelberger gegenüber dem Kleinen Katechismus. „Was ist dein Trost im Leben und im Sterben“, fragt er und antwortet mit der Erlösung durch Christus. Dies ist der Ausgangspunkt für alles weitere. Der Kleine Katechismus stellt, wie bereits gesagt, das erste Gebot in den Mittelpunkt. Dies bezeichnet keinen konfessionellen Unterschied. Sondern es sind Dimensionen, die das Leben evangelischer Christen erfüllen: Sich einerseits getröstet und gehalten zu wissen, Gott zu lieben und ihm Ehre darzutun andererseits. Gemeinsam bilden sie einen großen Akkord des Glaubens.

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