Christliche Themen für jede Altersgruppe

Lichtblick für kranke Kinder

MAULBRONN – Vor 40 Jahren wurde das Kinderzentrum in Maulbronn gegründet, eine  in  Baden-Württemberg einzigartige Spezialklinik für Kinderneurologie und Sozialpädiatrie unter dem Dach des ­Diakonischen Werks.  Hier werden Kinder mit chronischen Erkrankungen und Entwicklungsstörungen behandelt, wie etwa die kleine Salome , die an einer seltenen Erbkrankheit leidet.

Marlene Mergen­thaler und Tochter Salome: Das Mädchen hört nur auf einem Ohr. Im Kinderzentrum erhält es Ergotherapie. (Foto: Ulrike Stahlfeld)


Draußen scheint die Sonne. Gleich werden sich Salome und ihre Mutter wieder auf den Heimweg nach Großbottwar machen. Als die beiden zuvor noch kurz auf den bunten Stühlen im Eingangsbereich des Kinderzentrums Maulbronn Platz nehmen, wirken sie zufrieden und entspannt. Der Besuch hier scheint ihnen gutgetan zu haben.Salome kommt seit Ende letzten Jahres regelmäßig mit ihrer Mutter in das Kinderzentrum Maulbronn.

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Salome ist ein Wunschkind von Marlene und Ulrich Mergenthaler. Als das Mädchen, ihr drittes Kind, pünktlich zum errechneten Termin im Juli 2016 zur Welt kommt, scheint gesundheitlich alles in Ordnung zu sein. Dann fällt der Mutter auf, dass das Kind kaum Augenkontakt aufnimmt und immer wieder Mittelohrentzündungen auftreten. Mit neun Monaten hat Salome ihren ersten epileptischen Anfall.

Es folgt eine Reihe von Untersuchungen bis schließlich eine seltene Erbkrankheit, das Aicardi-Goutières Syndrom (AGS), diagnostiziert wird. Das Mädchen hört nur auf einem Ohr und bevorzugt grelle Farben, wie ihre Mutter an diesem Vormittag im Kinderzentrum erzählt. Was sie alles sieht, wisse man nicht. „Sie greift nach Dingen“, berichtet sie weiter, dass man aber nicht genau weiß, wie die Informationen verarbeitet werden.

„Niemand kann sagen, was sie einmal kann oder nicht“, sagt Marlene Mergenthaler, die mit Salome alle zwei Wochen zur Behandlung nach Maulbronn kommt. Hier bekommt das Mädchen Physiotherapie und Ergotherapie. „Die interdisziplinären Wege sind kurz, alles ist an einem Ort gebündelt“, ist die Mutter sehr zufrieden. Denn im Kinderzentrum arbeiten Mitarbeiter aus unterschiedlichen Berufsgruppen mit den Kindern und den Bezugspersonen an individuellen Zielen.

Marlene Mergenthaler war mit Salome auch schon stationär in Maulbronn untergebracht.  Der Klinikbereich umfasst eine Kinder- und Jugendlichen-Station mit 24 Einheiten und eine Eltern-Kind-Station mit 18 Einheiten. „Bei vier bis fünf Therapien am Tag passiert viel“, erzählt sie von ihren positiven Erfahrungen und wie Salome unter anderem gelernt hat, aus der Flasche zu trinken.

Kinder würden im Kinderzentrum in ihrer Entwicklung gefördert und Eltern unterstützt, betont die dreifache Mutter, wohl wissend, dass ihre Tochter Philina (7) und Sohn Yaron (5) schon das eine oder andere Mal zurückstecken müssen. Andererseits sei die Normalität der Geschwisterkinder oft die beste Therapie. Daher freut sie sich auch, dass Salome ab September zwölf Stunden pro Woche einen Regelkindergarten besuchen darf.

Ganz im Sinne des Credos vom Kinderzentrum Maulbronn. Die größtmögliche Selbstständigkeit und damit verbunden die bestmögliche Eingliederung in Familie und Gesellschaft sowie die Teilhabe am öffentlichen Leben zu erreichen, diesem Ziel haben sich dort die rund 200 Mitarbeiter verschrieben.

Derzeit behandeln sie rund 6000 Kinder und Jugendliche pro Jahr ambulant, rund 600 stationär. Weil sich für chronisch kranke und behinderte Kinder und Jugendliche hier nahezu alle Kompetenzen unter einem Dach befinden und auch die Behandlung seltener Störungen möglich ist, kommen Überweisungen auch von allen Universitätskliniken sowie größeren Kinderkliniken Baden-Württembergs.

Das verlangt viel von jedem Einzelnen und muss finanziert werden. Da das Kinderzentrum Maulbronn kein kommunales oder staatliches Krankenhaus ist, sondern vom Verein Kinderzentrum Maulbronn e.V. getragen wird und die Vergütungen der Krankenkassen nicht ausreichen um die Investitionen in Klinikausstattung und Gebäude zu finanzieren, wurde bereits 1972 der Förderverein Christophorushilfe e.V. gegründet. Die Mitglieder sammeln jährlich zwischen 400.000 und 450.000 Euro an Spendengeldern, wie Fritz Schäfer mitteilt. Damit wurden bereits unter anderem ein Bewegungsbad und Spielgeräte sowie der Betrieb von Schule und Kindergarten bezuschusst und wenn notwendig auch Personalkostenzuschüsse und Zuschüsse für die Klinikausstattung und Gebäudeinvestitionen gewährt, zuletzt über 3 Millionen Euro für den 2016 erstellten Anbau.

Schäfer gehört zusammen mit Pfarrerin Sabine Leibbrandt, Werner Hupbauer und Karl Craiß zum Vorstand der Christophorushilfe e.V., dem Fördervereins des Kinderzentrums. Der steht ganz aktuell vor großen Herausforderungen. Der denkmalgeschützte Altbau (Baujahr 1929) muss saniert werden. Die Kosten belaufen sich auf rund neun Millionen Euro. Allein der Brandschutz kostet rund 4,5 Millionen Euro und die muss das Kinderzentrum komplett stemmen.

Man sei für jede Spende dankbar, sagt Schäfer: „Wir sind ein Haus mit Diakonischem Herz und mit christlichen Werten“.


Das Kinderzentrum Maulbronn ­feiert seinen 40. Geburtstag am 7. Juli mit einem „Tag der offenen Tür“. Das Fest beginnt am Vormittag mit einem Familiengottesdienst.