Christliche Themen für jede Altersgruppe

Liebe ohne Bedingungen

Lukas 15,17–20 Da ging der Sohn in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich einem deiner Tagelöhner gleich! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.


Impuls zum Predigttext für den Tag der Diakonie: Lukas 15,11–32.  Von Ralf Horndasch

Pfarrer Ralf Horndasch ist Direktor der Evangelischen Diakonissenanstalt Stuttgart.


„Fragt denn eigentlich irgendjemand nach mir?“ „Interessiert es denn jemanden wie es mir geht?“ So fragen Menschen manches Mal in ihrem Leben. Nicht dann, wenn das Glück auf ihrem Lebensweg an ihrer Seite ist. Nicht dann, wenn sie auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Aber dann, wenn das Leben schwer und beladen geworden ist. Dann, wenn sie am Rande stehen und die Nähe und Verbundenheit mit anderen Menschen nicht mehr spüren können. Werde ich wahrgenommen? Spielt es eine Rolle für jemanden, ob es mich gibt oder nicht?

Vielleicht hat sich genau dies jener Sohn aus der Geschichte, die Jesus erzählt hat, auch gefragt. Nämlich damals, als er in der Fremde ein Leben am Rande führen musste, in Armut, erniedrigt zu einem Beruf, der zu den nicht angesehenen Berufen zählte: Schweinehirt – rechtlos, arm und ohne Zukunftsperspektiven. Aber vielleicht trug diese Frage ebenso der andere, der ältere Sohn in sich.
„Fragt denn irgendjemand nach mir?“ Als er ganz am Ende seiner Möglichkeiten war, da erinnert sich der jüngere der beiden Söhne an seinen Vater, den er verlassen hatte. Er erinnert sich an das, was er aufgegeben hatte, an die Beziehungen, die zu seinem Leben gehört haben, früher, vorher….

Wo nichts mehr hält, da muss sich etwas ändern, damit das Leben wieder weitergehen kann.
Und der Sohn ändert etwas. Er macht sich tatsächlich auf den Weg, auf den Weg zurück nach Hause.
Der Vater sieht ihn kommen und geht ihm entgegen. Das ist für mich die dichteste und berührendste Stelle dieser Geschichte. Denn dieser Vater, der sich da auf den Weg macht, ist für mich ein Bild dafür, was es heißt, nach einem anderen Menschen zu fragen. Das hatte der Sohn gespürt in seiner verzweifelten Situation, dass – wenn überhaupt jemand – dann sein Vater sich für ihn interessiert und nach ihm fragt. So wie der Vater dann reagiert, kann man annehmen, dass er immer wieder an den Sohn, der gegangen war, gedacht hatte.

Jetzt  konnte er ihn endlich wieder in die Arme schließen.
Und der andere Sohn? Hatte er das eigentlich begriffen, dass der Vater immer schon auch nach ihm gefragt hat, dass er ihm wichtig ist?

Nach dem Menschen neben mir fragen! Danach fragen, wie es ihm oder ihr geht und was er oder sie braucht, um leben zu können. Das ist das, was Diakonie sich zur Aufgabe gemacht hat. Das ist das, was unzählige Menschen in ihrem diakonischen Tun mit Leben füllen – sei es in ihrem Hauptberuf in einer diakonischen Einrichtung oder im Ehrenamt. Für andere da sein. Nach anderen fragen.
Dies  – deshalb erzählt Jesus ja dieses Gleichnis – macht auch Gott. Gott fragt nach mir und meinem Leben. Er wartet. Er geht mir entgegen. Er nimmt mich in die Arme.

Von dieser bedingungslosen und unendlichen Liebe erzählt diese Geschichte. Und wir sind eingeladen, von dieser Liebe Gottes zu seinen Menschen in unserem Tun immer wieder auch etwas Wirklichkeit werden zu lassen.

Für mich erzählt dieser Text auch davon, dass wir gar nicht viel brauchen zum Leben, außer eben dem einen, dass einer nach mir fragt und ich nicht unwichtig bin. Das will Jesus sagen: Du bist wichtig für Gott. Deshalb sucht er. Deshalb wartet er. Deshalb erwartet er dich mit offenen Armen.
Mehr braucht man wirklich nicht, um sich geliebt zu wissen, um zu spüren: Ich bin gewollt. Deshalb hat Luther über diesen Bibelabschnitt auch einmal gesagt: „Wenn die ganze Bibel verloren ginge, und es bliebe nur dies Gleichnis übrig, so wäre alles gerettet.“

Gebet
Du fragst nach mir und meinem Leben, Gott.
Das tut so gut und gibt mir Hoffnung.
Wo ich mich alleine fühle, wo ich mich unverstanden fühle und wo das Leben brüchig wird,
da brauche ich deine Nähe.
Lass mich spüren, dass ich dir nicht egal bin.
Lass mich aufbrechen in die offenen Arme
deiner Liebe.
Amen.

 Unser Andachtsbuchtipp:

 

Cornelie Class-Hähnel, ev. Theologin und Redakteurin beim ev. Gemeindeblatt, erzählt und erklärt Geschichten aus der Bibel mit besondere Tiefe.