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Mit den Augen des Herzens - Helmut Borchers, ein blinder Software-Ingenieur berichtet

Helmut Borchers hat zu Licht ein extremes Verhältnis: Er ist blind – und leidet tagsüber unter der grellen Sonne, die sein Sehvermögen zusätzlich einschränkt. Auf der anderen Seite haben Sinneseindrücke und Licht für ihn eine besondere Bedeutung.

Helmut Borcher, ist blind. Augen sind nicht entscheidend. Foto: Julian RettigHelmut Borchers findet, dass die äußeren Augen nicht verantwortlich dafür sind, was man wirklich sieht. Foto: Julian Rettig

Manchmal kommen die Bilder aus der Kindheit unvermittelt. Dann sieht sich Helmut Borchers wieder bei den Kühen. An einem kalten, dunklen Wintermorgen zum Beispiel, an dem er die Wärme der Tiere sucht, während der Geruch nach frischer Milch und Dung den Stall durchdringt. „Kühe sind sehr sensible und neugierige Wesen, sie haben mich immer erkannt“, erinnert er sich lächelnd. Das Melken hat ihm daher besondere Freude bereitet.

Helmut Borchers ist zusammen mit drei Geschwistern auf einem Bauernhof aufgewachsen und hat das Landleben mit Leib und Seele genossen. Dass er sehbehindert ist, fiel den Eltern nicht auf – bis er in die Schule kam. „Bis dahin habe ich mich einfach durchs Leben gemogelt“, sagt Borchers.

Doch seine Sehstärke lag schon damals nur bei zehn Prozent – heute sind es unter zwei Prozent. Bei Tageslicht sieht er gar nichts, bei Dämmerlicht nimmt er einen kleinen Rest an Kontrasten wahr. Helmut Borchers ist dankbar, dass seine Eltern ihm trotzdem immer vertraut und ihr Verhalten ihm gegenüber nicht geändert haben. Also durfte er weiterhin Traktor fahren, „manchmal hat mein Vater halt gejammert, dass ich die ganzen Kartoffeln über den Haufen fahre“, sagt der heute 59-Jährige und lacht.

Die Grenzen,Helmut Borchers, blind. Software-Ingenieur. Foto: Julian Rettig die ihm durch die Sehbeeinträchtigung auferlegt wurden, hat er trotzdem immer wieder zu spüren bekommen. Nach dem Internat der Nikolauspflege besuchte er das Gymnasium der Deutschen Blindenstudienanstalt Marburg.

Die vielseitigen Arbeitstechniken halfen ihm bei seinem späteren Informatikstudium an der Technischen Universität Stuttgart, um sich durchzuboxen. „Das war mit viel Aufwand verbunden“, sagt Borchers und beschreibt, wie er mit einem Kassettenrekorder in der Vorlesung saß, da er die Ausführungen an der Tafel nicht sehen konnte. „Zuhause habe ich das dann wieder mit Büchern aufgearbeitet.“

 

 Die Augen des Herzens müssen erleuchtet sein - Licht als Symbol

Seit knapp 30 Jahren arbeitet er inzwischen als Software-Ingenieur in Böblingen. Der verheiratete Vater einer zwölfjährigen Tochter ist heute nicht nur stellvertretender Vorstands- vorsitzender des Evangelischen Blinden- und Sehbehindertendienstes Württemberg, sondern hat auch beim evangelisch-methodistischen Bildungswerk eine Ausbildung zum Laienseelsorger gemacht. Anderen zuhören, für sie da sein, das ist ihm wichtig. Helmut Borchers ist überzeugt, dass die äußeren Augen nicht verantwortlich dafür sind, was man wirklich sieht. „Die Augen unseres Herzens müssen erleuchtet sein“, sagt er.

Während ihm das natürliche Tageslicht unangenehm ist, weil es zu grell ist, hat das göttliche Licht für ihn eine große spirituelle Bedeutung. Es ist für ihn ein Symbol dafür, dass Gott allezeit da ist. „Es zeigt mir, dass er in Jesus Christus jeden Tag seine Kraft schenkt, um mit allen Herausforderungen klarzukommen.“ Physisches Licht, wie Kerzenschein oder Sonnenuntergänge, ist für ihn nur ein Abbild und daher nicht so wichtig. Denn: „Was hilft es mir, wenn ich dieses Licht genießen und wahrnehmen kann – aber nicht die inneren Augen habe, um es zu sehen?“

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