Christliche Themen für jede Altersgruppe

Mit viel Liebe und Humor

Sie sind bekannt im ganzen Land und auf der Bühne und im Privatleben ein Paar: Walter Schultheiß und seine Ehefrau Trudel Wulle. Kürzlich konnten sie das seltene Fest der Gnadenhochzeit feiern, am 25. Mai 1950 haben sie geheiratet. Eine Hommage zum 70. Hochzeitstag. 


Das Telefongespräch mit Walter Schultheiß beginnt so: „Darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen?“ „Ja, wenn Sie die Antworten nicht scheuen.“ Na, prima, der Mann hat Humor und auch mit 96 Jahren nichts von seiner Schlagfertigkeit eingebüßt.

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Im Hintergrund verfolgt seine Ehefrau Trudel Wulle (94) jedes einzelnen Wort über den Lautsprecher mit. Ergänzt ihren Mann, gibt Kommentare. Es dauert keine zwei ­Minuten, bis man den Eindruck hat, in einer Kabarettsendung der beiden gelandet zu sein. Schwäbisches Wortgeplänkel mit Esprit, das auch im hohen Alter noch bühnenreif funktioniert.

1947 haben sich Walter Schultheiß und Trudel Wulle am Stuttgarter Volkstheater kennengelernt. Der magere Kriegsheimkehrer, den ein Bauchschuss fast umgebracht hätte. Die blutjunge Schauspielerin, die beide Eltern bei einem Bombenangriff in Heilbronn 1944 verloren hatte.

Am 25. Mai 1950 haben sie geheiratet, es war der Geburtstag von Walter Schultheiß, seither heißt auch sie Schultheiß mit Nachnamen, aber nur bürgerlich: „Im Beruf“, sagt sie nicht ohne Stolz, „bin ich die Frau Wulle“. Den Beruf haben sie immer geteilt, auch wenn sie ein wenig kürzer treten musste, als Sohn Götz 1955 geboren wurde.

In zahllosen Hörspielen sind sie gemeinsam aufgetreten, Bühnenstücke, Fernsehserien wie „Laible und Frisch“. Als 2017 daraus ein Kinofilm wurde, standen sie noch einmal vor der Kamera, sie hatte diesmal sogar ein wenig mehr Text als er.

Natürlich ist Walter Schultheiß der Bekanntere von beiden. Seine Rundfunk-Straßenkehrer mit Werner Veidt wurden schon in den Sechzigerjahren zu Straßenfegern, seine kauzigen Auftritte im Tatort und Mehrteilern wie „Oh Gott, Herr Pfarrer“ oder „Der König von Bärenbach“ sind legendär.

2013 machte er noch einmal von sich reden, als er in der tragikomischen Familiensaga „Global Player“ einen schwäbischen Textilunternehmer spielte, der den Niedergang seiner Firma nicht wahrhaben wollte. Es war die erste große Kinohauptrolle seines Lebens, mit 89 Jahren zeigte er noch einmal alle Facetten seines darstellerischen Könnens.

Daneben stand Walter Schultheiß immer wieder auf der Bühne, besonders gern in der Komödie in Stuttgart, das moderne Theater war nicht so sein Ding: „Ich mag es nicht, wenn der Hamlet nackt mit dem ­Motorrad herein fährt“, lautet einer seiner unverwechselbaren Sätze. In den letzten Jahren war dann bei Lesungen immer wieder auch Trudel Wulle an seiner Seite, ein schräger Schlagabtausch mit Worten wie ihn sich einst Karl Valentin und Liesl Karlstadt lieferten.

Von der Bühne haben sie sich nun endgültig zurückgezogen. Genießen ihr schönes Heim in Wildberg im Schwarzwald, wo sie seit 1965 wohnen. Seit Kurzem machen dort auch zwei Enkelkinder das Haus unsicher. Mit über 90 sind Walter Schultheiß und Trudel Wulle erstmals Großeltern geworden, welch ein spätes Familienglück.

„Ja, es ist eine Gnade, natürlich“, sagen sie, wenn sie auf ihr langes gemeinsames Leben zurückblicken. Liebe brauche man und Toleranz, „der eine muss die Mucken des anderen ertragen“.
Damit ist das kleine Telefonhörspiel auch beendet. Eine Kurzvorstellung mit vielen netten Pointen von zwei Menschen, die es bei allem Humor mit sich und ihrem Publikum immer auch ernst meinten.




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