Christliche Themen für jede Altersgruppe

Neun Tage der Begegnung - 352 Mitgliedskirchen tagten in Karlsruhe

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) ist zu Gast in Karlsruhe gewesen. Während auf dem Gelände des Kongresszentrums Delegierte von 352 Mitgliedskirchen aus aller Welt tagten, wurde die Stadt selbst zum Kultur- und Begegnungsraum für alle. Einige Eindrücke.

Eine Stadt im Zeichen der Weltchristenheit: Die Fahne der Vollversammlung weht am Karlsruher Marktplatz. Foto: Thomas Lohnes.Eine Stadt im Zeichen der Weltchristenheit: Die Fahne der Vollversammlung weht am Karlsruher Marktplatz. Foto: Thomas Lohnes.

Neun Tage ÖRK in Karlsruhe und neun Orte als Begegnungsräume: Der 11. Ökumenische Rat der Kirchen hat sich auch auf den städtischen Raum ausgewirkt. Während die Besucher und Besucherinnen für die Hauptveranstaltungen auf dem Messegelände eine Akkreditierung benötigten, waren viele Veranstaltungen in der Innenstadt frei zugänglich. Neben Plätzen wie der Kultur-Bühne am Marktplatz boten neun ausgewählte Orte die Möglichkeit des Austauschs. Wer sich hier traf, wollte diskutieren, Workshops besuchen, gemeinsam beten oder Podiums-Beiträgen lauschen. Das Motto des ÖRK war auch hier Programm: „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Hanns-Löw-Haus hinter der Stadtkirche konnten die Gäste sich über den Kampf gegen Rassismus und den Einsatz für eine gerechtere Gesellschaft informieren und austauschen. Interessant zu beobachten: Veranstaltungen wie jene zur „Willkommenskultur für Flüchtlinge in Deutschland, in Kirche und Diakonie“ wurden nicht nur von akkreditierten Besucherinnen und Besuchern des ÖRK wahrgenommen, die an ihren farbigen Halsbändern zu erkennen waren, sondern auch von vielen anderen. 

In der Neuapostolischen Kirche standen Menschenrechte, Versöhnung und Heilung im Mittelpunkt. Die Veranstaltungen wurden zum Beispiel von der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden organisiert oder der Hilfsorganisation „United4Rescue“. Sie hilft, Flüchtende aus Seenot zu retten. Viele evangelische Gemeinden und diakonische Gruppen sind dabei.

Vielfältiges Angebot

Wer hier an einem der neun Veranstaltungstage zu mehreren Themenschwerpunkten teilnehmen wollte, musste im Vorfeld gut vorausplanen. Die Veranstaltungsorte waren im Stadtbild von Karlsruhe schlicht, aber wirksam in Szene gesetzt: mit orange leuchtenden Aufklebern auf den Gehwegen sowie großen weißen Fahnen und Bannern. Karten überall in der Stadt machten die Orientierung leicht.

Im katholischen Canisiushaus geht es um Kinder, Familie und Geschlechtervielfalt – normalerweise toben Kinder durch die große Kindertagesstätte. Nun geht es um die Verpflichtung der Kirchen, Kinder vor sexuellem Missbrauch und Gewalt zu schützen. Auch die sexuelle Orientierung und die Geschlechtlichkeit von Christinnen und Christen werden diskutiert. Ganz vorne mit dabei: die „Rainbow Pilgrims of Faith“, ein weltweites ökumenisches Bündnis von queeren, also nichtheterosexuellen, Christen.

Eine von ihnen ist die Diakonin Gabriele Mayer aus Reutlingen, die das Programm mit organisiert hat. Für sie bot die Vollversammlung des ÖRK eine „tolle Chance zusammenzukommen“. Hier begegneten sich Menschen aus Kirche und Gesellschaft sowohl mit liberalen als auch eher konservativen Ansichten: „Die Menschen treten hier in einen Dialog. Ein Hauptanliegen des ÖRK ist es, eine Plattform anzubieten für den Austausch und in Solidarität für die einzutreten, deren Stimmen nicht gehört werden.“

Dazu zählen für Gabriele Mayer nicht nur Verfolgte und in Angst lebende sexuelle Minderheiten, sondern auch Menschen mit Behinderung oder Themen wie Menschenhandel und Prostitutition. „Das alles steht in direkter Verbindung mit dem Auftrag des ÖRK, diese ungesehenen Menschen und Themen sichtbar zu machen.“

Gabriele Mayer hat mit Freude wahrgenommen, dass die neun Begegnungszentren zusammenwachsen: „Durch den stetigen Austausch der Leute entstehen langsam Verbindungen zwischen den einzelnen Zentren. Die Menschen diskutieren auf der einen Veranstaltung über Themen aus einem anderen Begegnungsraum.“

Sichere Räume

Bei all dem regen Austausch lag der Diakonin eine Sache ganz besonders am Herzen: der „Safe Space“, ein sicherer Raum, in dem auf Augenhöhe, ohne Diskriminierung und wertschätzend miteinander geredet wird. Dieser Grundsatz gelte für die gesamte Vollversammlung, sagte sie: „Es geht darum, dass wir auch unsere Unterschiedlichkeiten aushalten und in Respekt miteinander Gespräche führen – auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Das gilt stellvertretend für alle Bewegungsräume des ÖRK und ist auch auf den Rückseiten der Akkreditierungs-Tickets aufgedruckt.“

Ein weiterer Begegnungsort war die Industrie- und Handelskammer Karlsruhe mit dem Schwerpunkt Klima, Schöpfungserhalt und gerechtes Wirtschaften. In der großzügig gestalteten Aula stellte die indisch-deutsche Künstlerin Lucy D’Souza-Krone unter dem Titel „Kunst fürs Klima“ ihre Werke aus.

Nachhaltig unterwegs

Gleich nebenan, in einem der Seminarräume der Handelskammer, fand ein Workshop zu nachhaltiger Mobilität statt. Mitorganisator war Romeo Edel, zuletzt Pfarrer für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt in der Prälatur Stuttgart. Seine Schwerpunkte: Metropolregion, Mobilität und Nachhaltigkeit. „Schwerpunkte, die viel mit dem Auftrag des Schöpfungserhalts zu tun haben“, erklärte der Pfarrer im Ruhestand. „Klima und Nachhaltigkeit ist schon lange ein Thema auch für die Kirchen. In dem Begriff der Klimagerechtigkeit kommen Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung zusammen.“ Für Romeo Edel ist die Ausbeutung der Natur ein herausragendes Beispiel für die Ungerechtigkeit, die von Menschen begangen werde. Wo Christen und Kirchen dies wahrnehmen, ergebe sich unmittelbar ein Handlungsauftrag. Und dem gehe die Kirche wie der ÖRK hiermit sichtbar nach.

Umso wichtiger sei der ganze Geist und Grundsatz des Ökumenischen Rates der Kirchen, erklärte Romeo Edel nach dem Workshop: „Die Ökumene ist eine weltweite Bewegung, die von Gottes Geist angetrieben ist. Versöhnung ist das große Thema unserer Zeit, weil die Versöhnung zwischen den Kirchen die Voraussetzung dafür ist, dass die Einheit der Christenheit besser intern erlebbar und nach außen sichtbar wird. Es geht um die Einheit in Vielfalt.“ Ein Motto, das die Besucherinnen und Besucher in Karlsruhe im Austausch miteinander erleben konnten.

◼Mehr über die Arbeit des ÖRK auf www.oikoumene.org/de

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