Christliche Themen für jede Altersgruppe

„Nicht nur Gelaber“ - Generation "Z"

BAD LIEBENZELL – „Generation Z – Wie Jugendliche dieser Generation ticken“, lautet ein Thema, das David Jarsetz bewegt. Der Missionsdirektor der Liebenzeller Mission wird immer wieder von Gruppen und Gemeinden gebeten, darüber zu sprechen.

Cool, humorvoll, digital: Die jungen Jahrgänge ab 1995 ticken anders. Foto: PressebildCool, humorvoll, digital: Die jungen Jahrgänge ab 1995 ticken anders. Foto: Pressebild

Der 39-jährige David Jarsetz trägt Verantwortung für 230 Missionare in über 20 Ländern der Welt. Der gelernte Chemielaborant lebte mit seiner Ehefrau viele Jahre in Papua-Neuguinea. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war das Paar drei Jahre lang für die Begleitung junger Studentinnen und Studenten zuständig. Überrascht stellten die beiden fest: „Die ticken ja ganz anders!“ Die Generation Z, das sind junge Menschen der Jahrgänge ab 1995.

Jarsetz wollte erfahren, was den Jugendlichen und jungen Erwachsenen wichtig ist. Eine seiner Beobachtungen: „Informationen müssen humorvoll, stylisch und cool sein, um Beachtung zu finden. Die digitale Welt ist das Leben der jungen Leute. Sie steuern ihre Welt in diesen sozialen Räumen.“ Folgerichtig werde man viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit klassischen Kommunikationsformen, etwa mit Flyern und Prospekten, kaum noch erreichen. Die neue Generation sei trotz zahlreicher globaler Unsicherheiten grundsätzlich optimistisch eingestellt. Sie werde aber häufig von einer Angst getrieben, etwas zu verpassen, und wolle sich „alle Optionen offenhalten“.

Verständnis fördern - Jeder ist ein Kind seiner Zeit

Der frühere Missionar führt immer Vor- und Nachteile bestimmter Verhaltensmuster an, die er bei der „Jugend von heute“ selbst beobachtet und in Referaten zum Thema auch anhand von Statistiken und soziologischen Erkenntnissen aufarbeitet. Er möchte nicht bewerten, sondern betont die Wichtigkeit des Verständnisses und Respekts füreinander. Dazu seien aufrichtiges Interesse, Annahme sowie Begegnungen auf Augenhöhe wie etwa im Raum der Kirchengemeinden wichtig. Jarsetz kritisiert Ressentiments und Gene-rationenkonflikte. Seiner Auffassung nach bietet die Unterschiedlichkeit der Generationen vielmehr das Potenzial, voneinander zu lernen. „Seid in herzlicher Liebe miteinander verbunden, gegenseitige Achtung soll euer Zusammenleben bestimmen“, zitiert der Protestant bei seinen Vorträgen gerne eine Bibelstelle aus dem Brief des Paulus an die Römer (Römer 12,10).

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„Jede Generation ist ein Kind ihrer Zeit. Gott kam und kommt mit jeder zu seinem Ziel. Jede hat ihre Schwächen und Stärken. Letztgenannte sollten zur Ehre Gottes gestärkt und genutzt werden“, sagt Jarsetz.

Den Gläubigen unter der neuen Generation geht es Jarsetz zufolge „stark darum, Gott (musikalisch) im Lobpreis zu erleben, das heißt ihm zu begegnen“. Ihr Glaube sei von innerer Achtsamkeit geprägt, weniger mit äußeren Formen verbunden, spirituell vielfältiger, emotionaler, also gefühlsorientierter, offener für Erfahrungen und Begegnungen sowie mit sozialen Anliegen verknüpft.

Bad Liebenzell. Missionsdirektor David Jarsetz: Der Umgang mit jungen Menschen ist eines seiner Spezialgebiete. Foto: Tobias GöttlingBad Liebenzell. Missionsdirektor David Jarsetz: Der Umgang mit jungen Menschen ist eines seiner Spezialgebiete. Foto: Tobias Göttling

Großes Interesse für das Thema bestehe in vielen Kirchengemeinden, aber auch bei Unternehmen. Denn die hätten mehr und mehr mit Mitarbeitern dieser stark von veränderten Trends, Werten und Verhaltensmustern beeinflussten jungen Generation zu tun. Die „Digital Natives“, wie sie in der sozialwissenschaftlichen Forschung genannt werden, sind mit Digitalisierung aufgewachsen. Sie seien aber nicht nur weltweit vernetzt, ungeduldig, auf Anerkennung und positive Rückmeldungen bedacht, gerne flexibel und ohne feste Verpflichtungen. Sondern sie hätten auch traditionelle Interessen wie das Bedürfnis nach Sicherheit und nach einer intakten Familie, sagt Jarsetz.

Besonders daran, dass viele Jüngere anders als manch einer aus früheren Generationen nicht mehr bereit dazu seien, „für ihre Arbeit ihre Familie zu opfern, nach dem Motto: Arbeit ist mein Leben!“, kann Familienvater Jarsetz etwas Positives abgewinnen.

Generation "Z" - Offen für Ökologie und Soziales

Nach Ansicht von Jarsetz kann es auch für das kirchliche Leben fruchtbar sein, dass die Vertreter der neuen Generation viele Dinge offen ansprächen und kritisch dächten sowie auf „Teamwork“ statt rein auf Leitung und Führung setzten und Fragen nach Gerechtigkeit, Naturschutz und Verantwortung aufwerfen würden.

Für Kirchengemeinden, Vereine und Firmen sei es wichtig zu wissen, dass die „Generation Z“ Transparenz, Erlebnisse und Authentizität erwarte: „Sie prüft, ob etwas nur Gelaber ist oder Substanz dahintersteckt. Und sie spürt, ob man sie ernst nimmt.“ Beziehungen, Kompetenzen und Erfahrungen würden als wichtiger angesehen als Autoritäten, Alter oder Rollen: „Wenn die ‚Generation Z‘ eine gute Beziehung zu jemandem hat, lernt sie ganz anders von ihm.“ Jarsetz empfiehlt Kirchengemeinden daher, eine „Startup“-Mentalität an den Tag zu legen und das Gespräch auf Augenhöhe zu suchen. Dann ließen sich auch sehr wertvolle Attribute wie Offenheit, Neugierde und Begeisterung sowie die Bereitschaft zu aktivem Engagement, besonders im sozialen und ökologischen Bereich, wecken.

◼Mehr über David Jarsetz auf seiner Internetseite: www.da-in-png.de/home

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