Christliche Themen für jede Altersgruppe

Pfingsten weckt Osterfreude

Johannes 14,25-27  Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Impuls zum Predigttext für das Pfingstfest: Johannes 14,15-19(20-23a.)23b-27.  Von Christian Rose

Der promovierte Theologe Christian Rose ist Prälat
in der Prälatur Reutlingen. (Foto: Hospitalhof)



Schauplatz Jerusalem. In der Stadt wimmelt es von Menschen. Die Gassen sind voller Pilger, die zum Ende der Passah-Zeit das Wochenfest feiern. Sie freuen sich, dass Gott sein Volk aus der Knechtschaft befreit hat. Sie erinnern sich daran, dass Gott ihnen am Berg Sinai Glaubens- und Lebensregeln geschenkt hat. Unter den vielen Pilgern ist auch eine kleine Schar der Jesusjünger. Aufgewühlt und mit erschrockenem Herzen denken Sie an das, was war. Sieben bewegte Wochen liegen hinter ihnen. Und jetzt das Fest. Sieben mal sieben und ein Tag. Das Fest am 50. Tag. Pentekoste, Pfingsten. Passah und Ostern sind vergangen.

Szenenwechsel. Der Evangelist Johannes erzählt von dem Moment, in dem Jesus sich von seinen Jüngern verabschiedet: Ich verlasse euch. Aber ich lass euch nicht allein. Gott, mein himmlischer Vater, wird euch einen Beistand, den Heiligen Geist, senden. Der wird euer Herz trösten. Der wird euch an meine Worte und Taten erinnern.

Wieder zurück in den Gassen Jerusalems. Plötzlich sagt einer: „Wisst ihr noch, wie wir beisammen saßen? Maria, Petrus und Johannes haben erzählt vom leeren Grab draußen vor der Stadt. Sie fanden nur noch die Leintücher, in die man Jesus gewickelt hatte. Und die geheimnisvolle Gestalt, die ihnen begegnet ist. Maria erzählte, wie sie diese für den Gärtner hielt. Und Thomas wollte seine Seiten berühren. Sie haben Jesus nicht sofort wiedererkannt. Wie auch? Wer rechnet schon damit, dass ein Toter zurückkommt? Wir hätten es auch nicht geglaubt, wenn wir es nicht selbst erlebt hätten. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, dass er plötzlich mitten unter uns stand. Wie einer, der durch verschlossene Türen gehen kann.“

Sie schweigen lange, ehe eine andere sich laut erinnert: „Mir gehen seine Wort nicht mehr aus dem Kopf : Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nehmt hin den Heiligen Geist!(Johannes 20,21f.) Und nun? Was sollen wir machen?“ Sie hängen ihren Gedanken nach, als plötzlich vom Himmel her ein Brausen aufkommt. Wind fegt durch die Gassen Jerusalems, wühlt Staub auf, Feuerflammen gleich (Apostelgeschichte 2,1ff.).

Züngelnde Flammen, Gottes Geist erfasst Menschen. Bis heute. In Monakam, einem kleinen Schwarzwaldort, bilden in der Dorfkirche seit ein paar Monaten der mittelalterliche Passionsaltar und zwei moderne Kirchenfenster des Künstlers Johannes Schreiter ein eindrückliches Ensemble. Im Pfingstbild recken sich Gestalten in Gebetshaltung dem Himmel entgegen. Gottes Geist lässt sich auf ihnen nieder, entflammt Herzen und schenkt aufgescheuchten Seelen Frieden und Trost. Es ist gewiss kein Zufall, dass der Künstler sieben Gestalten mit züngelndem Feuer für das Pfingstwunder darstellt.
Sieben mal sieben und ein Tag. Das Besondere im Johannesevangelium ist: Der erste und der fünfzigste Tag fallen zusammen. Am Ostermorgen, am ersten Tag der Woche, schenkt Jesus den erschrockenen Jüngern hinter verrammelten Türen seinen Geist. Er erinnert sie an seine Gegenwart und schenkt ihnen Trost. An Pfingsten, am 50. Tag, erinnert uns der Heilige Geist, dass wir in ihm einen Beistand fürs Leben haben. Er weckt in uns den Glauben, tröstet das Herz und schenkt aufgescheuchten Seelen Frieden. Einen besonderen Frieden, in dem auch der Zweifel aufgehoben ist. Gottes Geist weckt am Pfingsttag Osterfreude.

In den Gassen Jerusalems feiern die einen ausgelassen, andere eher zögerlich. Die Juden feiern den Weg in die Freiheit, freuen sich an der Weisung Gottes, die durchs Leben führt. Die kleine verzagte Jüngerschar wird erfasst von Gottes Geist. Züngelnden Flammen gleich entzündet er in den erschrockenen Herzen das Feuer der Osterfreude. So wie damals hinter verschlossenen Türen, so auch jetzt in den Gassen der lauten Stadt: Es hat 50 Tage gebraucht, bis die Osterfreude das Herz erreicht.


Gebet
Komm, Heiliger Geist,
entzünde in uns das Feuer deiner göttlichen Liebe.
Wo du bist, da ist Leben:
Tote stehen auf, Schuldige werden frei,
Schwache gestärkt, Traurige getröstet.

Gottesdienstbuch für die Evangelische Landeskirche in Württemberg,
1. Teil, Seite 154