Christliche Themen für jede Altersgruppe

Platz schaffen für wenige

Gottesdienst mit kleiner Gemeinde

Ein immer häufigeres Bild in Kirchengemeinden: Sonntagmorgens sitzen nur wenige Besucher in den Bänken, mal zehn, mal sieben, mal auch nur vier. Der Raum wirkt leer.
Gerhard Schäberle-Koenigs kennt das. Der Referent der Fachstelle Gottesdienst der Landeskirche war acht Jahre Pfarrer einer kleinen Gemeinde im Schwarzwald. Für alle, erzählt er, seien solche Gottesdienste schwierig. Für den Pfarrer oder Prädikant, der vor fünf Leuten steht. Für die Organistin, die kaum Gesang zurückbekommt. Und für die Besucher, welche die ganze Energie der Predigt abkriegen.
Die Teilnehmer des Workshops „Gottesdienst mit kleiner Gemeinde“ bestätigen es. Sie sind Kirchengemeinderäte, kommen aus ländlichen Gemeinden wie Ammerbuch-Reusten, Bolheim bei Herbrechtingen und Nassau bei Weikersheim, aber auch aus Stuttgart. „Man fühlt sich unwohl, hat Mitleid mit dem Pfarrer“, sagt eine Teilnehmerin. Gerhard Schäberle-Koenigs nimmt das auf: „Die Aufgabe ist, den Gottesdienst so zu gestalten, dass die, welche kommen, danach das Gefühl haben: Ich war in der Kirche.“ Wichtig sei, sich nicht jeden Sonntag aufs Neue von wenigen Besuchern überraschen zu lassen. Sondern es zum Thema im Kirchengemeinderat zu machen. Nicht unter der Frage: „Was können wir tun, damit mehr kommen?“, sondern im Bewusstsein: „Was tut uns gut, die wir Gottesdienst feiern wollen?“.
Da sei zuerst der Ort. „Wo sollen sich die Leute versammeln?“, fragt Schäberle-Koenigs die Gruppe. Im Chorraum, mit Stühlen vor dem Altar, in der Sakristei? Er gibt den Tipp, eine Kirchengemeinderats-Sitzung in die Kirche zu verlegen und zu schauen, wo eine kleine Gruppe dort schön Gottesdienst feiern könnte.
Viele treue Kirchgänger haben ihren Stammplatz – oft ganz hinten. Das Wichtigste sei deshalb, die Menschen schon am Eingang zu begrüßen. Wenn die Mesnerin an der Kirchentür steht und freundlich sagt: „Heute sitzen wir alle ganz vorne“, überzeuge das viele.
Neben Ort und Begrüßung sei der dritte Punkt, den Gottesdienst als Gespräch zu gestalten: Wenn wenige Leute da sind, müssen die mehr beteiligt werden. Das üben die Teilnehmer in einem Rollenspiel. Schäberle-Koenigs als Pfarrer sitzt mit Lektor, Kantorin und sieben Gemeindegliedern im Halbkreis um einen dekorierten Tisch. Am Anfang ein bekanntes Lied, Gemeindeglieder bringen Kerzen und Kreuz nach vorne. Beim Psalm spricht jeder einen Vers. Es verbreitet sich sofort Gottesdienst-Stimmung, bald singen und beten auch diejenigen Workshop-Teilnehmer mit, die nur beobachten sollten.
Die Erfahrung begeistert die Teilnehmer. „Man ist ganz dabei“, sagt eine Frau. Gerhard Schäberle-Koenigs sagt: „Man kann sich zu wenigen verlieren in einer Kirche, man kann sich aber auch sortieren.“ Und fröhlich Gottesdienst feiern.

Der Workshop fand statt beim Kirchengemeinderatstag am 6. April 2019. Er ist Teil des Beratungs-Angebots der Fachstelle Gottesdienst der württembergischen Landeskirche.