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Ruhepol im Synodenalltag

Sie sind bei den Synodaltagungen zu sehen, wirken aber vor allem im Hintergrund: Die Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle der Landessynode sorgen für einen reibungslosen Tagungsbetrieb. Wenig bringt sie  aus der Ruhe – wenn etwas nicht geht wie geplant, laufen sie zur Hochform auf. 


Pia Marquardt, Sarah Kaiser, Astrid Lowien und Kathrin Hahn (von links) arbeiten in der Geschäftsstelle der Landes­synode. (Foto: EMH/Gottfried Stoppel)


Es ist eine Geschichte, die immer wieder erzählt wird. Vor vielen Jahren, heißt es, setzten die Stenografen der Debatte bei einer Synodaltagung ein jähes Ende und traten in Streik. Denn nach 24 Uhr wurde immer noch weiter gestritten und diskutiert. Das machten die Stenografen nicht mit. Obwohl diese Anekdote fest im kollektiven Gedächtnis derer verankert ist, die mit der Synode zu tun haben, gibt es keine Belege dafür, dass es tatsächlich so war. Weitergetragen wird die angebliche Begebenheit dennoch; sie ist einfach zu schön, um verschwiegen zu werden.

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Sicher ist jedenfalls, dass sich die Sitzungskultur im Vergleich zu früher stark verändert hat, sagen Pia Marquardt und Kathrin Hahn. Die beiden arbeiten seit 2010 in der Geschäftsstelle und organisieren mit zwei weiteren Kolleginnen alles rund um die Tagungen. Früher habe es ganz andere Abläufe gegeben. „Alles wurde mit allen im Plenum diskutiert“, sagt Marquardt. Heute dagegen werden viele der komplexen Themen in Ausschüssen und Gesprächskreisen vorberaten. „Das heißt aber nicht, dass es nicht auch bei den Tagungen heute im Plenum zu Diskussionen kommt“, sagt Marquardt.

Doch trotz engagierter Debatten ist an den Synodentagen spätestens um 20.30 Uhr Schluss – zumindest in der großen Runde. Der Zeitplan für eine Synodaltagung ist straff und stark durchgetaktet. Dauert ein Punkt länger als geplant, muss woanders Zeit eingespart werden. So wird schon einmal eine Pause gekürzt oder die Redezeit beschränkt.

Seit 2015 arbeitet die Synode weitgehend papierlos: Jedes Mitglied des Gremiums hat einen Laptop, auf dem er oder sie sich die Unterlagen für die einzelnen Beratungspunkte auch schon vorab anschauen kann. „Als wir im Synodalbüro angefangen haben, waren unsere Büros immer vollgestellt mit Papier, wenn wieder eine Aussendung von Unterlagen anstand“, berichten Hahn und Marquardt. Heute gibt es Papier nur noch für Besucher und Gäste.

Die Gänge zwischen den Büros der Geschäftsstelle sind kurz vor einer Tagung dennoch voll: mit Kisten und Kartons, in denen die Technik verpackt ist. Manche Kollegen erlauben sich dann einen Scherz. „Synode fällt aus“, sagen sie beispielsweise. „Alles, bloß das nicht“, antwortet Pia Marquardt darauf und runzelt die Stirn. Schließlich arbeiten sie und ihre drei Kolleginnen lange auf die Synode hin, bereiten Unterlagen vor und Schriftstücke so auf, dass es für die Synode passt, kümmern sich um Übernachtungsmöglichkeiten, darum, dass am Tagungsort selbst alles stimmt – von der Technik über das Catering bis hin zu den Stenografen und Schreibkräften.

Die sind wichtig, denn für jede Tagung gibt es ein Wortprotokoll. Im Zehn-Minuten-Takt wechseln sich die Stenografen ab und diktieren ihre Mitschriebe dann den Schreibkräften. Viel Aufwand? Ja. Könnte man die Debatten nicht einfach aufnehmen? Nein. Denn wenn es viele Zwischenrufe gebe, könne ein Aufnahmegerät nicht mit den Stenografen mithalten. Auch von der Geschwindigkeit her nicht, mit der die Protokolle erstellt werden. Denn am Ende eines Sitzungstages ist der erste Entwurf  bereits zusammengefügt. Nach der Tagung gibt es mehrere Korrekturläufe, vor der nächsten Tagung ist das Protokoll gedruckt.

Eine Herausforderung seien die Auswärtssynoden, erzählen Pia Marquardt und Kathrin Hahn. Normalerweise tagt das Gremium in Stuttgart. Aber immer wieder kommt die Synode auch an anderen Orten zusammen. Da kann es schon einmal sein, dass am Tagungsort selbst neue Leitungen im Vorfeld verlegt werden müssen, damit die Synode ablaufen kann wie gewohnt.

Routine für Marquardt und Hahn. Vieles planen sie und ihre Kolleginnen im Voraus. Manches kommt dann doch  überraschend. Vor der papierlosen Tagung etwa, als zwei Kopierer nacheinander kaputtgingen, oder wenn jetzt die Internetverbindung ausfällt. Aber auch das ist nichts Besonderes für die Organisatorinnen. Eher schon, wenn der Ministerpräsident zu einer Synodaltagung anreist. Das war im Sommer 2017 in Reutlingen. Allein die Sicherheitsvorkehrungen und der Personenschutz für den Besuch haben sie beeindruckt. Aber aus der Ruhe bringt sie nichts so schnell.